Im Sturm müssen sich die VfB-Fans wohl keine Sorgen über eine Enttäuschung machen. An Undav führt kein Weg vorbei. Der bodenständige Torjäger dürfte auch kein Problem haben, nicht in der Startelf zu stehen. Zumal Woltemade seit Monaten deutlich schlechter performt, aber von Nagelsmann den Rücken gestärkt bekam. "Ich habe ihm erst letzte Woche gesagt, dass er entspannt bleiben soll. Wir haben Vertrauen in ihn."
Bei Stürmer Nummer drei scheiden sich jedoch die Geister. Klar ist, dass Nagelsmann noch einen Spielertypen in seinen Reihen haben will, "der in der Luft ein bisschen was regeln kann, wenn wir mal ein Tor brauchen und nicht alles mit den Zauberern dahinter lösen können, weil der Gegner so tief verteidigt." Als Kandidaten gelten in erster Linie Niclas Füllkrug und Jonathan Burkardt.
Ersterer "war lange Zeit raus, spielt jetzt immer mal 20, mal 30 Minuten, hat aber aktuell leider keine Quote und wenig Spielzeit", betonte Nagelsmann. Derzeit reicht es bei Füllkrug nur zu einer Joker-Rolle bei der AC Milan, welche er im DFB-Team aber ohnehin nur hätte und deshalb vermutlich auch nicht für Stunk sorgen würde. Der ebenfalls im November nominierte Burkardt war vor seiner langwierigen Verletzung indes unangefochtener Stammspieler bei Eintracht Frankfurt und kehrte zuletzt auch unter Riera wieder zurück in die Startelf. Gladbachs Tim Kleindienst hat dagegen keine Chance. "Bei ihm steht auch in den Sternen, wie er zurückkommt", sagte Nagelsmann.
So richtig zufriedenstellend ist also keine der genannten Varianten. Eine Option gibt es allerdings noch, die kaum thematisiert wird: Nicolo Tresoldi. Der Ex-Hannoveraner bringt mit 1,86 Meter Körpergröße zwar nicht das Gardemaß eines Kleindiensts mit, gilt aber als enorm kopfballstark. Das bewies der Stürmer bei allen seinen bisherigen Stationen. Für Club Brügge kommt er in der laufenden Spielzeit auf starke 13 Tore, drei davon in der Champions League - jeweils eines gegen den FC Barcelona und Atletico Madrid.
Bei der U21-EM 2025 präsentierte er sich zudem als kongenialer Partner von Woltemade in der Gruppenphase, ehe ihm hinten raus etwas die Puste ausging. In Brügge ist Tresoldi zweifellos den nächsten Entwicklungsschritt gegangen, was den DFB durchaus in Bedrängnis bringt. Denn Italien buhlt dem Vernehmen nach intensiv um die Dienste des 21-Jährigen, der in Cagliari geboren ist und erst im Jugendalter mit seinen Eltern nach Deutschland übersiedelte. Im Oktober sprach er noch von einer bewussten Entscheidung für den DFB, ließ sich aber ein Hintertürchen offen. "Wenn Gattuso mit mir sprechen möchte, würde mich das sehr freuen".
Ein WM-Ticket würde er wohl kaum ausschlagen, womit der DFB nach Spielern wie Josip Stanisic (Kroatien), Can Uzun oder Kenan Yildiz (beide Türkei) ein weiteres Top-Talent verlieren würde. Dass Nagelsmann seine Entscheidung davon beeinflussen lässt, darf hingegen bezweifelt werden. Eine Entscheidung pro Füllkrug scheint aktuell am wahrscheinlichsten zu sein, die Burkhardt mit einem starken Comeback in den kommenden Partien aber noch erheblich ins Wanken bringen könnte.