In einem Bericht der spanischen Zeitung Marca ist enthüllt worden, dass Xabi Alonso schon Monate vor seiner Entlassung die Geduld mit seiner Mannschaft verloren hatte. In einer Trainingseinheit soll er das Starensemble von Real Madrid vor Frust angeschrien haben.
Getty Images Sport"Wusste nicht, dass ich einen Kindergarten trainiere!" Heftiger Ausraster von Xabi Alonso im Training von Real Madrid enthüllt
Ausbruch von Xabi Alonso beim Training von Real Madrid
Dem Vernehmen nach sei Alonso nur rund ein halbes Jahr nach seiner Ankunft emotional völlig ausgelaugt gewesen. Auch deshalb war in der Pressemitteilung zum Rauswurf des Spaniers von einer angeblich "einvernehmlichen Trennung" die Rede. Andererseits halten sich aber auch Spekulationen, dass Präsident Florentino Perez die Entscheidung eigenmächtig getroffen und sich ein Großteil des Teams nach dem eigentlich guten Start - abgesehen von der Clasico-Pleite - ins neue Jahr inzwischen mit Alonsos Art und Weise angefreundet habe.
Dagegen spricht allerdings, dass bereits Ende des vergangenen Jahres vermeintlichen Spannungen zwischen Alonso und Spielern wie Vinicius Junior oder Jude Bellingham an die Öffentlichkeit geraten waren. Anfang November seien dem einstigen Erfolgscoach von Bayer Leverkusen bei einer Routineeinheit dann erstmals die Sicherungen durchgebrannt.
Laut der Marca verlor Alonso, der normalerweise an der Seitenlinie ziemlich gelassen ist, die Beherrschung. Weil seine Mannschaft aber seine Anweisungen ignorierte und nicht die erforderliche Intensität zeigte, gab er demnach folgenden vernichtenden Satz von sich: "Ich wusste nicht, dass ich hierher gekommen bin, um einen Kindergarten zu trainieren!"
Dem Bericht zufolge handelte es sich hierbei nicht um eine übliche Motivationsstrategie oder einen Ausbruch im Eifer des Gefechts. Stattdessen wird der Ausraster als "Schrei der Verzweiflung" beschrieben. Alonso hätte bereits zu diesem Zeitpunkt die vermeintliche Unreife seiner Spieler sattgehabt, die ihn allerdings weiterhin nicht wirklich ernst genommen hätten.
AFPTaktische Überlastung der Knackpunkt unter Xabi Alonso?
Im Mittelpunkt des Konflikts habe es eine grundlegende Meinungsverschiedenheit gegeben, wie sich die Mannschaft vorbereiten sollte. Alonso, bekannt für seine akribischen taktischen Aufstellungen, kam nach Madrid mit der festen Absicht, ein komplexes System mit hohem Pressing zu implementieren - ähnlich zu dem, mit dem er mit Leverkusen ungeschlagen die Bundesliga und den DFB-Pokal gewonnen hatte. Die Mannschaft von Real Madrid, die unter Carlo Ancelotti einen deutlich entspannteren Stil gewöhnt war, lehnte seine Methoden jedoch offenbar ab.
Die Spieler empfanden Alonsos Trainingseinheiten Medienberichten aus Spanien zufolge als "belastend". In der Umkleidekabine habe es demnach weit verbreitete Beschwerden über die "übermäßige Informationsflut", mit der sie täglich konfrontiert wurden, gegeben. Die Mannschaft habe sich durch die Detailgenauigkeit und die ständigen Korrekturen, die sie als unnötiges Mikromanagement betrachteten, eingeengt gefühlt.
Diese Ablehnung habe sich auch auf Alonsos Trainerstab erstreckt, insbesondere auf seinen Assistenten Sebas Parrilla. Der übertriebene Eifer, mit dem Alonso und Parrilla taktische Anweisungen einübten und jeden kleinen Fehler korrigierten, habe die Spieler noch mehr entfremdet. Durch die teils von der Seite hereingebrüllten Befehle sei die Freude am Training durch Reibereien und mentale Erschöpfung ersetzt worden. Die Atmosphäre sei regelrecht giftig gewesen.
Xabi Alonso verlor einen Wettlauf gegen die Zeit
Alonso habe von seinen Methoden allerdings nicht abgesehen. Ein Knackpunkt stellte auch die kurze Vorbereitungsphase nach der Klub-WM im Sommer dar, sodass Alonso kaum Spielraum hatte, um der Mannschaft seine Idee zu vermitteln.
Alonso habe versucht, den Lernprozess zu beschleunigen, indem er jede Minute jeder Trainingseinheit nutzte, um der Mannschaft neue Konzepte einzutrichtern. Letztlich verlor er den Wettlauf gegen die Zeit - und die Mannschaft.
Die wachsende Präsenz von Alvaro Arbeloa habe die Situation zusätzlich angeheizt. Lange bevor Alonso offiziell entlassen wurde, habe der Name des Trainers von Real Madrid Castilla in der Umkleidekabine der ersten Mannschaft als mögliche Lösung kursiert.
Nun hat der 42-Jährige das Ruder übernommen. Arbeloa unterschrieb im Zuge von Alonsos Entlassung einen Vertrag bis 2027. Im Falle eines Scheiterns könnte Real im Sommer aber zu einer weiteren Star-Lösung greifen. Auf der Kandidatenlisten sollen Jürgen Klopp und der auch bei Manchester City als potenzieller Nachfolger von Pep Guardiola gehandelte Enzo Maresca stehen.
Die nächsten Spiele von Real Madrid im Überblick
- Copa del Rey, 14. Januar (21 Uhr): Albacete - Real Madrid
- LaLiga, 17. Januar (14 Uhr): Real Madrid - Levante
- Champions League, 20. Januar (21 Uhr): Real Madrid - AS Monaco

