Auf der Pressekonferenz des FC Bayern München vor dem Bundesliga-Kracher gegen Borussia Dortmund hat sich Sportvorstand Max Eberl mit einem Appell zum aktuell schwelenden Zoff um Spielerberater im Fußball geäußert.
Getty Images Sport"Dieses Boot soll man nicht zum Kentern bringen!": FC Bayerns Max Eberl meldet sich mit flammendem Appell im hitzigen Berater-Zoff zu Wort
"Wir - sowohl Spieler, Verantwortliche als auch Berater - sitzen in diesem Boot des Fußballs. Und dieses Boot hat nur eine gewisse Anzahl an Paddeln. Wenn irgendwann keine Paddel mehr da sind, dann rudert irgendwann keiner mehr von uns. Das sollten wir im Kopf haben", sagte Eberl.
Der Streit um die Berater entbrannte, nachdem der FC Bayern und Dayot Upamecano im Februar nach zähen Verhandlungen endlich eine Vertragsverlängerung vereinbart hatten. Ehrenpräsident Uli Hoeneß machte daraufhin die Berater des Franzosen für die langwierigen Verhandlungen und seine hohen Gehaltsforderungen verantwortlich und kündigte Konsequenzen an. "Wir werden es uns bei Bayern nicht mehr gefallen lassen, dass Berater allein bestimmen, wie alles läuft. Ihr Beitrag steht längst nicht mehr im Verhältnis zu den Honoraren, die verlangt und oft auch gezahlt werden", polterte Hoeneß in der Bild. "Wir werden verstärkt Nein sagen und diesen Wahnsinn nicht mitmachen."
Getty Images SportRummennige spricht im Berater-Zoff von einem "Rattenrennen"
Während Hoeneß' Äußerungen vom prominenten deutschen Spielervermittler Jörg Neblung kritisiert und als "heillosen Populismus" sowie "platt" abgetan wurden, erhielt der Klub-Patron Unterstützung vom ehemaligen Münchner Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sowie vom BVB-Berater Matthias Sammer. "Wir gelangen immer mehr in Abhängigkeiten von Beratern, die einen Einfluss auf Spieler nehmen, der ungeheuerlich ist mittlerweile. Wir haben bei Transferausgaben mittlerweile Zahlungen an Berater, die sind, ich würde mal sagen, unmoralisch", kritisierte Rummenigge in einem Interview mit der FIFA.
Der 70-Jährige sprach zudem von einem "Rattenrennen": Die Klubs seien offensichtlich alle "bereit, alles zu tun, damit sie am Ende des Tages die Spieler bekommen, die von ihnen verlangt werden oder mit denen man glaubt, qualitativ und erfolgreichen Fußball zu spielen. Aber wir müssen Lösungen finden."
Sammer fordert Abschaffung von Beratern
Sammer ging sogar einen Schritt weiter und forderte gleich die Abschaffung von Beratern. "Erstens verdienen sie zu viel Geld. Zweitens sind sie unnötig und drittens schafft das keine Konstellation, die gut ist zwischen Spieler und Verein. Das ist nicht gut", begründete er.
Daraufhin erntete Sammer wiederum heftige Kritik von Spielerberater Roger Wittmann: "Wenn es keine Berater geben würde, würden die Klubs mit den Spielern machen, was sie wollen", sagte er bei Sky. "Deshalb halte ich das, was Matthias gesagt hat, für Irrsinn", ergänzte er. Die Aussagen Sammers bezeichnete Wittmann als "dummes Zeug" und "Müll". Alles, was Matthias sage, sei "völlig haltlos".
Eberl hingegen zeigte Verständnis für beide Seiten: "Verträge sind sehr komplex geworden. Rechte von Spielern, von Vereinen sind sehr komplex geworden. Dass man eine Begleitung hat als Spieler, finde ich nicht verwerflich, sondern sogar richtig, damit man nicht unter falschen Voraussetzungen Verträge unterschreibt. Das sind elementare Verträge. Man kann natürlich über die Honorierung von Beratern diskutieren. Dieses 'populistische', pauschal - das braucht keiner. Das ist nicht die zielführende Aussage."
Früher seien ablösefreie Transfers kaum vorgekommen, "jetzt nutzen Berater diese Möglichkeit der Ablösefreiheit. Wir haben nur dieses eine Boot. Und dieses soll man nicht zum Kentern bringen."
FC Bayern München, Spielplan: Die nächsten Spiele des FCB
- 28. Februar (18.30 Uhr) - BVB vs. FC Bayern (Bundesliga)
- 6. März (20.30 Uhr) - FC Bayern vs. Borussia Mönchengladbach (Bundesliga)
- 10./11. März (21 Uhr) - Atalanta/Bayer Leverkusen vs. FC Bayern (Champions League)

