Elye Wahi verließ Eintracht Frankfurt Anfang des Jahres als Transferflop, nachdem er den für ihn gezahlten Betrag von 26 Millionen Euro nicht einmal ansatzweise gerecht werden konnte. Es folgte die Rückkehr in seine vertraute Umgebung nach Frankreich, wo er nun bis zum Saisonende an OGC Nizza ausgeliehen ist. Dort wirkt er nach nur wenigen Spielen wie ausgewechselt und lässt den Wahi aufblitzen, den Frankfurt einst zu verpflichten hoffte.
IMAGO / PsnewZPfiffe von den Fans, Zweifel in ganz Frankfurt: Eintracht-Transferflop dreht nach Seuchenjahr auf einmal wieder auf
Wahi kommt an die Marmoush-Zahlen nicht heran
Das Ende von Elye Wahi bei Eintracht Frankfurt war wahrlich nicht glorreich. Sportvorstand Markus Krösche hatte ihn im Wintertransferfenster der Saison 2024/25 für gutes Geld von Olympique Marseille verpflichtet. Die Erwartungen an den Stürmer waren entsprechend hoch: In 125 Ligue-1-Spielen für OM, Montpellier und RC Lens hatte Wahi zuvor beachtliche 44 Tore erzielt und 13 Vorlagen geliefert. In Frankfurt sollte er jedoch die großen Fußstapfen von Omar Marmoush füllen, der in der Hinrunde der Saison 2024/25 aberwitzige Zahlen aufgelegt hatte: Nach 26 Spiele und 34 Scorerpunkten (20 Tore, 14 Vorlagen) war der jedoch für 75 Millionen Euro zu Manchester City gewechselt.
Unter diesen Voraussetzungen schien Wahis Frankfurter Episode ohnehin fast von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Er ist eben kein Erling Haaland oder Kylian Mbappe, die in einer Saison einfach mal mehr als 30 Tore in einer Saison schießen, wie es Marmoush damals getan hatte. Doch selbst wenn man die Erwartungen ein, zwei Stufen niedriger angesetzt hätte, bleibt Wahis kurzer Aufenthalt bei den Hessen enttäuschend.
Schon kurz nach seiner Ankunft wurde deutlich, dass es schwierig für ihn werden würde: Trainer Dino Toppmöller setzte den Franzosen in der gesamten Rückrunde nur einmal von Beginn an ein. Auch in der Hinrunde 2025/26 änderte sich daran wenig bis gar nichts - Wahi blieb meist auf der Ersatzbank und kam nur zu Kurzeinsätzen. In insgesamt 25 Bundesliga-Spielen erzielte er lediglich ein Tor, ehe endlich die Reißleine gezogen wurde.
GettyWenig Rückhalt für Elye Wahi in Frankfurt
So schnell, wie er gekommen war, zeichnete sich auch Wahis Abgang ab - allerdings nicht, ohne ihm auf dem Weg raus aus Frankreich ein paar Nadelstiche mitzugeben. Etwa als Toppmöller im Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg Michy Batshuayi und Jessic Ngankam den Vorzug gab, obwohl diese bis dahin keine Rolle im Team gespielt hatten. Ngankam etwa war erst kürzlich davor von einem schlimmen Schien- und Wadenbeinbruch zurückgekehrt. Toppmöller erklärte dies als "sportliche Entscheidung".
Auch in der Öffentlichkeit erhielt Wahi wenig Rückhalt: Kritik nach dem Pokalspiel gegen Borussia Dortmund bezeichnete Toppmöller als "ehrlicherweise nachvollziehbar". Gegen Atalanta Bergamo in der Champions League wurde Wahi sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen. Klubverantwortliche seien schlichtweg "schockiert" von Wahis schwachen Leistungen gewesen sein.
Mitte Dezember berichtete die Bild-Zeitung dann, dass es intern Kritik am Umgang Toppmöllers mit Wahi gebe. Wahi hatte demnach auf die Perspektive in einem System mit Doppelspitze gehofft, kam in dieser Rolle jedoch nie zum Einsatz. Zudem soll er bemängelt haben, dass er fast ausschließlich gegen Gegner startete, die seinem Spielstil kaum entgegenkamen.
gettySGE hat schon mit Ebnoutalib einen möglichen Wahi-Nachfolger geholt
Das Tischtuch war endgültig zerschnitten, im Januar 2026 folgte schließlich der Wechsel: Die Frankfurter verliehen Wahi bis zum Saisonende an OGC Nizza, "damit er sich sein Selbstvertrauen und Selbstverständnis zurückholt", wie Krösche erklärte. Genau das gelang ihm - und zwar erstaunlich schnell. In seinem Debütspiel für den Ligue-1-Klub erzielte er gegen Racing Strasbourg ein Traumtor: Er bekam den Ball in den Lauf, bremste am Strafraumeck ab, zog in Arjen-Robben-Manier nach innen und schoss das Spielgerät wuchtig ins lange Eck.
Auch in den Wochen danach bestätigte Wahi seine starke Form und konnte seine Stärken - Antritt, Abschlussstärke und Technik - endlich wieder entfalten. Gegen Toulouse traf er erneut, sein dritter Treffer folgte wenig später im vierten Einsatz gegen Stade Brest. In nun acht Pflichtspielen für Nizza hat er 610 Minuten absolviert - und damit bereits mehr als in seinen 14 Einsätzen für die Eintracht in dieser Saison (400 Minuten). Seine vier Scorer (3 Tore, 1 Assist) in acht Spielen können sich auch sehen lassen.
Mit seinem Treffer gegen Strasbourg wurde Wahi zudem zum zwölftschnellsten Spieler der Ligue 1, gemessen nach Einsatzminuten, der die Marke von 45 Toren erreicht hat. Natürlich ist das Rampenlicht in Nizza nicht so grell wie in Frankfurt: Die Eintracht strebt nach europäischen Plätzen, während Nizza aktuell auf Rang 14 liegt und vor allem das gesicherte Mittelfeld erreichen will. Vielleicht liegt ihm die Rolle des Underdogs einfach besser - wie damals, als er in Montpellier, heute Zweitligist, auf sich aufmerksam machte und beim Wechsel zu Lens für 30 Millionen Euro zum teuersten Spieler der Vereinsgeschichte wurde.
Zum Saisonende soll Wahi wieder in die Main-Stadt zurückkehren. Wie es danach für ihn weitergeht, ist noch ungewiss. "Wir werden seinen Weg eng verfolgen", kündigte Krösche an. Mit Younes Ebnoutalib hat die Eintracht die Mittelstürmerposition eigentlich erst kürzlich verstärkt - auch wenn dieser derzeit noch verletzt ist. Nach allem, was zwischen Wahi und der Eintracht passiert ist, erscheint es schwer vorstellbar, dass er dort künftig eine bedeutende Rolle spielen wird, zumal sein Vertrag noch bis 2030 läuft.
Die Zahlen von Elye Wahi bei OGC Nizza in der Saison 2025/26
- Spiele: 7
- Spielminuten: 504
- Tore: 3
- Assists: 1



