NagelsmannGetty Images

Der Anti-Wirtz drängt in den deutschen WM-Kader: Eine Ausrede von Julian Nagelsmann gilt nicht mehr

Dass Spieler, die von der Bundesliga in die - weitgehend als beste Liga der Welt geltende - Premier League wechseln, zunächst Startschwierigkeiten haben und sich an das hohe Tempo sowie die körperliche Intensität anpassen müssen, kommt nicht selten vor. Auch in dieser Saison zeigen die Beispiele Florian Wirtz (FC Liverpool) und Xavi Simons (Tottenham Hotspur), wie schwer der Einstieg auch für die Hochbegabten sein kann. Wirtz selbst merkte erst kürzlich an, dass er schlichtweg Zeit und Extraschichten im Kraftraum gebraucht habe, um sein großes Potenzial auch in England zu zeigen.

Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele. Jene Spieler, die die physischen Herausforderungen in England schnell annehmen. Anton Stach ist so ein Fall. Ein Anti-Wirtz sozusagen. Der Mittelfeldspieler wechselte im Sommer für 20 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim zu Leeds United und setzte sich dort sofort durch und tritt mittlerweile so überzeugend auf, dass sein Name nun eigentlich regelmäßig in den Gesprächen über den WM-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann fallen muss.

  • Anton Stach DFB 2022getty

    Nach Transfer direkt angekommen: Anton Stach ist sowas wie der Anti-Wirtz

    "Ich habe immer ein Fragezeichen hinter Spielern aus der Bundesliga", erklärte Arsenal-Legende Thierry Henry im November in seiner Rolle als Sky-Experte. Er frage sich, warum Spieler, die aus der Bundesliga in die Premier League wechseln, oft Schwierigkeiten haben, von Beginn an zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt konnten weder Wirtz noch Simons bei ihren neuen Teams die hohen Erwartungen erfüllen. "Ich sage nicht, dass sie in einer anderen Liga keine Leistung bringen würden. Ich sage nur: So, wie die Liga dort funktioniert, kann man viele Chancen, Tore und Vorlagen haben, wenn man laufen kann. In der Premier League können die Spieler dein Tempo aber mitgehen, daher ist es wirklich schwierig."

    Henry bezog sich in seiner Analyse natürlich vor allem auf die großen, teuren Sommertransfers der englischen Topklubs - Wirtz kostete 125 Millionen, Simons 65 Millionen Euro - und ließ Stach außen vor. Der Mittelfeldspieler wechselte von einem eher kleineren deutschen Klub zu einem vergleichsweise kleinen englischen Klub und das für deutlich weniger Geld.

    Klar, der 20 Millionen Euro schwere Transfer zu Leeds United wird immer im Schatten eines so riesigen Deals wie der von Wirtz, Leverkusen und Liverpool stehen. Dennoch ist Stachs erste Saison in der Premier League mehr als bemerkenswert und geht zuweilen dennoch etwas unter. 

    Bereits vom ersten Spieltag an sicherte sich der defensive Mittelfeldspieler einen Stammplatz im Team. Dabei dürfte es geholfen haben, dass sein Trainer in Leeds mit Daniel Farke ebenfalls Deutscher ist. Farke schenkte Stach sofort Vertrauen und ließ ihn in den ersten sechs Ligaspielen jeweils durchspielen. "Er ist ein Schlüsselspieler für uns. Er vereint perfekte Balance zwischen defensiven Fähigkeiten, Physis und der Fähigkeit, uns defensiv Stabilität zu geben, und kann zugleich unser Offensivspiel inspirieren", lobte Farke seinen Schützling.

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  • Anton Stach LeedsIMAGO / Every Second Media

    Farke adelt Freistoßkünstler Stach: "Er besitzt unglaubliche Qualität!"

    Mit seiner imposanten Größe von 1,94 Metern und seiner Physis ist Stach wie geschaffen für die defensive Mittelfeldposition. Er überzeugt durch Robustheit und sein starkes Zweikampfverhalten sowie Kopfballstärke - erfüllt also alle Aufgaben eines Sechsers mustergültig, setzt dabei zugleich aber auch offensive Akzente. Spieler auf seiner Position sind normalerweise zwar nicht dafür bekannt, zu den besten Scorern zu gehören, doch Stach kann sich mit vier Treffern und drei Vorlagen auch in dieser Kategorie bisher mehr als sehen lassen. Vereinsintern hat nur Mittelstürmer Dominic Calvert-Lewin mehr Scorerpunkte auf dem Konto (zehn Tore, eine Vorlage).

    Dabei erzielt Stach keine einfachen Tore aus Abstauberpositionen. Wenn der Ball nach einem Stach-Abschluss im Netz liegt, dann war es meistens ein höchst sehenswerter Treffer. Besonders bei Freistößen zählt der 27-Jährige ligaweit zur Elite: Mit drei direkten Freistoßtoren teilt er sich die Führung in der Rangliste mit Wirtz' Teamkollege Dominik Szoboszlai. Sein bisher letztes Freistoßtor gelang Stach erst am vergangenen Spieltag beim 1:1 gegen Aston Villa. Aus halblinker Position zog er aus rund 28 Metern einfach mal ab, während die meisten, darunter offenbar auch Villa-Torhüter Emiliano Martinez, eine Flanke in den Strafraum erwarteten. Stach erwischte den Weltmeister-Torhüter auf dem falschen Fuß und der Ball schlug mit perfekter Flugkurve wuchtig im oberen Winkel ein.

    Über sein nächstes Traumtor sagte er anschließend: "Ich bin gerade erst von einer Verletzung zurückgekehrt, daher hatte ich noch nicht genug Zeit zum Üben. Aber vor dem Freistoß haben sie gefragt: Vielleicht gehst du zum zweiten Pfosten. Dann habe ich gesehen, dass der Torwart schon auf den zweiten Pfosten aufpasst, und da habe ich mir einfach gedacht: 'Dann probiere ich es eben.' Ich habe es einfach versucht - warum nicht - und dann hat es geklappt."

    Auch Farke staunte: "Er besitzt unglaubliche Qualität bei Standardsituationen - bei Freistößen und Eckbällen. Und natürlich war das Tor aus dieser Distanz und nur wenigen Schritten einfach unglaublich."

  • "Ein bisschen schade": Stach kritisiert Nagelsmann wegen Kader-Kommunikation

    Selbst Sky-Kommentator Joachim Hebel geriet nach Stachs Freistoß gegen Aston Villa in Ekstase und brachte genau das auf den Punkt, was sich wohl viele aktuell über Stach denken: "Lieber Bundestrainer, Anton Stach ist einer für die Weltmeisterschafts-Mannschaft – und zwar so was von. Look at this. Ein brutaler Freistoß. Und ich will keine Widerrede!"

    Mit seiner derzeitigen Form darf eine Diskussion über den WM-Kader eigentlich nicht mehr stattfinden, ohne dass der Name Anton Stach fällt. Seine Nationalmannschafts-Karriere verlief bislang wenig erfolgreich: Abgesehen von der Olympia-Teilnahme 2021 durfte er nur zweimal für insgesamt 31 Minuten sein Land vertreten. Seine bislang letzte von zwei Nominierungen datiert aus dem Juni 2022. Das ist fast vier Jahre her. Damals noch unter Bundestrainer Hansi Flick.

    Dessen Nachfolger Julian Nagelsmann hat Stach bislang ignoriert. Die Beziehung mit Nagelsmann scheint nicht optimal. Das zumindest deutete Stach selbst an. Als er für die Länderspiele im vergangenen Oktober erneut nicht berücksichtigt wurde, gab Stach bei Sky ein bemerkenswertes Interview und beklagte die mangelhafte Kommunikation mit dem Bundestrainer. 

    "Kommunikation gab es bis jetzt noch nicht, das fand ich auch ein bisschen schade, weil wenn es gar keine Kommunikation gibt, dann hat man natürlich auch das Gefühl, dass man sehr, sehr weit weg ist von der Mannschaft, also gar nicht in Frage kommt", gab er damals zu Protokol. Stach betonte, dass er nicht unbedingt eine Erklärung erwartet habe, es sei aber natürlich schön, "wenn jemand einem sagt: Daran liegt es oder das machst du nicht so gut oder deswegen wirst du nicht mitgenommen, weil ich auch das Gefühl hatte, dass ich eine gute Phase hatte".

  • Nagelsmanns Begründung für Stachs Nicht-Nominierung hat eigentlich ausgedient

    Nagelsmann hatte damals öffentlich die Begründung geliefert, dass Stach inzwischen vom defensiven Mittelfeld auf die Achter-Position gewechselt sei: "Er spielt nicht mehr die Position, die er vorher in Hoffenheim gespielt hat, die für uns super interessant gewesen wäre."

    Tatsächlich spielte Stach vor allem zu Beginn der Saison fast ausschließlich etwas vorgezogen im Zentrum und auf dieser hat er in Nagelsmanns 4-2-3-1-System neben Spielern wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala wohl keine Chance. Seitdem sind sind jedoch viele Monate vergangen und Farke ließ ihn wieder vermehrt als Sechser auflaufen. Von seinen vergangenen elf Ligaspielen absolvierte er sieben auf der zentralen Defensivposition, drei als Zehner und eins als rechter Mittelfeldspieler. Nagelsmanns Ausrede kann also eigentlich nicht mehr gelten, zumal er stets das Leistungsprinzip als absolute Nominierungs-Voraussetzung betont. Diesbezüglich ist Stach immerhin über jeden Zweifel erhaben.

    Die Konkurrenz auf der Stach-Position, die für Nagelsmann "super interessant" sei - also der Sechser-Position - ist beim DFB natürlich dennoch ebenfalls beachtlich und groß: Momentan dürften Aleksandar Pavlovic und Joshua Kimmich gesetzt sein. Vorausgesetzt es gibt keine Verletzungen, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Bayern-Zentrum auch die 1A-Variante bei der WM sein wird.

    Was die reine Nominierung für den WM-Kader angeht, dürften die Chancen für Stach im Normalfall aber zumindest mal nicht komplett aus der Luft gegriffen sein. Ein verletzungsfreier Felix Nmecha vom BVB wird ein WM-Ticket wohl sicher haben. Ob das aber auch für Leon Goretzka oder gar Angelo Stiller gilt? 

    Goretzka muss sich beim deutschen Rekordmeister endgültig hinter Pavlovic anstellen und sitzt in den bis dato wichtigsten Saisonspielen der Bayern in Champions League und DFB-Pokal zumeist auf der Bank. Stillers Nicht-Nominierung im vergangenen November sorgte für große Fragezeichen überall. Damals hatte Nagelsmann Goretzka und dem offensiveren Nadiem Amiri, der abermals eine großartige Saison in Mainz spielt (15 Tore, 3 Vorlagen) den Vorzug gegeben und verwies darauf, dass in seinem Kader maximal vier Sechser Platz hätten. 

    Stiller, Amiri, Goretzka, Stach: Vermutlich werden es nur maximal zwei von den vier Spielern noch zur WM schaffen. Stiller und Amiri dürften qua Teamverbundenheit durch vergangene Nominierungen die Nase vorn haben. Aber Stachs Empfehlungsschreiben flattern Woche für Woche in Nagelsmanns Briefkasten. Und wenn es im März wieder nichts mit einer Nominierung wird, dann sollte der Bundestrainer wenigstens mal in Leeds anrufen und sich erklären. Zumindest das hat sich Stach redlich verdient.

Häufig gestellte Fragen

Ihr Dachverband DFB wurde am 28. Januar 1900 gegründet. Achte Jahre und gut zwei Monate später, im April 1908, stieg das erste Länderspiel. Dieses verlor die deutsche Nationalmannschaft in der Schweiz mit 3:5.

Sie hat keinen Eigentümer im engsten Sinne, denn die Verwaltung erfolgt durch den DFB.

Anders als andere Nationalmannschaften hat die deutsche kein festes Heimstadion. Deutschland spielt im Berliner Olympiastadion, in der Allianz Arena, im Signal Iduna Park und aber auch in anderen Anlagen.

Das lässt sich aufgrund Deutschlands vieler Spielstätten nicht pauschal sagen.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich viermal zum Weltmeister, dreimal zum Europameistermeister und 2017 zum Konföderationen-Pokalsieger gekrönt.

Lothar Matthäus ist mit 150 Auftritten Deutschlands Rekordteamspieler. Ebenfalls auf dem Podest und dreistellig sind Miroslav Klose (137) sowie Thomas Müller (131). 

Mit 71 Treffern in 137 Länderspielen führt Miroslav Klose vor Gerd Müller, der in 62 Auftritten 68-mal eingenetzt hat.

Unter anderem Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Lothar Matthäus, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Manuel Neuer, Toni Kroos u.v.m.

In erster Linie "DFB Team", aber etwa auch "DFB Auswahl".

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