Jeremy Jacquet Chelsea GFXGetty/GOAL

Transfergerüchte gibt es auch um den FC Bayern: Zahlt Chelsea 60 Millionen Euro für einen unerfahrenen Innenverteidiger?

Schon deutlich früher hätten sich die Blues seriös um ihre Innenverteidigung kümmern müssen. Genauer gesagt im Sommer 2022, als der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger ablösefrei zu Real Madrid ging. 2024 verließ dann auch noch Champions-League-Sieger Thiago Silva den FC Chelsea - doch auch danach kamen nur überteuerte Spieler an die Stamford Bridge, die sich zuvor noch nicht nachhaltig auf der großen Bühne bewiesen hatten.

Auch der 20-jährige Franzose Jeremy Jacquet von Ligue-1-Klub Stade Rennes ist spielerisch noch lange nicht ausgereift. Doch der Innenverteidiger ist einer der talentiertesten Spieler seiner Generation. Laut Sky hat ihn deshalb auch der FC Bayern München auf dem Zettel. GOAL stellt das begehrte Juwel vor.

  • Die ersten Schritte

    Jacquet wurde am 13. Juli 2005 im Pariser Vorort Bondy geboren - sieben Jahre nach einem gewissen Kylian Mbappe, der ebenfalls von dort stammt. Jacquet war also noch nicht einmal ein Jahr alt, als Zinedine Zidane Marco Materazzi im Finale der Weltmeisterschaft 2006 in Berlin einen Kopfstoß versetzte und Frankreich im Elfmeterschießen gegen Italien verlor. Als Les Bleus die Weltmeisterschaft im Jahr 2018 dann zum zweiten Mal gewannen, war Jacquet gerade 13 Jahre alt geworden und spielte bei RC Joinville.

    Das Talent aus dem Pariser Raum schloss sich anschließend allerdings nicht etwa Frankreichs Primus Paris Saint-Germain an, sondern entschied sich für den Weg nach Rennes - dort, in der Bretagne, gibt es schließlich eine der besten Jugendakademien der Welt. Unter anderem Ballon-d'Or-Sieger Ousmane Dembele (PSG)und Real-Star Eduardo Camavinga wurden hier schon ausgebildet.

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    Der große Durchbruch

    Bereits im Alter von 18 Jahren gelang Jacquet der Sprung aus Rennes' Jugendabteilung in die erste Mannschaft. Im Januar 2024 feierte er im Ligue-1-Duell mit dem OGC Nizza sein Profidebüt. Wenige Tage später wurde er bis zum Ende der Saison an Abstiegskandidat Clermont Foot ausgeliehen, konnte dort jedoch nicht helfen, den Klassenerhalt zu sichern. In Rennes war man sich sicher: Für Jacquets Entwicklung wäre es am besten, wenn er auch in der Ligue 2 bei Clermont bleibt, um sich dort zu verbessern. 

    Im Sommer 2024 stand die U19-EM an. Jacquet wurde nominiert, durfte sogar für 45 Minuten die Kapitänsbinde tragen, und wurde mit Frankreichs Junioren erst im Finale von Spanien gestoppt.

    Im Februar 2025 hatte Jacquet bei Clermont so sehr beeindruckt, dass ihn Rennes sofort wieder in seinen eigenen Reihen haben wollte.

    Jacquet war nicht nur der Dreh- und Angelpunkt in der Abwehr Clermonts, sondern auch eine Gefahr in der Luft und nützlich im Spielaufbau. Rennes entschied, dass es sich lohnte, die Leihe abzubrechen – und dafür fast eine Million Euro Entschädigung zu zahlen.

    Jacquet stand in elf der verbleibenden 14 Ligue-1-Spiele Rennes' in der Startelf und trug dazu bei, dass der Verein sich aus dem Abstiegskampf befreite und mit Platz 11 einen Platz im gesicherten Mittelfeld belegte.

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    So läuft's gerade

    Trotz der begrenzten Erfahrung in einer der fünf Spitzenligen Europas (29 Profispiele) wurde Jacquet schon im Sommer 2025 mit einem Mega-Transfer in Verbindung gebracht. Der FC Arsenal wollte den 20-Jährigen als Ersatz für Jakub Kiwior verpflichten. Doch weder Rennes selbst noch Jacquet zeigten sich offen für den Transfer,

    Die Spekulationen im Sommer lenkten Jacquet offensichtlich nicht ab. Er stand in dieser Saison in allen Ligaspielen in der Startformation, mit Ausnahme von zwei Partien, in denen er gesperrt war. Er hat fünf Länderspiele für die französische U21 bestritten, aber es werden immer mehr Stimmen laut, die Didier Deschamps auffordern, ihn im März vor der Weltmeisterschaft im Sommer in der A-Nationalmannschaft zu testen.

    Angesichts seiner starken Form war es unwahrscheinlich, dass Jacquet ein ruhiges Wintertransferfenster erleben würde.

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    Seine Stärken

    Jacquet verfügt über ein hohes Maß an Selbstvertrauen und kontrollierter Aggressivität. Er hat sowohl physisch als auch mental das Zeug zu einem Spitzen-Innenverteidiger. Sowohl in einer Dreier- als auch in Viererkette hat er sich bereits bewiesen. Als einer der Außenverteidiger in einer Dreierkette stellte Jacquet seine Fähigkeit unter Beweis, mit Schnelligkeit und klugem Stellungsspiel große Räume zu verteidigen. Zudem ist der 1,90 Meter große Hüne sehr kopfballstark.

    Jacquet hat das Gespür für ein starkes Stellungsspiel und Antizipation. Er fängt im Schnitt 1,69 Bälle pro Spiel ab - ein Spitzenwert. 

    Was Jacquet von anderen Verteidigern in Frankreich unterscheidet, ist seine Arbeit am Ball. Schaut man sich ein beliebiges Spiel von Rennes an, sieht man, wie er mit direkten vertikalen Pässen und Dribblings bis in die gegnerische Hälfte vordringt.

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    Woran er noch arbeiten muss

    Es gibt zwei Hauptbedenken bei Jacquet. Da ist zunächst natürlich die Frage, wie er sich in einer Liga und einem Team behauptet, die viel stärker unter Beobachtung stehen. Auch die enorm hohe Ablöse - im Gespräch sind rund 60 Millionen Euro - könnte ihn unter Druck setzen.

    Der zweite Punkt betrifft seine Spielweise. Jacquet spielt größtenteils mit angemessener Aggressivität und kommt mit seiner Tendenz zu hartem Zweikampfverhalten durch. Wenn es jedoch schiefgeht, kann dies spektakulär nach hinten losgehen. Es kommt nicht selten vor, dass er ein leichtfertiges Foul begeht.

    Zu Beginn dieser Saison erhielt Jacquet die erste Rote Karte in seiner Karriere während der 0:5-Niederlage von Rennes bei PSG. Er hatte bereits eine Gelbe Karte und trat Goncalo Ramos dann gegen die Knöchel. Das war eher ein Konzentrationsproblem. Doch in seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr zu Rennes erhielt Jacquet direkt eine weitere Verwarnung, die eine automatische Sperre nach sich zog.

    Ein Wechsel zu einem solch hitzköpfigen Team wie Chelsea - das in der Fairplay-Tabelle der Premier League auf dem letzten Platz liegt - könnte kontraproduktiv sein.

  • Tottenham Hotspur v Villarreal CF - UEFA Champions League 2025/26 League Phase MD1Getty Images Sport

    Der neue ... Cristian Romero?

    Jacquets Stil ähnelt auffallend jenem von Tottenham-Kapitän Cristian Romero.

    Sowohl Jacquet als auch der argentinische Weltmeister sind kompromisslos aggressiv, im Guten wie im Schlechten. Man kann sie nicht zähmen, wenn man will, dass sie ihre besten Leistungen bringen.

    Obwohl Romero in dieser Saison bei den Spurs defensiv so seine Probleme hat, bleibt er für den Aufbau der Spurs-Angriffe unverzichtbar. Er kann starke Pässe zwischen den Linien spielen, und stellt die Abseitsfalle oft hoch.

    Aber Romero bleibt ein Spieler von Tottenham und keinem besseren Verein, weil er seine schlechten Gewohnheiten noch nicht dauerhaft abgelegt hat: die unnötigen Fouls, die überdrehten Grätschen, die Rücksichtslosigkeit. Jacquet ist erst 20 Jahre alt und wird in den nächsten Jahren noch lernen müssen, vorsichtiger zu spielen.

  • Wie geht es weiter?

    Jacquet und Chelsea haben sich laut Medienberichten bereits auf einen Wechsel im Januar verständigt. Die horrende Ablöseforderung von angeblich 60 bis 70 Millionen Euro ist ebenso ein Stolperstein wie das Interesse anderer Spitzenvereine. Laut RMC Sport wird daher aktuell ein Transfermodell diskutiert, bei dem die Blues eine niedrigere Ablöse zahlen, die Rede ist von 50 Millionen Euro, und Jacquet nach vollzogenem Deal noch für die Rückrunde an Rennes ausleihen.

    Rennes liegt in der Ligue 1 nur zwei Punkte hinter einem Champions-League-Qualifikationsplatz und weiß, dass es auch im Sommer 2026 Interesse an Jacquet geben wird, sollte Chelsea die geforderte Ablösesumme nicht zahlen. Für Jacquet könnte es sogar das Beste sein, abzuwarten und seine Optionen am Ende der Saison neu zu bewerten. Schließlich strauchelt Chelsea aktuell leicht.

    Rennes-Cheftrainer Habib Beye kommentierte die Situation jüngst: "Ich glaube, dass Jeremy für unsere Ziele sehr wichtig ist. Wenn er gehen würde, müssten wir diese Ziele herunterschrauben, denn er ist ein unverzichtbarer Spieler für uns, einer der besten in unserer Mannschaft. Wir müssen wissen, wie wir dieser Art von Annäherungsversuchen widerstehen können."

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