Nagelsmann hatte damals öffentlich die Begründung geliefert, dass Stach inzwischen vom defensiven Mittelfeld auf die Achter-Position gewechselt sei: "Er spielt nicht mehr die Position, die er vorher in Hoffenheim gespielt hat, die für uns super interessant gewesen wäre."
Tatsächlich spielte Stach vor allem zu Beginn der Saison fast ausschließlich etwas vorgezogen im Zentrum und auf dieser hat er in Nagelsmanns 4-2-3-1-System neben Spielern wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala wohl keine Chance. Seitdem sind sind jedoch viele Monate vergangen und Farke ließ ihn wieder vermehrt als Sechser auflaufen. Von seinen vergangenen elf Ligaspielen absolvierte er sieben auf der zentralen Defensivposition, drei als Zehner und eins als rechter Mittelfeldspieler. Nagelsmanns Ausrede kann also eigentlich nicht mehr gelten, zumal er stets das Leistungsprinzip als absolute Nominierungs-Voraussetzung betont. Diesbezüglich ist Stach immerhin über jeden Zweifel erhaben.
Die Konkurrenz auf der Stach-Position, die für Nagelsmann "super interessant" sei - also der Sechser-Position - ist beim DFB natürlich dennoch ebenfalls beachtlich und groß: Momentan dürften Aleksandar Pavlovic und Joshua Kimmich gesetzt sein. Vorausgesetzt es gibt keine Verletzungen, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Bayern-Zentrum auch die 1A-Variante bei der WM sein wird.
Was die reine Nominierung für den WM-Kader angeht, dürften die Chancen für Stach im Normalfall aber zumindest mal nicht komplett aus der Luft gegriffen sein. Ein verletzungsfreier Felix Nmecha vom BVB wird ein WM-Ticket wohl sicher haben. Ob das aber auch für Leon Goretzka oder gar Angelo Stiller gilt?
Goretzka muss sich beim deutschen Rekordmeister endgültig hinter Pavlovic anstellen und sitzt in den bis dato wichtigsten Saisonspielen der Bayern in Champions League und DFB-Pokal zumeist auf der Bank. Stillers Nicht-Nominierung im vergangenen November sorgte für große Fragezeichen überall. Damals hatte Nagelsmann Goretzka und dem offensiveren Nadiem Amiri, der abermals eine großartige Saison in Mainz spielt (15 Tore, 3 Vorlagen) den Vorzug gegeben und verwies darauf, dass in seinem Kader maximal vier Sechser Platz hätten.
Stiller, Amiri, Goretzka, Stach: Vermutlich werden es nur maximal zwei von den vier Spielern noch zur WM schaffen. Stiller und Amiri dürften qua Teamverbundenheit durch vergangene Nominierungen die Nase vorn haben. Aber Stachs Empfehlungsschreiben flattern Woche für Woche in Nagelsmanns Briefkasten. Und wenn es im März wieder nichts mit einer Nominierung wird, dann sollte der Bundestrainer wenigstens mal in Leeds anrufen und sich erklären. Zumindest das hat sich Stach redlich verdient.