Real Madrid C.F. v Olympique de Marseille - UEFA Champions League 2025/26 League Phase MD1Getty Images Sport

Persona non Grata in Liverpool und Dauerpatient in Madrid: Trent Alexander-Arnold erlebt ein völlig verkorkstes erstes Halbjahr bei Real

Trent Alexander-Arnold sprach im Sommer von einem erfüllten Traum, als er den FC Liverpool verließ, um sich gegen eine Ablöse von rund zehn Millionen Euro dem spanischen Giganten Real Madrid anzuschließen. Die Realität nach diesem Schritt ist jedoch ernüchternd. Statt sportlicher Erfüllung folgte der Bruch mit seiner Heimat: Sein einst unantastbarer Status in Liverpool ist nachhaltig beschädigt. Und auch in Madrid gelingt ihm bislang wenig - aus unterschiedlichen Gründen.

  • Hinter Real Madrid liegen turbulente Tage: Spaniens Edelklub verlor vor gut einer Woche in Saudi-Arabien das Finale der Supercopa gegen Erzrivale FC Barcelona und ließ damit den ersten Titel des neuen Jahres liegen, direkt im Anschluss musste auch Trainer Xabi Alonso seinen Posten räumen und wurde durch Alvaro Arbeloa ersetzt. Es folgten das blamable Pokal-Aus beim Zweitligisten Albacete Balompie (2:3) sowie der von heftigen Nebengeräuschen begleitete Heimsieg gegen UD Levante (2:0).

    Trent Alexander-Arnold nahm dabei jeweils nur die Rolle des Zuschauers ein. Zwar gehörte er in der Supercopa zum 21-köpfigen Aufgebot der Königlichen, kam jedoch überhaupt nicht zum Einsatz. Grund dafür ist eine anhaltende Muskelverletzung, die er sich Anfang Dezember im Ligaspiel gegen Athletic Bilbao zugezogen hatte. Nach aktuellem Stand wird der Rechtsverteidiger dem Team voraussichtlich noch den gesamten Januar fehlen, immerhin trainiert er jedoch wieder. Seine Nominierung für die Reise nach Saudi-Arabien hatte daher eher symbolische als sportliche Gründe.

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  • Verletzungen bremsen "TAA" bei Real Madrid aus

    Dass Alexander-Arnold verletzt fehlt, ist bei Real Madrid bei weitem kein Ausnahmefall, sondern eher ein wiederkehrendes Muster. Es ist bereits die zweite längere Verletzung in seiner noch jungen Zeit bei den Blancos. Zum Saisonauftakt hatte ihn eine Oberschenkelverletzung ausgebremst, die er sich nach nur acht Minuten im Spiel gegen Olympique Marseille zuzog. Wettbewerbsübergreifend verpasste er deswegen sieben Partien, zwei weitere saß er nach seiner Rückkehr in den Kader über die volle Distanz auf der Bank - insgesamt musste er sogar bereits 17 Begegnungen aussetzen.

    Ein halbes Jahr nach seiner Vorstellungspressekonferenz, bei der er über seinen Wechsel in fließendem Spanisch von einem "Traum, der wahr wird" sprach und damit Fans wie Medien gleichermaßen beeindruckte, fällt die Bilanz daher ernüchternd aus. Das ist jedoch nicht nur auf seine Verletzungen zurückzuführen, auch sportlich verlief sein Start alles andere als reibungslos.

    Bereits nach seinem Debüt geriet Alexander-Arnold ins Visier der gnadenlosen spanischen Presse. Beim blamablen 1:1 gegen den saudi-arabischen Erstligisten Al-Hilal bei der Klub-WM wurde Alexander-Arnold nach 65 Minuten ausgewechselt. Die Zeitung Sport bewertete seinen Auftritt mit lediglich 5 von 10 Punkten und sprach von einem misslungenen Einstand: Alonso habe ihn mit Ball im Mittelfeld positioniert, doch Alexander-Arnold habe nie Sicherheit ausgestrahlt oder Akzente setzen können. Auch körperlich sei er weit von seiner Bestform entfernt gewesen.

    Auch Football Espana bewertete ähnlich streng: "Vor seinem Debüt wurde viel über Trent Alexander-Arnold gesprochen, aber es war enttäuschend. Defensiv war er nicht in Bestform und hatte Mühe, sich im Angriff durchzusetzen, bevor er schließlich ausgewechselt wurde."

  • Girona FC v Real Madrid CF - LaLiga EA SportsGetty Images Sport

    Verletzungen und England-Ausbootung: Trent Alexander-Arnolds Stotterstart in die Saison

    Beim erfolgreichsten Verein Europas sind die Erwartungen an jeden Spieler astronomisch hoch - auch Alexander-Arnold bildet da keine Ausnahme. Der 27-Jährige war bei dem 15-maligen Champions-League-Sieger als langfristiger Nachfolger der alternden Vereinsikone Dani Carvajal auf der rechten Abwehrseite vorgesehen und hatte dadurch große Schuhe zu füllen. Doch selbst in Phasen, in denen Alexander-Arnold fit war, gelang es ihm nicht, sich nachhaltig zu etablieren. Alonso rotierte regelmäßig zwischen dem Engländer und dem 33-jährigen Carvajal, eine klare Startelfgarantie gab es zu keinem Zeitpunkt.

    Erst begünstigt durch Carvajals Knieverletzung kam Alexander-Arnold bis zu seiner eigenen Muskelblessur im Dezember wieder häufiger von Beginn an zum Einsatz. Den erhofften sportlichen Durchbruch brachte ihm diese Phase jedoch nicht wirklich. Der kreative Einfluss, der ihn beim FC Liverpool unter Jürgen Klopp und später Arne Slot so wertvoll gemacht hatte, blieb bislang aus. Nach elf Pflichtspielen steht lediglich eine Torvorlage zu Buche. Seine offensive Durchschlagskraft und die einst gefürchteten Flanken entfalten nicht die gewohnte Wirkung, während er defensiv weiterhin bei weitem nicht zur Elite gehört.

    Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel äußerte sich kritisch zur defensiven Seite von Alexander-Arnolds Spiel. Im September strich er ihn für die Länderspiele gegen Andorra und Serbien sogar aus dem Kader: "Ich habe mit Trent gesprochen. Es war ein schwieriges Telefonat, aber ich wollte, dass er es von mir hört", erklärte der ehemalige Bayern-Coach: "Ich sehe, dass er sich manchmal stark auf seine Offensivleistungen verlässt und der Defensivdisziplin und -arbeit nicht so viel Bedeutung beimisst. Er hat über so viele Jahre hinweg einen großen Einfluss auf Liverpool gehabt ... Wenn er diesen Einfluss auch in der englischen Nationalmannschaft haben will, muss er die Defensive sehr, sehr ernst nehmen." Tatsächlich hat Alexander-Arnold seit seinem Wechsel zu Real nur eine Partie für die Three Lions absolviert. In den anderen sieben Länderspielen kam er entweder nicht zum Einsatz, wurde nicht nominiert oder fehlte verletzungsbedingt.

  • trent-alexander-arnold(C)Getty Images

    Von einer Legende zur Persona non grata eins in Liverpool

    Während Alexander-Arnolds Start bei Real Madrid bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt und die Unzufriedenheit wächst, brodelt es in seiner Heimat Liverpool umso heftiger. Viele Fans haben dem 27-Jährigen seinen Abschied nicht verziehen und zeigen ihren Unmut offen. Bereits im Mai, als offiziell wurde, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde - bei jenem Verein, bei dem er groß wurde, seinen Durchbruch als Profi feierte und mit dem er in 354 Spielen auf Vereinsebene so gut wie alles gewann -, machten sich die negativen Reaktionen bemerkbar.

    Bei seiner Einwechslung am drittletzten Spieltag der vergangenen Saison, als die Reds bereits als Meister feststanden, wurde er im eigenen Stadion gnadenlos ausgebuht. Auch Klopp zeigte sich tief betroffen: "Ich habe den Fernseher ausgeschaltet. Ehrlich gesagt hätte ich in diesem Moment nicht enttäuschter sein können. Das sind nicht wir, zu 100 Prozent nicht." Doch Klopps Enttäuschung vermochte die Wut der Fans nicht zu mildern - im Gegenteil.

    Als Alexander-Arnold später nach Liverpool zurückkehrte, nicht als Spieler, sondern als Trauernder, um an der Anfield Road einen Kranz zu Ehren des verstorbenen Vereinskollegen Diogo Jota niederzulegen, folgte der nächste Eklat. Sein 2019 enthülltes Wandgemälde an der Sybil Road, das seinen Legendenstatus im Verein nach dem Champions-League-Triumph untermauerte, wurde verunstaltet. Seine Rückennummer 66 war beschmiert, ergänzt durch den beleidigenden Spruch "Auf Wiedersehen, Ratte".

    Alexander-Arnold bekommt es in seiner wohl schwierigsten Saison aktuell von allen Seiten ab. Immerhin: Auch wenn der Start in der spanischen Hauptstadt holprig verlief, bleibt dem 27-Jährigen noch genügend Zeit, das Ruder herumzureißen und seinen Albtraum bei Real Madrid doch noch in einen Traum zu verwandeln. Schließlich läuft sein Vertrag noch bis 2031.

  • Trent Alexander-Arnold: Seine Leistungsdaten in der Saison 2025/26

    WettbewerbSpieleTore/VorlagenEinsatzminuten
    LaLiga80/1393
    Champions League30/0104
    Gesamt110/1497
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