Matteo Palma 2024getty

Er lernte von einem Ballon-d'Or-Gewinner: DFB-Talent Matteo Palma muss sich wohl bald zwischen Deutschland und Italien entscheiden

Wenn im deutschen Fußball über die aktuell größten Talente gesprochen wird, fällt unweigerlich der Name Lennart Karl. Mit gerade einmal 17 Jahren ist er der Shootingstar der Bundesliga und eine der größten Hoffnungen des deutschen Fußballs, der sich nach nicht einmal einer Halbsaison beim FC Bayern München zum Stammspieler hochgekämpft hat. 

Weniger bekannt, aber nicht unbedingt minder beeindruckend, ist Matteo Palma, Karls ehemaliger Zimmerkollege, der in Italien bei Udinese Calcio einen vielversprechenden Start in die Profikarriere hingeliegt hat. Für den DFB könnte sich schon bald ein zäher Konkurrenzkampf um das Supertalent entwickeln.

  • Genau wie Karl ist auch Palma erst 17 Jahre alt, im Gegensatz zum Bayern-Star hat er jedoch den "Nachteil", dass er Innenverteidiger ist und daher nicht so viel mit Toren und Vorlagen glänzen kann, wie es Offensivspieler Karl tut. An seinem Potenzial ändert das jedoch nichts: Der gebürtige Berliner beeindruckt mit einer imposanten Größe von 1,94 Metern und einem für sein Alter kräftigen Körperbau, was ihn vor allem in der Luft nahezu unüberwindbar macht. Gleichzeitig ist Palma technisch versiert genug, um sich aktiv am Spielaufbau von hinten zu beteiligen, und kann bei Bedarf auch als rechter Verteidiger eingesetzt werden - also ähnlich wie sein großes Vorbild Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund: "Schlotterbeck ist nicht nur physisch sehr gut, sondern auch am Ball. Das ist im modernen Fußball auch für Innenverteidiger extrem wichtig. Diesen Mix will ich ebenfalls haben, daran arbeite ich."

    Seine ersten Schritte als Fußballer unternahm Palma in der deutschen Hauptstadt, wo er als Kind bei Hertha BSC in der U9 anfing. Palma, Sohn einer Deutsch-Kamerunerin und eines italienisch-österreichischen Vaters, lebte zur damaligen Zeit bei seiner Mutter, Bruder Leonard spielte ebenfalls bei der Alten Dame. Doch relativ schnell folgte jedoch ein Tapetenwechsel: "Nach einigen Jahren dort bin ich zu meinem Papa nach Italien gezogen. Da hat sich dann erst der Wechsel zu Udinese ergeben", verriet Palma gegenüber der Bild.

    Der Transfer zu Udinese fand im Jahr 2022 statt. Zunächst machte Palma auch in den Nachwuchsabteilungen des Serie-A-Klubs auf sich aufmerksam, doch schnell erkannte man, dass dieses Talent gezielt gefördert werden musste. Nach Stationen in der U19 und U20 folgte bereits 2024 der Aufstieg zu den Profis. Dort hätten die Bedingungen für ihn kaum besser sein können: In den ersten Monaten trainierte ihn kein Geringerer als Fabio Cannavaro, Italien-Legende, Weltmeister und Ballon-d'Or-Gewinner. "Es war natürlich etwas Besonderes, von ihm trainiert zu werden. Er hat speziell uns Verteidigern extrem viel beigebracht - etwa über die richtige Distanz zu den Angreifern, die Vorbereitung auf einzelne Gegenspieler oder das Kopfballspiel. Er hat mir also fast alles mitgegeben, was ein Innenverteidiger braucht."

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  • Matteo Palma glänzt in der Saisonvorbereitung

    Der endgültige Sprung zu den Profis bei Udinese gelang Palma allerdings nicht unter Cannavaro, sondern unter einem neuen Trainer: Nach einer turbulenten Saison 2023/24, in der Udinese gerade noch als Tabellen-15. den Abstieg vermeiden konnte, holten die Norditaliener den Deutschen Kosta Runjaic, der seitdem an der Seitenlinie die Fäden zieht. Es war der 54-Jährige, der Palma schließlich zu dessen Debüt in der ersten Mannschaft verhalf.

    In der Vorbereitung auf die Saison 2025/26 erhielt Palma von Runjaic die große Chance - und nutzte sie eindrucksvoll: Beim 2:1-Sieg gegen Werder Bremen erzielte er direkt ein Tor. "Dieses Tor zu schießen war ein unglaubliches Gefühl - ich konnte es kaum glauben!", frohlockte er. "Ich bin froh, dass ich in der Vorbereitung so viele Minuten gespielt habe. Das bedeutet mir als junger Spieler sehr viel. Es ist wichtig, gut in die Saison zu starten, und ich bin mit meinen Leistungen zufrieden." 

    Seitdem gilt Palma als festes Mitglied der Profimannschaft. Ist er nicht verletzt oder krank, steht er zu hundert Prozent im Kader. Mit nur 16 Jahren gab er wenige Wochen nach dem Bremen-Spiel im italienischen Pokal schließlich sein Pflichtspieldebüt für die Profis. Doch nicht nur in der Coppa Italia, sondern auch in der Liga kam Palma bereits mehrmals zum Zug: Fünf Ligaeinsätze stehen bislang auf der Habenseite, darunter gegen Topklubs AS Rom, Lazio Rom und Atalanta Bergamo.

    Damit er noch regelmäßiger zum Einsatz kommt, wird Palma nun innerhalb Italiens verliehen. Wie die Vereine am Mittwoch mitteilten, wird der Teenager bis zum Saisonende in die Serie B an den Traditionsverein Sampdoria ausgeliehen.

  • Matteo Palma 2025IMAGO / ABACAPRESS

    Deutschland oder Italien? Matteo Palma vor großer Entscheidung

    Auch in Junioren-Auswahlmannschaften macht der junge Innenverteidiger auf sich aufmerksam. Eine wegweisende Entscheidung steht jedoch noch bevor: Palma besitzt neben der deutschen auch die italienische Staatsbürgerschaft und könnte somit für beide Nationen auflaufen.

    Tatsächlich hat er bereits Erfahrungen für beide Länder gesammelt. Nach drei Länderspielen für die italienische U15 wechselte er 2023 den Verband und bestritt seitdem insgesamt 13 Partien für die deutsche U16 und U17. In dieser Zeit lernte er auch den späteren Bayern-Star Lennart Karl kennen. "Bei einem Lehrgang waren wir sogar im selben Zimmer. Es hat immer Spaß gemacht mit ihm - auch, weil man schon damals sehen konnte, welches Potenzial er hat. Es freut mich total, dass Lennart sich bei Bayern gerade so durchsetzt, das ist unglaublich stark", lobte Palma.

    Derzeit deutet vieles darauf hin, dass Palma für Deutschland auflaufen wird - endgültig entschieden ist jedoch noch nichts. Das bestätigte auch der Spieler selbst: "Das sind beides riesige Fußballnationen. Ich fühle mich beim DFB super, kann aber natürlich noch nicht sagen, was die nächsten Jahre bringen werden. Aktuell will und muss ich erstmal meine Leistungen für Udinese bringen - alles andere ist ein fantastischer Bonus." 

    Auch Italiens Nationaltrainer Gennaro Gattuso ist sich der Situation bewusst. Laut Tuttosport verfolgen er, sein Trainerteam und die Scouts der Squadra Azzurra die Entwicklung Palmas genau.

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