SV Werder Bremen v FC Bayern München - BundesligaGetty Images Sport

"Es ist mein Traum, dass es noch Raum für eine Entschuldigung gibt": Bayern-Trainer Vincent Kompany gibt bewegendes Statement zum Rassismus-Eklat um Vinicius Junior ab - und kritisiert Jose Mourinho scharf

Bayern Münchens Trainer Vincent Kompany hat sich auf der Pressekonferenz am Freitagvormittag ausführlich zum Rassismus-Eklat rund um Vinicius Junior beim Champions-League-Spiel zwischen Benfica und Real Madrid (0:1) am Dienstag geäußert.

  • Vincent Kompany über Rassismus-Eklat: "Komponenten, die man gesondert betrachten muss"

    "Ich habe das Spiel live gesehen. Es gibt einige unterschiedliche Komponenten bei dieser Geschichte, die man gesondert betrachten muss. Was auf dem Platz passiert, was bei den Fans auf den Rängen passiert und was nach dem Spiel passiert", begann Kompany seine ausführliche Antwort, nachdem er auf das Thema angesprochen wurde.

    Vinicius hatte in der 50. Minute traumhaft Reals Siegtor in Lissabon erzielt und dieses vor den heimischen Fans mit einem Tänzchen gefeiert. Benficas Gianluca Prestianni sorgte dann für einen Eklat, als er Vinicius mutmaßlich rassistisch beleidigte, dabei jedoch das Trikot vor seinen Mund hielt. Sowohl der Brasilianer als auch seine Mitspieler um Kylian Mbappe betonten hinterher, dass Prestiannis Äußerungen rassistisch gewesen seien, während der Benfica-Profi das bestritt. Von Schiedsrichter Francois Letexier war die Partie derweil nach dem Vorfall zunächst unterbrochen worden, ehe sie nach knapp zehn Minuten wieder fortgesetzt wurde.

    Zu den Geschehnissen auf dem Rasen sagte Kompany: "Wenn man sich Vinicius‘ Reaktion anschaut, sieht man, dass diese nicht vorgetäuscht sein kann. Es ist eine emotionale Reaktion und ich sehe keinerlei Vorteil für ihn, zum Schiedsrichter zu gehen und dieses ganze Desaster auf seine Schultern zu laden. Es gibt keinen Grund für Vinicius, das zu tun. Aber er macht es und er tut es, weil es in dem Moment das einzig Richtige ist."

    Zudem spreche auch Mbappes Reaktion dafür, dass die Anschuldigungen gegen Prestianni der Wahrheit entsprechen, führte der Bayern-Coach aus: "Dann haben wir Kylian Mbappe, der normalerweise eher diplomatisch ist und alle Seiten betrachtet. Und er ist sehr klar darüber, was er gehört und gesehen hat." Außerdem war zu sehen, wie Zuschauer im Stadion rassistische Affen-Gesten in Richtung Vinicius machten. "Man kann das sehen, also passiert es", unterstrich Kompany.

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  • Jose Mourinho & Vinicius Juniorgetty

    Bayern-Trainer Vincent Kompany stört sich vor allem an Jose Mourinhos Eusebio-Bezug

    Was nach Abpfiff passierte, war für Kompany derweil "noch schlimmer", betonte er. Der Belgier nahm dabei Bezug auf Aussagen, die Benficas Trainer Jose Mourinho getätigt hatte. Der Portugiese gab Vinicius eine Mitschuld dafür, dass er immer wieder Opfer rassistischer Beleidigungen wird, da er zu sehr provoziere. "Irgendetwas stimmt nicht, denn es passiert in jedem Stadion. In einem Stadion, in dem Vinicius spielt, passiert immer etwas", so Mourinho. Explizit auf den Vorfall von Dienstag bezogen nannte er Vinicius' aufreizenden Jubel als Hauptgrund für die Reaktionen und wurde deshalb unter anderem vom ehemaligen Weltklasse-Spieler Clarence Seedorf bereits dafür kritisiert, Rassismus zu rechtfertigen.

    Kompany schlug in die gleiche Kerbe und attackierte Mourinho mit deutlichen Worten: "Eine Führungsperson wie Jose Mourinho benutzt Vinicius‘ Art des Jubelns, um dessen Charakter zu attackieren. Um zu diskreditieren, was Vinicius in diesem Moment macht. Für mich ist das ein großer Fehler, was Führungsqualität angeht. Und das ist etwas, das wir nicht akzeptieren sollten, da bin ich ganz klar", sagte der 39-Jährige.

    Insbesondere störte ihn auch, dass Mourinho Benfica-Legende Eusebio, der von 1960 bis 1975 für den Verein spielte, in seine Rechtfertigungen einbezog. "Als er über Rassismus diskutierte, habe ich ihm gesagt, dass die größte Persönlichkeit in der Geschichte dieses Vereins (Eusebio, d. Red.) schwarz war", hatte Mourinho über ein Wortgefecht mit Vinicius verraten. Kompany meinte dazu an The Special One gerichtet: "Weiß er, was dunkelhäutige Spieler in den 1960er Jahren durchmachen mussten? War er bei jedem Auswärtsspiel von Eusebio dabei? Weil mein Vater ebenfalls ein dunkelhäutiger Mann aus den 1960er Jahren ist, weiß ich, dass es zu jener Zeit wahrscheinlich ihre einzige Option war, ruhig zu sein. Nichts zu sagen, drüber zu stehen und zehnmal besser zu sein als andere, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das war wahrscheinlich Eusebios Leben. Seinen Namen heute zu benutzen, um eine Situation zu bewerten, die Vini Jr. erlebt hat ...", zeigte sich Kompany fassungslos über Mourinhos Verhalten, das er zudem als heuchlerisch empfindet.

    Um das zu untermauern, erinnerte er an einige der bekanntesten provokanten Jubelszenen des portugiesischen Startrainers. Beispielsweise, als er 2004 im Champions-League-Achtelfinale sein Weiterkommen mit dem FC Porto bei Manchester United aufreizend vor den englischen Anhängern im Old Trafford feierte. Oder, als er auf ähnliche Art und Weise den Triumph im CL-Halbfinale 2010 mit Inter Mailand vor den Fans des FC Barcelona bejubelte. Dennoch betonte Kompany dabei auch: "Wenn in diesen Situationen jemand Mourinho rassistisch attackiert hätte, hätte ich darauf gehofft, dass wir alle sagen: 'Stopp, sein Jubel ist nicht von Bedeutung. Lasst uns hören, was er zu sagen hat. Lasst uns ein paar elementare Dinge verteidigen'."

  • Vincent Kompany wünscht sich "Raum für eine Entschuldigung"

    Zudem plädierte Bayerns Erfolgstrainer dann auch dafür, Prestianni die ehrliche Möglichkeit zu geben, Reue zu zeigen - und der ständigen Spaltung in der modernen Welt entgegenzuwirken: "Wenn ich eine Situation wie diese sehe, ist es mein Traum – wenn es stimmt, dass der Spieler von Benfica etwas derart Schlimmes gesagt hat -, dass es immer noch Raum für eine Entschuldigung gibt. Raum dafür, dass er sagt: 'Sorry, ich habe einen Fehler gemacht'."

    Diese Option auf Versöhnung "nehmen wir uns, weil wir immer einteilen in links, rechts, schwarz oder weiß – und man entweder auf der einen oder der anderen Seite sein muss", beklagte Kompany, der auch auf rassistische Erfahrungen einging, die er in seinem bisherigen Leben im Fußball selbst durchmachen musste. Beispielsweise bei einem Champions-League-Spiel mit dem RSC Anderlecht bei Betis Sevilla im Dezember 2005, als er und der 2017 verstorbene Cheik Tiote von einigen Anhängern der spanischen Heim-Mannschaft rassistisch angefeindet wurden. 

    "War es da auch mein Jubel? Was habe ich getan?", fragte Kompany, der in jener Partie Anderlechts 1:0-Siegtor erzielte, vielsagend. Gleichzeitig betonte er, damals in Sevilla "einen der schönsten Momente meiner Karriere" erlebt zu haben. Er erklärte: "Die anderen Betis-Fans im Stadion begannen, die Ultras, die uns rassistisch beleidigten, auszubuhen. Es gab also einen Kampf innerhalb des Stadions zwischen Fans, die nicht einverstanden damit waren, was die Ultras ihres Vereins da taten. Das fand ich wunderschön. Die Welt ist nicht perfekt – aber es gibt Menschen aus dem selben Klub, die dagegen ankämpfen, weil sie es nicht akzeptieren."

    Wichtig war Kompany schließlich noch, auch in Richtung Mourinho versöhnliche Töne anzustimmen. "Ich habe hunderte Menschen getroffen, die mit Jose Mourinho gearbeitet haben. Keiner von ihnen hat jemals etwas Schlechtes über ihn gesagt. Alle Spieler, die unter ihm gespielt haben, lieben ihn", betonte er. "Wenn all deine Ex-Spieler so positiv über dich sprechen, kannst du kein schlechter Mensch sein."

    Er verstehe, dass Mourinho sich zu seinen Aussagen über Vinicius hinreißen ließ, weil er in jenem Moment seine Mannschaft, seinen Verein, seinen Spieler verteidigen wollte. "Aber er hat einen Fehler gemacht", unterstrich Kompany und schloss mit der Hoffnung auf Besserung: "Das wird in Zukunft hoffentlich so nicht mehr passieren und wir entwickeln uns weiter und wachsen. Schaut lieber auf die Dinge, die wir zusammen machen können als auf die Dinge, die uns immer wieder voneinander entfernen."

  • KompanyGetty Images

    Die nächsten Spiele des FC Bayern München

    • 21. Februar: FC Bayern vs. Eintracht Frankfurt (Bundesliga)
    • 28. Februar: BVB vs. FC Bayern (Bundesliga)
    • 6. März: FC Bayern vs. Borussia Mönchengladbach (Bundesliga)

Häufig gestellte Fragen

Der FC Bayern München wurde am 27. Februar 1900 im Schwabinger Café Gisela gegründet. Gründungsmitglieder waren elf junge Männer, angeführt vom späteren ersten Präsidenten Franz John. Die Gründung bedeutete die Abspaltung vom MTV München.

An der FC Bayern München AG, die sich insbesondere um die Fußballabteilung kümmert, hält der eigetragene Verein (eV) des FC Bayern München, also die rund 400.000 Mitglieder, mit 75 Prozent den Hauptanteil. Die restlichen 25 Prozent halten die Adidas AG, die Allianz SE und die Audi AG zu gleichen Anteilen (je 8,33 Prozent).

Das Stadion des FC Bayern München befindet sich im Norden der bayerischen Landeshauptstadt (Schwabing-Freimann) und trägt den Namen Allianz Arena.

Das Stadion des FC Bayern München, die Allianz Arena, bietet bei nationalen Spielen 75.024 Plätze, bei internationalen Ansetzungen 70.000.

Der FC Bayern München hat in seiner langen Historie eine Vielzahl von nationalen und internationalen Titeln gewonnen. Darunter zählen:

  • 33-mal deutscher Meister (22/23, 21/22, 20/21, 19/20, 18/19, 17/18, 16/17, 15/16, 14/15, 13/14, 12/13, 09/10, 07/08, 05/06, 04/05, 02/03, 00/01, 99/00, 98/99, 96/97, 93/94, 89/90, 88/89, 86/87, 85/86, 84/85, 80/81, 79/80, 73/74, 72/73, 71/72, 68/69, 31/32)
  • 20-mal DFB-Pokal Sieger (19/20, 18/19, 15/16, 13/14, 12/13 , 09/10, 07/08, 05/06, 04/05, 02/03, 99/00, 97/98, 85/86, 83/84, 81/82, 70/71, 68/69, 66/67, 65/66, 56/57)
  • 3-mal Champions League Sieger (19/20, 12/13, 00/01)
  • 3-mal Europapokal der Landesmeister Sieger (75/76, 74/75, 73/74)
  • 2-mal FIFA Klub-WM Sieger (20/21, 13/14)
  • 2-mal Weltpokal Sieger (2001 , 1976)
  • 2-mal UEFA Supercup Sieger (20/21, 13/14)
  • 1-mal UEFA Cup Sieger (95/96)
  • 1-mal Europapokal der Pokalsieger Sieger (66/67)
  • 10-mal deutscher Superpokalsieger (22/23, 21/22, 20/21, 18/19, 17/18, 16/17, 12/13, 10/11, 90/91, 87/88)
  • 6-mal deutscher Ligapokalsieger (07/08, 04/05, 00/01, 99/00, 98/99, 97/98)
  • 1-mal süddeutscher Pokalsieger (56/57)

Der FC Bayern München hat 33-mal die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Aktuell hält Thomas Müller den Rekord für die meisten Einsätze für den FC Bayern München. Müller absolvierte bislang 746 Pflichtspiele für den FCB.

Die meisten Tore für den FC Bayern München hat Gerd Müller geschossen. Die mittlerweile verdorbene Vereinslegende traf 570-mal im Dress des deutschen Rekordmeisters. Dafür brauchte er 613 Spiele.

Für den FC Bayern München spielten eine Vielzahl an legendären Fußballern. Folgende Spieler trugen allesamt das Trikot des FCB:

Oliver Kahn, Sepp Maier, Manuel Neuer, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Klaus Augenthaler, Philipp Lahm, David Alaba, Bixente Lizarazu, Lúcio, Georg "Katsche" Schwarzenbeck, Stefan Effenberg, Michael Ballack, Bastian Schweinsteiger, Lothar Matthäus, Franz "Bulle" Roth, Joshua Kimmich, Xabi Alonso, Franck Ribéry, Arjen Robben, Jamal Musiala, Mehmet Scholl, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge, Giovane Élber, Robert Lewandowski, Thomas Müller und Claudio Pizarro.

Beim FC Bayern München standen in der Geschichte viele berühmte und erfolgreiche Trainer an der Seitenlinie. Dazu gehören:

Zlatko "Tschik" Cajkovski, Udo Lattek, Dettmar Cramer, Jupp Heynckes, Erich Ribbeck, Franz Beckenbauer, Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel, Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Hansi Flick und Thomas Tuchel.

Der Spitzname des FC Bayern München nimmt Bezug auf die Vereinsfarben. So werden die Spieler des deutschen Rekordmeisters meist nur "die Roten" genannt.

Darüber hinaus ist auch der Begriff "FC Hollywood" gebräuchlich, welchen der ehemalige Trainer Giovanni Trapattoni prägte. Der Spitzname bezieht sich auf eine turbulente Zeit des Vereins während der 90er-Jahre, als es zwischen einigen hochrangigen Spielern und Funktionären des Klubs zu Auseinandersetzungen kam - ähnlich wie in einer täglichen Seifenoper.

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