"Oft klappt das, manchmal nicht": Wieder geht ein Experiment von Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany schief
Verkehrte Welt in München. Die erste Bundesliga-Pleite des FC Bayern kommt allerdings nicht gänzlich überraschend daher, sie deutete sich in gewisser Hinsicht an. Dazu kommt ein (temporäres) Problem, bei dessen Bewältigung Vincent Kompany fast schon ratlos wirkt.
Der Tenor war bei den Spielern, Verantwortlichen und Trainer Vincent Kompany durch die Bank weg derselbe: Der FC Augsburg hat sich den 2:1-Sieg durchaus verdient, dem FC Bayern München fehlte es an Griffigkeit und es war kein ausgesprochenes Ziel, Bayer Leverkusen den "Invincible"-Rekord streitig zu machen. Dagegen ist zunächst einmal nichts einzuwenden.
Besorgniserregend ist jedoch, dass sich bei der ersten Saisonniederlage in der Bundesliga eine Tendenz bestätigte, die schon in den vergangenen Partien zu sehen war. Dies wird von einer von vielen unglücklichen Umständen geschuldeten Problemzone im Kader gepaart, auf die Kompany offensichtlich keine Antwort zu haben scheint.
Anders als noch gegen Union Saint-Gilloise in der Champions League, den VfL Wolfsburg, 1. FC Köln und RB Leipzig im deutschen Oberhaus war es aber nicht die erste Hälfte, in der die Bayern uninspiriert bis durchwachsen spielten. Zwar glich das Spiel auch gegen den abstiegsbedrohten FCA vor der Pause keinem Leckerbissen, nach dem Seitenwechsel war jedoch überhaupt nichts mehr so, wie man es in dieser Spielzeit von den Bayern gewohnt ist. Selbst nach dem Ausgleich und Rückstand fehlte von einem Aufbäumen jede Spur. Zur fehlenden Offensivpower gesellte sich obendrein der Verlust einer eigentlichen Konstante in der Allianz Arena und im Großteil der deutschen Stadien: die Spielkontrolle.
Dem deutschen Rekordmeister gelang es erheblich weniger - Aleksandar Pavlovic ausgenommen - den Ball sauber in das letzte Angriffsdrittel zu befördern. Häufig war schon an der Mittellinie Schluss. Zum einen, weil sich Augsburg mehr traute und zum anderen, weil die Bayern schlichtweg platt waren. Sowohl körperlich als auch geistig. Die phasenweise fehlende Leichtigkeit der vergangenen Wochen hat nun ihren ersten Tribut gezollt.
"Wir waren in einer guten Position und die haben wir weggegeben. Am Ende haben wir nicht mehr die Energie bringen können, die uns über die Linie bringt", monierte Kompany. Hinzu kommt ein zuletzt stets größer gewordenes Lazarett aus Verletzten und Erkrankten. Jenem traten im Vergleich zum Auftritt in der Königsklasse auch noch Serge Gnabry (Magen-Darm) und Raphael Guerreiro (Wadenprobleme) bei.
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Vor allem auf einer Position: Der FC Bayern geht auf dem Zahnfleisch
"Wenn ich das als Erstes gesagt hätte, hätte es wie eine Entschuldigung ausgesehen", erklärte Sportvorstand Max Eberl anschließend und ging auf den vollen Terminkalender mit fünf Pflichtspielen in 13 Tagen ein, der am kommenden Samstag sogar nochmal voller wirkt. Das Gastspiel beim HSV ist die siebte Partie in 20 Tagen.
"Trotzdem haben wir heute eine sehr gute Mannschaft auf dem Platz gehabt und es nicht geschafft, auf 100 Prozent zu kommen", betonte Eberl. Auch Kompany wollte die vielen Ausfälle nicht als Ausrede zählen lassen, merkte aber an: "Wenn du da eine Woche fehlst, hast du sofort drei Spiele verpasst. Und dann hast du vielleicht nicht die Form, sofort anzufangen."
Der Branchenprimus geht zweifellos auf dem Zahnfleisch. Als Sinnbild dient die Situation auf der rechten Abwehrseite. In Abwesenheit von Konrad Laimer, Josip Stanisic (beide verletzt) und Sacha Boey (ebenfalls krank) bot Kompany in Alphonso Davies zum dritten Mal in Serie einen anderen Rechtsverteidiger auf, der jeweils nicht auf der Position beheimatet ist. Wie schon im Fall von Tom Bischof in Leipzig ging das Experiment des Belgiers schief. Gegen Union Saint-Gilloise half Raphael Guerreiro hinten rechts aus und machte seine Sache zumindest passabel. Mehr aber auch nicht.
Drittes Experiment in Serie: Ratlosigkeit bei Vincent Kompany?
Die Wade des Portugiesen erlaubte kein weiteres Einspringen, weshalb Davies nach langer Zwangspause zu seinem Startelf-Comeback in ungeliebter Rolle kam. Die Berufung stellte sich schon in der ersten Hälfte als Fehler heraus und erweckte den Eindruck einer gewissen Ratlosigkeit Kompanys. "Wir haben es schon so oft gelöst und Vertrauen gehabt", sagte er auf der obligatorischen Pressekonferenz im Anschluss und gestand: "Wenn dann mal ein Spieler außerhalb seiner besten Position spielen muss, dann gehört das zum kollektiven Beitrag. Oft klappt das, manchmal nicht. Heute nicht."
Davies war in seinem Spiel sichtlich gehemmt, seinen starken Linken wusste er nicht einzusetzen. Offensiv ging deshalb wenig, defensiv war er wackelig. Ein erneutes Gastspiel des zumindest erprobten Bischof wäre womöglich die bessere Wahl gewesen. Jonathan Tah hat hinten rechts ebenfalls schon Erfahrungen gesammelt. Zumal die beiden Innenverteidiger Min-Jae Kim und Hiriko Ito (hinten links) ebenfalls in der Startelf standen. Nach rund einer Stunde wurde der Publikumsliebling schließlich erlöst.
Für ihn kam, wohlgemerkt beim Stand von 1:0, Joshua Kimmich. Durch die Nationalmannschaft noch mehr im Saft als seine drei Vorgänger. Dementsprechend hatten mit schon in Leipzig viele mit ihm gerechnet. Doch was beim Kanadier nicht "klappte", galt auch für den 30-Jährigen. An Augsburgs Siegtreffer hatte er sogar entscheidenden Anteil, weil er Vorlagengeber Dimitrios Giannoulis schalten und walten ließ.
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Auch Joshua Kimmich enttäuscht - und äußert sich vielsagend
Kimmich selbst hätte lieber im Mittelfeld geholfen, die zum Zeitpunkt seiner Einwechslung immer stärker werdenden Augsburger im Zaum zu halten. Angesprochen darauf, was er in der Zentrale Mehrwert bietet, erklärte er vielsagend: "Man versucht immer, seine individuelle Qualität auf den Platz zu bringen und ich hoffe, dass das in drei Tagen wieder der Fall sein wird."
Dabei ist die Flexibilität freilich eine Stärke im Bayern-Kader, wie auch Kimmich bemerkte. Schließlich sei auch Laimer "nicht der geborene Außenverteidiger" und Stanisic habe auch öfters schon als Innenverteidiger gespielt, betonte er richtigerweise. "Wir leben auch schon davon, dass viele Spieler auf verschiedenen Positionen spielen können und auf dieser Position ihre individuelle Qualität hereinbringen können. Natürlich hat der Phonzy jetzt heute rechts gespielt, aber wir hatten auch schon häufiger ein Rechtsfuß auf links und es hat funktioniert."
Doch alles funktioniert eben doch nicht. Das Kontingent für weitere Wagnisse ist ausgeschöpft. Dennoch ist die Pleite nicht an einzelnen Personalien festzumachen. "Sondern am Kollektiv", stellte Kimmich klar. Von einem "Kollektivversagen" sei man zwar "weit entfernt" gewesen, "wir hätten aber auch mit einem 1:1 heimfahren können. Dann wäre es gefühlt halb so wild gewesen", sagte er und sprach eine Art Drohung an die kommenden Gegner aus. "Für uns ist es jetzt dahingehend ganz interessant, weil es im Kopf natürlich schwerer wiegt, wenn man ein Spiel verliert und deswegen freue ich mich schon darauf, eine Reaktion zu zeigen."
Darauf dürfen sich die PSV Eindhoven und ausgerechnet Lieblingsgegner HSV "freuen", ehe die ersehnte Verschnaufpause von verhältnismäßig satten acht Tagen ansteht.
FC Bayern München, Spielplan: Die nächsten Spiele des FCB
Datum
Uhrzeit
Begegnung
Mittwoch, 28. Januar
21 Uhr
PSV Eindhoven - FC Bayern (Champions League)
Samstag, 31. Januar
18.30 Uhr
Hamburger SV - FC Bayern (Bundesliga)
Sonntag, 8. Februar
17.30 Uhr
FC Bayern - TSG Hoffenheim (Bundesliga)
Mittwoch, 11. Februar
20.45 Uhr
FC Bayern - RB Leipzig (DFB-Pokal)
Häufig gestellte Fragen
Der FC Bayern München wurde am 27. Februar 1900 im Schwabinger Café Gisela gegründet. Gründungsmitglieder waren elf junge Männer, angeführt vom späteren ersten Präsidenten Franz John. Die Gründung bedeutete die Abspaltung vom MTV München.
An der FC Bayern München AG, die sich insbesondere um die Fußballabteilung kümmert, hält der eigetragene Verein (eV) des FC Bayern München, also die rund 400.000 Mitglieder, mit 75 Prozent den Hauptanteil. Die restlichen 25 Prozent halten die Adidas AG, die Allianz SE und die Audi AG zu gleichen Anteilen (je 8,33 Prozent).
Das Stadion des FC Bayern München befindet sich im Norden der bayerischen Landeshauptstadt (Schwabing-Freimann) und trägt den Namen Allianz Arena.
Das Stadion des FC Bayern München, die Allianz Arena, bietet bei nationalen Spielen 75.024 Plätze, bei internationalen Ansetzungen 70.000.
Der FC Bayern München hat in seiner langen Historie eine Vielzahl von nationalen und internationalen Titeln gewonnen. Darunter zählen:
6-mal deutscher Ligapokalsieger (07/08, 04/05, 00/01, 99/00, 98/99, 97/98)
1-mal süddeutscher Pokalsieger (56/57)
Der FC Bayern München hat 33-mal die deutsche Meisterschaft gewonnen.
Aktuell hält Thomas Müller den Rekord für die meisten Einsätze für den FC Bayern München. Müller absolvierte bislang 746 Pflichtspiele für den FCB.
Die meisten Tore für den FC Bayern München hat Gerd Müller geschossen. Die mittlerweile verdorbene Vereinslegende traf 570-mal im Dress des deutschen Rekordmeisters. Dafür brauchte er 613 Spiele.
Für den FC Bayern München spielten eine Vielzahl an legendären Fußballern. Folgende Spieler trugen allesamt das Trikot des FCB:
Oliver Kahn, Sepp Maier, Manuel Neuer, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Klaus Augenthaler, Philipp Lahm, David Alaba, Bixente Lizarazu, Lúcio, Georg "Katsche" Schwarzenbeck, Stefan Effenberg, Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Lothar Matthäus, Franz "Bulle" Roth, Joshua Kimmich, Xabi Alonso, Franck Ribéry, Arjen Robben, Jamal Musiala, Mehmet Scholl, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Giovane Élber, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Claudio Pizarro.
Beim FC Bayern München standen in der Geschichte viele berühmte und erfolgreiche Trainer an der Seitenlinie. Dazu gehören:
Zlatko "Tschik" Cajkovski, Udo Lattek, Dettmar Cramer, Jupp Heynckes, Erich Ribbeck, Franz Beckenbauer, Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Hansi Flick und Thomas Tuchel.
Der Spitzname des FC Bayern München nimmt Bezug auf die Vereinsfarben. So werden die Spieler des deutschen Rekordmeisters meist nur "die Roten" genannt.
Darüber hinaus ist auch der Begriff "FC Hollywood" gebräuchlich, welchen der ehemalige Trainer Giovanni Trapattoni prägte. Der Spitzname bezieht sich auf eine turbulente Zeit des Vereins während der 90er-Jahre, als es zwischen einigen hochrangigen Spielern und Funktionären des Klubs zu Auseinandersetzungen kam - ähnlich wie in einer täglichen Seifenoper.