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"Bitte gebt mich nicht auf": Ein gesperrter 70-Millionen-Mann kämpft beim FC Chelsea nach 14 Monaten ohne Einsatz um seine Karriere

Es war ein Sensationstransfer, als der FC Chelsea im Januar 2023 70 Millionen Euro Sockelablöse für Mykhaylo Mudryk auf den Tisch legte. In jenem Wintertransferfenster gab Chelsea sein Geld ohnehin mit besonders vollen Händen aus, aber Mudryks Verpflichtung hatte einen speziellen Touch. Eine derart hohe Ablöse für einen Spieler mit so wenig Erfahrung auf Top-Niveau erschien außerordentlich. Aber Mudryk galt eben auch als außergewöhnliches Talent, nachdem er in der ukrainischen Liga und allen voran in der Champions League geglänzt hatte.

Chelsea setzte sich im Rennen um den damals 22-Jährigen bekanntlich gegen den Londoner Rivalen Arsenal durch und schloss den Deal inmitten einer dramatischen Transfer-Saga ab. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach deren Abschluss treffen die Blues und die Gunners am Mittwoch im Halbfinale des Carabao Cups aufeinander und im Nachhinein dürfte Arsenal froh darüber sein, seinerzeit nicht den Zuschlag erhalten zu haben. Denn Mudryk sorgte bekanntlich im Dezember 2024 mit einem positiven Dopingtest für einen Schock in der Fußballwelt und sitzt seither eine Sperre ab. Ob er noch einmal zurückkehrt? Völlig offen.

  • Mykhailo Mudryk Chelsea 2023Getty Images

    Mykhaylo Mudryk kam zu einem Chelsea im Chaos

    Vor drei Jahren noch hätte Arsenal Mudryk nur zu gerne verpflichtet und der Ärger bei den Fans der Gunners war groß, als sich der umworbene Ukrainer dem Stadtrivalen von der Stamford Bridge anschloss. Und auch Mudryk selbst hätte wohl deutlich lieber bei Arsenal unterschrieben, doch die Nordlondoner wollten die von Donezk geforderte Ablösesumme nicht bezahlen. So kam er stattdessen zu einem Chelsea, das sich gerade mitten in der Chaos-Saison 2022/23 befand.

    Drei Cheftrainer wurden während jener Spielzeit verschlissen, die man auf einem schwer enttäuschenden 12. Tabellenplatz abschloss. Entsprechend kompliziert fiel Mudryks Eingewöhnung aus, da dem Flügelspieler nicht wirklich der Raum oder die Spielzeit gegeben wurde, um sich an die Strapazen des englischen Fußballs anzupassen. Und so war auch der Ton für die folgende Saison mehr oder weniger schon gesetzt, in der er unter Mauricio Pochettino weiterhin um Form und Konstanz kämpfte. Und danach? Ihr ahnt es, auch unter Enzo Maresca, der zu Beginn der Spielzeit 2024/25 übernahm, wurde es für Mudryk nicht besser. Im Gegenteil.

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  • Mykhaylo Mudryk ist seit über einem Jahr gesperrt

    Es ist nun mehr als ein Jahr her, seit Mudryk vorläufig gesperrt wurde, nachdem er im November 2024 bei einem Länderspiel mit der Ukraine durch einen Dopingtest gefallen war – im selben Monat, in dem er sein bisher letztes Spiel für Chelsea bestritt, in der Conference League gegen Heidenheim.

    Der damals 23-Jährige war positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet worden, die normalerweise zur Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt wird, aber die Ausdauer und Regeneration von Sportlern steigern kann. Die ehemalige Tennisspielerin Maria Sharapova wurde 2016 nach einem positiven Test auf dieselbe Substanz für zwei Jahre gesperrt, bevor ihre Strafe nach einer Berufung vor dem Schiedsgericht für Sport (CAS) reduziert wurde.

    Damals wurde berichtet, dass Mudryk eine Kontamination im Ausland geltend machte, da Meldonium in Großbritannien nicht erhältlich ist, und er erklärte in einer Stellungnahme, nachdem er im Dezember 2024 von seiner Sperre erfahren hatte, dass er "niemals wissentlich" etwas Illegales konsumiert habe.

    "Das ist ein völliger Schock für mich", schrieb er. "Ich habe niemals wissentlich verbotene Substanzen verwendet oder gegen Regeln verstoßen und arbeite eng mit meinem Team zusammen, um zu untersuchen, wie dies geschehen konnte."

    Später wurde bekannt, dass Mudryk einen nicht verifizierten Lügendetektortest bezüglich seiner positiven Dopingprobe bestanden haben soll. Dennoch wurde der Flügelspieler im Juni 2025 offiziell wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln der FA angeklagt. Die Ermittlungen dauern noch an und ihm droht eine vierjährige Sperre.

  • Mykhaylo Mudryk Chelsea 2024Getty Images

    Was macht Chelseas Mykhaylo Mudryk seit seiner vorläufigen Doping-Sperre?

    In den Wochen und Monaten seit seiner vorläufigen Sperre sind Mudryks Aktivitäten in den sozialen Medien deutlich sporadischer geworden. Er hat sich zurückgezogen, zuletzt trat er im Mai 2025 in Breslau öffentlich in Erscheinung, als er privat das Finale der Conference League besuchte, in dem Chelsea durch einen Sieg über Real Betis den Pokal holte.

    Laut BBC verbringt der Spieler seitdem den Großteil seiner Zeit in London, wo er als gläubiger Christ regelmäßig die Kirche besucht. Aufgrund seiner laufenden Suspendierung kann er jedoch nicht mit seinen Teamkollegen trainieren, sondern arbeitet stattdessen separat mit einem privaten Trainer.

    Seine Arbeitgeber sollen seine Fortschritte im Auge behalten, aber sein Zugang zum Verein, dessen Einrichtungen und seinen Mitspielern wird als "äußerst begrenzt" beschrieben. Im September wurde ihm derweil wegen wiederholter Verstöße gegen die Verkehrsregeln für sechs Monate der Führerschein entzogen.

  • Darijo SrnaGetty

    Shakhtar Donezk verteidigt Mudryk

    Während von Chelsea in den vergangenen 13 Monaten so gut wie nichts zum Thema Mudryk zu hören war und man auf die Ergebnisse weiterer Ermittlungen wartet, hat Ex-Verein Shakhtar seinen ehemaligen Schützling offen verteidigt.

    Dem ukrainischen Spitzenklub drohen durch die weiterhin bestehende Sperre des Flügelspielers potenzielle Bonuszahlungen in Höhe von bis zu 30 Millionen Euro aus dem Transfer von 2023 zu entgehen. Darijo Srna, kroatische Fußballlegende und Sportdirektor bei Shakhtar, betonte jedoch kürzlich gegenüber der BBC, dass man nicht an das Geld, sondern nur "an den Menschen" denke. "Er tut uns so leid. Wir wissen, dass er zu 100 Prozent unschuldig ist – das wird er beweisen. Wir unterstützen ihn als ehemaligen Spieler, als Menschen und als Freund. Das Geld ist für uns nicht wichtig", so Srna.

  • Atalanta BC v Juventus - Serie AGetty Images Sport

    Macht der Fall Paul Pogba Mykhaylo Mudryk Hoffnung?

    Der prominenteste Dopingfall der jüngeren Fußballvergangenheit ist derweil nicht Mudryk, sondern Paul Pogba. Im September 2023, während seiner Zeit bei Juventus Turin, wurde bekannt, dass der Franzose positiv auf DHEA getestet worden war – ein verbotenes Hormon, das auf natürliche Weise den Testosteronspiegel steigern kann – und wie Mudryk wurde er mit sofortiger Wirkung vorläufig gesperrt.

    Ähnlich wie bei Mudryk pochte auch die Pogba-Seite umgehend auf die Unschuld des ehemaligen Weltklassespielers, Pogbas Agentin Rafaela Pimenta betonte seinerzeit: "Das Einzige, was sicher ist, ist, dass Paul Pogba niemals die Absicht hatte, gegen die Regeln zu verstoßen." Fünf Monate später wurde er jedoch von den italienischen Anti-Doping-Behörden mit einer vernichtenden vierjährigen Sperre belegt.

    Diese wurde nach einer Berufung beim CAS auf 18 Monate reduziert, da das Gericht akzeptierte, dass der Mittelfeldspieler DHEA unbeabsichtigt in einem Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hatte. Aufgrund seiner Nachlässigkeit in dieser Situation als Profisportler befand ihn das Gericht dennoch für "nicht fehlerlos". Mit seiner rückwirkenden Sperre war Pogba im März 2025 wieder für den Profifußball spielberechtigt und kam im vergangenen Sommer bei der AS Monaco unter, für die er bisher jedoch lediglich drei Kurzeinsätze absolvieren konnte.

    Jedenfalls könnte die Causa Pogba einen Präzedenzfall für Mudryk schaffen und Hinweise auf die weitere Entwicklung beim Ukrainer geben. In der Hoffnung auf ein ähnlich erfolgreiches Vorgehen gegen die Länge der Sperre hat Mudryk für seine Vertretung die gleiche Anwaltskanzlei angeheuert wie Pogba.

  • Chelsea FC v Newcastle United FC - Premier LeagueGetty Images Sport

    Mudryk wendet sich an seine Fans: "Gebt mich bitte nicht auf"

    Während die FA Dopingfälle vertraulich behandelt und keine Angaben dazu macht, in welchem Stadium sich die Ermittlungen befinden, wann sie abgeschlossen sein und zu welchem Ergebnis sie kommen werden, gab es in letzter Zeit positive Signale seitens des Spielers und seines Vereins.

    In einer Neujahrsbotschaft in seiner Instagram-Story zum Start des Jahres 2026 sagte Mudryk seinen Fans beispielsweise, dass er sie "bald sehen" werde, und schrieb: "Ich wollte mich nur für eure Unterstützung bedanken. Ich sehe alle eure Nachrichten und weiß sie wirklich zu schätzen, also gebt mich bitte nicht auf, so wie ich mich selbst nicht aufgebe. Ich kann es kaum erwarten, euch bald zu sehen."

    Ein paar Tage später sendete Chelsea seinem Spieler, dessen Vertrag noch bis 2031 läuft, öffentlich Glückwünsche zum 25. Geburtstag – eine Geste, die der englische Topklub dem aussortierten Raheem Sterling kürzlich verwehrt hatte. Ob das Mudryk Hoffnung geben sollte? Zyniker dürften behaupten, dass Chelsea damit nur darauf aus ist, Mudryks Marktwert hinsichtlich eines potenziellen künftigen Verkaufs nicht noch weiter sinken zu lassen.

  • Chelsea v Bournemouth - Premier LeagueGetty Images Sport

    Spielt er noch einmal für Chelsea? Mudryks Aussichten sind sehr trüb

    Realistisch betrachtet wird Mudryk wohl nie wieder ein Spiel für Chelsea bestreiten. Wenn er von der FA offiziell gesperrt wird, könnte der Verein seinen Vertrag kündigen – ein Schicksal, das auch Pogba bei Juventus ereilte.

    Chelseas jüngste Transferaktivitäten deuteten jedenfalls nicht darauf hin, dass man Mudryk noch im Hinterkopf haben könnte: Im Sommer wurden die Flügelspieler Jamie Gittens und Alejandro Garnacho verpflichtet, während das brasilianische Wunderkind Estevao Willian ebenfalls kam.

    Auch Mudryks Trikot wurde ihm buchstäblich weggenommen, da Cole Palmer von der Nummer 20 auf die Nummer 10 wechselte, die zuvor Mudryk getragen hatte. All dies deutet darauf hin, dass die Zeit des Ukrainers an der Stamford Bridge unabhängig vom Ausgang seines Verfahrens zu Ende geht.

  • Chelsea FC v FC Noah - UEFA Conference League 2024/25 League Phase MD3Getty Images Sport

    Eine offizielle Sperre für Mykhaylo Mudryk ist so gut wie sicher

    Das größte Problem für den Stürmer ist, dass eine offizielle Sperre unumgänglich erscheint, auch wenn er weiterhin seine Unschuld beteuert. Die Anti-Doping-Regeln des englischen Fußballverbands (FA) besagen, dass die nicht vorhandene Absicht, eine verbotene Substanz zu konsumieren, keinen Einfluss auf die Schuld hat, und die Behauptung, diese unwissentlich eingenommen zu haben, ist vor Gericht keine stichhaltige Verteidigung.

    Im Wesentlichen wird ein Spieler eines Dopingverstoßes für schuldig befunden, wenn diese Substanz in seinem Körper nachgewiesen wird, unabhängig davon, wie sie dorthin gelangt ist. Mudryk müsste im schlimmsten Fall mit einer vierjährigen Sperre rechnen, was der Standarddauer gemäß dem Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) entspricht.

    Wenn diese Sperre nach einer Berufung vor dem CAS auf 18 Monate reduziert wird, wie es beispielsweise bei Pogba der Fall war, und dann rückwirkend auf seine vorläufige Sperre im Dezember 2024 angewendet wird, darf der Flügelspieler dennoch erst im Juni 2026 wieder spielen. Und es dürfte ohnehin noch einige Zeit verstreichen, bis es überhaupt so weit ist, dass Mudryk Berufung einlegen kann.

    Sollte er tatsächlich schon kommenden Sommer auf den Fußballplatz zurückkehren können, wäre es keine große Überraschung, wenn Chelsea dem 25-Jährigen helfen würde, in der Vorbereitung seine Fitness wiederzuerlangen, bevor man gemeinsam einen neuen Verein sucht, möglicherweise zunächst auf Leihbasis. Langfristig droht dem Verein sicher ein großer Verlust mit einem Spieler, den man vor drei Jahren dem FC Arsenal wegschnappen konnte und für den man enorm viel Geld auf den Tisch legen musste.

  • Mykhaylo Mudryks Zahlen beim FC Chelsea

    • Im Verein seit: 15. Januar 2023
    • Vertrag bis: 30. Juni 2031
    • Einsätze: 73
    • Tore: 10
    • Assists: 11
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