Die Entlassung von Thomas Tuchel beim BVB schlug 2017 hohe Wellen. Heute gibt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu, dabei Fehler gemacht zu haben.
IMAGO / Horstmüller"Heute würde ich ihn nicht mehr entlassen": Hans-Joachim Watzke gibt Fehler bei Trennung von Thomas Tuchel beim BVB zu
"Im Nachhinein muss ich sagen: Heute würde ich Thomas Tuchel wahrscheinlich nicht mehr entlassen", gestand Watzke im Interview mit der Sport Bild. Nach der Saison 2016/17 hatte sich der BVB nach zwei Jahren von seinem damaligen Trainer getrennt - nur wenige Tage nach dem Gewinn des DFB-Pokals. Ausschlaggebend dafür war das zerrüttete Verhältnis zwischen Tuchel und der Vereinsführung nach dem Bombenanschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am 11. April 2017 vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco.
Ein zentraler Konfliktpunkt war die Frage, ob die Partie nach dem Anschlag stattfinden sollte - Tuchel sprach sich dagegen aus. "Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, um das zu verarbeiten. Diese Zeit haben wir nicht bekommen", sagte Tuchel Jahre nach dem Vorfall.
Getty ImagesHans-Joachim Watzke: "Ohne den Anschlag wäre es nicht so weit gekommen"
"Rückblickend betrachtet: Ohne den Anschlag wäre es nicht so weit gekommen", räumt Watzke nun ein. "Wir hatten uns damals aber wegen dieser Thematik so zerlegt, dass es auf menschlicher Ebene wahrscheinlich nicht mehr richtig gut geworden wäre."
Watzke weiter: "Ich möchte auf die Details nicht zum 100. Mal eingehen. Wichtig ist mir aber, dass das, was nach außen kolportiert wurde, nicht dem entsprach, was wir intern besprochen hatten. Jedem Spieler stand es definitiv frei, am nächsten Tag nicht aufzulaufen, ohne irgendeine Konsequenz. Wir haben uns direkt nach der Saison zum Gespräch getroffen. Um zu klären, wie es weitergeht. Aber ehrlicherweise muss ich sagen: Keiner hat versucht, noch eine Basis zu finden. Es gab gar keinen richtigen Dialog. Nach 20 Minuten stand fest: Es kann nicht weitergehen."
Mittlerweile haben sich die Wogen zwischen Tuchel und Watzke wieder geglättet. "Heute verstehe ich mich wieder gut mit Thomas. Wir haben uns ausgesprochen. Und ich muss sagen: Er ist ein herausragender Trainer."
Thomas Tuchels Erfolge nach Borussia Dortmund
Nach seiner Zeit in Dortmund übernahm Tuchel das Traineramt bei Paris Saint-Germain und gewann dort zweimal die französische Meisterschaft, scheiterte jedoch 2020 im Champions-League-Finale am FC Bayern München. Den Traum vom Gewinn der Königsklasse erfüllte er sich ein Jahr später beim FC Chelsea. Anschließend betreute er fast eineinhalb Jahre den FC Bayern München. Seit Anfang des Jahres ist der 52-Jährige Trainer der englischen Nationalmannschaft und sicherte sich Anfang der Woche mit den Three Lions ungeschlagen und ohne Gegentor das WM-Ticket für 2026 in den USA, Mexiko und Kanada.
Thomas Tuchels Stationen als Trainer
- England: seit 01.01.2025 (10 Spiele)
- FC Bayern: 24.03.2023 - 30.06.2024 (61 Spiele)
- Chelsea: 26.01.2021 - 07.09.2022 (100 Spiele)
- PSG: 01.07.2018 - 29.12.2020 (127 Spiele)
- BVB: 01.07.2015 - 30.06.2017 (107 Spiele)
- Mainz 05: 04.08.2009 - 30.06.2014 (183 Spiele)

