Union Berlin Fans 03212014Getty Images

"Nicht diskutabel, überflüssig, viel zu steil": Zuschauer-Pläne erhitzen die Gemüter

Der tollkühne Vorstoß von Union Berlin sei "nicht diskutabel", er stelle ein "völlig überflüssiges Risiko" dar, und überhaupt sei er "viel zu steil gespielt". So lautet jedenfalls die deutliche Warnung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der mit seiner Kritik nicht alleine steht. Denn die Pläne der Köpenicker zur Vollauslastung des Stadions zur neuen Bundesliga-Saison inmitten der Corona-Pandemie erhitzen die Gemüter.

Nur "ein Spiel mit Infizierten", warnt auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im Kölner Stadt-Anzeiger, könne womöglich reichen, "dass das Infektionsgeschehen wieder steigt und es neue Restriktionen geben muss". Die beiden Experten wollen die Erfolge der Pandemie-Bekämpfung nicht durch die Pläne des deutschen Fußballs aufs Spiel setzen. "Die DFL und der DFB sollten jetzt im Hochgefühl des Bundesliga-Neustarts aufpassen, dass sie nicht überziehen", sagte Bosbach, der "volle Stadien und ausgelassene Stimmung auf den Rängen" in absehbarer Zeit nicht erwartet.

DFB hat fünf Heimspiele im Herbst geplant

Bei Union sehen sie das gänzlich anders. "Menschen flehen uns jeden Tag an, dafür zu sorgen, dass sie zurückkommen können", sagte Kommunikationsleiter Christian Arbeit. Deshalb ging Union jüngst in die Offensive, reagierte auf seine Fans und präsentierte die Pläne für eine ausverkaufte Alte Försterei. Alle 22.012 Karteninhaber und die Mitarbeiter sollen an den Spieltagen auf das Coronavirus getestet werden, die Kosten übernimmt der Klub.

Für Lauterbach, der den Plänen des Fußballs in der gesamten Krise kritisch gegenüber stand, klingt das Vorhaben wenig überzeugend. Er befürchtet, dass Personen trotz negativem Test "bereits ansteckend" sein könnten. Für ihn kommt, wenn überhaupt, eine Teilöffnung in Frage. Es sei die Sache von DFL, die sich bereits in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Gesundheit befindet, und DFB, solche Konzepte auszuarbeiten. 

Auch der DFB dürfte die Planungen unter Hochdruck vorantreiben, schließlich steht der Nationalmannschaft ein heißer Herbst mit gleich fünf Heimspielen bevor. Und: Der Nations-League-Auftakt gegen Spanien in Stuttgart (3. September) eröffnet die Saison noch vor dem Bundesliga-Start (18. September). Die Frage, ob Zuschauer wieder dabei sein können, ist allerdings nach wie vor ungeklärt.

RB Leipzig will eine Teilöffnung des Stadions

Einen Schritt weiter ist RB Leipzig dank der bereits erteilten Erlaubnis durch das Gesundheitsamt. 20.000 Zuschauer, keine Stehplätze und Mundschutzpflicht - das sind die zentralen Punkte des Hygienekonzeptes. Sofern sich die Neuinfektionen in Grenzen halten, könnte ein Stück weit Normalität in die Leipziger Arena einkehren. 

Die organisierten Fans sehen die Pläne zur Teilöffnung kritisch. Die Frage ist: Wer darf ins Stadion und wer nicht? Bosbach erwartet eine "brutale Aufgabe" für die Vereine. Auch deshalb heißt es bei Union: alles oder nichts. Die Anhänger würden nach Klubangaben bei Vollauslastung wohl trotz Coronarisiken zurückkehren. 

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hat dafür wenig Verständnis, er warnte jüngst vor den großen Ausbrüchen in Italien und Spanien durch Fußballspiele mit Fans. Aufgrund dieser Erfahrungen hat auch Lauterbach große Zweifel - statt der Zuschauer sollten Pflegekräfte und Erzieher getestet werden. Union trage zwar die Kosten für die Testungen, er glaube aber kaum, "dass der Verein auch die Behandlungskosten möglicher Infizierter in der Charite übernimmt".

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