Während des Afrika-Cup-Finals zwischen Gastgeber Marokko und Senegal am Sonntagabend haben sich einige Balljungen und sogar marokkanische Spieler rund um das Handtuch von Senegals Torhüter Edouard Mendy nicht sonderlich sportlich gezeigt.
AFPJagdszenen und sogar Marokko-Star Achraf Hakimi macht mit! Marokkanische Balljungen schikanieren Senegal-Torwart Edouard Mendy in irrem Afrika-Cup-Finale
Sogar Marokko-Kapitän Achraf Hakimi klaut Mendys Handtuch
Wie auf Social Media kursierende Videos zeigen, wollten marokkanische Balljungen Mendys Handtuch, das jener neben seinem Tor platziert hatte, klauen. Senegals Ersatzkeeper Yehvann Diouf probierte, das zu verhindern und warf sich schützend auf das Handtuch. Die Balljungen ließen allerdings nicht locker, wollten Diouf das Handtuch abnehmen und liefen ihm sogar neben dem Spielfeld hinterher.
Kurios: Selbst Marokkos Mittelfeldspieler Ismael Saibari, der in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit ausgewechselt wurde, beteiligte sich an der unsportlichen Aktion. Als Diouf darauf wartete, Mendy das Handtuch zurückgeben zu können, stellte sich Saibari stoisch vor den Senegalesen und versuchte sogar kurz, ihn am Weg zu Mendy zu hindern.
Und neben Saibari war auch Marokkos Kapitän Achraf Hakimi bei der Mendy-Schikane mittendrin. Der Superstar von Paris Saint-Germain war zu sehen, wie er während einer Behandlungspause das Handtuch des senegalesischen Keepers von Al-Ahli nahm und über die Bande jemandem zuwerfen wollte. Senegals Linksverteidiger El Hadji Malick Diouf sprang daraufhin umgehend über die Absperrung und holte das Handtuch zurück.
AFPNach Handtuch-Ärger: Nigeria-Keeper macht sich über Marokko lustig
Schon bei Marokkos Halbfinale gegen Nigeria, das die Nordafrikaner im Elfmeterschießen für sich entschieden, hatte es derweil Handtuch-Ärger gegeben. So wurde auch das Handtuch von Nigerias Torhüter Stanley Nwabali entwendet - und der 29-Jährige setzte nach der dramatischen Finalniederlage der Marokkaner zur Retourkutsche an: "Benutzt all meine Handtücher, um eure Tränen zu trocknen", schrieb Nwabali in seiner Instagram-Story.
Marokko war als Topfavorit in das Heimturnier gestartet, wurde diesem Status allerdings nur beinahe gerecht. Im Endspiel von Rabat behielt letztlich Senegal die Oberhand, gewann dank eines sehenswerten Tores von Mittelfeldspieler Pape Gueye mit 1:0 nach Verlängerung.
Vor der Extra Time hätte das Endspiel indes fast in absolutem Chaos geendet. Kurz vor Ende der Nachspielzeit war Marokko nach VAR-Eingriff ein fragwürdiger, aber letztlich vertretbarer Elfmeter zugesprochen worden. Da Senegal wenige Minuten zuvor das vermeintliche Führungstor auf sehr umstrittene Art und Weise aberkannt worden war, weil der Schiedsrichter einen eigentlich handelsüblichen Zweikampf zwischen Abdoulaye Seck und Hakimi im Vorfeld als Foulspiel des Senegalesen wertete, witterten die Westafrikaner Benachteiligung und gingen auf die Barrikaden.
Nationaltrainer Pape Thiaw wollte zunächst sogar einen Spielabbruch herbei führen und wies seine Spieler an, die Partie nicht fortzusetzen. Kurzzeitig verschwand ein Großteil der senegalesischen Mannschaft tatsächlich in der Kabine, ehe Kapitän Sadio Mane, der die ganze Zeit über draußen geblieben war, sie doch zum Weitermachen überredete: "Es wäre wirklich traurig und bedauerlich gewesen, ein Finale so enden zu sehen. Es ist unmöglich, der Welt ein solches Bild zu vermitteln", sagte Mane später. Er hätte "lieber verloren, als so ein Ende zu erleben. Das hat mich dazu bewegt, den Jungs zu sagen, sie sollen auf den Platz zurückkehren und unseren Fußball spielen."
Marokko im Tal der Tränen: Senegal gewinnt seinen zweiten Titel beim Afrika-Cup
Nach rund 20-minütiger Unterbrechung wurde das Finale dann doch fortgesetzt, Real Madrids Brahim Diaz trat für Marokko zum möglicherweise siegbringenden Elfmeter an. Der Mittelfeldspieler versuchte es mit einem Panenka, scheiterte jedoch an Mendy - und statt marokkanischer Ekstase ging es direkt nach dem Fehlschuss in die Verlängerung.
Wenige Minuten nach deren Anpfiff traf Gueye dann zum senegalesischen Sieg, es ist nach 2022 der zweite Afrika-Cup-Titel für den WM-Viertelfinalisten von 2002. Marokko muss hingegen weiter auf den ersten Triumph seit 1976 warten, Trainer Walid Regragui sagte angesichts des wilden Spielverlaufs: "Das Bild, das wir vom afrikanischen Fußball abgegeben haben, war eher beschämend. Ein Spiel mehr als zehn Minuten lang unterbrechen zu müssen, während die ganze Welt zuschaut, ist nicht sehr stilvoll."
AFPMarokko geschlagen! Senegals Weg zum Afrika-Cup-Titel
- Senegal vs. Botswana 3:0 (Gruppenphase)
- Senegal vs. DR Kongo 1:1 (Gruppenphase)
- Senegal vs. Benin 3:0 (Gruppenphase)
- Senegal vs. Sudan 3:1 (Achtelfinale)
- Senegal vs. Mali 1:0 (Viertelfinale)
- Senegal vs. Ägypten 1:0 (Halbfinale)
- Senegal vs. Marokko 1:0 n.V. (Finale)