Das war er also, der letzte Auftritt von Zlatan Ibrahimovic im Shirt der schwedischen Nationalelf. Die Skandinavier packten es am finalen Spieltag der Gruppe E bei der EM gegen Mitfavorit Belgien nicht und schieden aus. Damit endete auch die Länderspielkarriere des wohl schillerndsten Stürmers der letzten 15 Jahre und es war unspektakulärer, als man es von ihm erwarte.
Am Dienstag hatte Ibrahimovic seinen Abschied angekündigt. Nicht für den Mittwochabend, aber allgemein für die Zeit nach der Endrunde. Die ist nun schnell gekommen. "Der letzte Einsatz bei der EM wird mein letztes Länderspiel sein. Lasst uns also hoffen, dass es solange wie möglich geht", hatte er noch gesagt.
62 Länderspieltore in 116 Partien
Es folgte dieses 0:1 gegen die Belgier und sein Wunsch wurde ihm verwehrt. Irgendwie ein so gar nicht passender Abschluss seiner Laufbahn in der Drei-Kronen-Elf. Ibrahimovic und Schweden, das waren 62 Tore in 116 Spielen. Das waren ein Disco-Ausflug vor einem EM-Qualifikationsspiel, ein zwischenzeitlicher Rücktritt wegen mangelnder Motivation, die Übernahme der Kapitänsbinde und vor allem war es jede Menge Spektakel.
Unvergessen sein akrobatisches Hackentor als aufgehender Stern am Stürmerhimmel bei der EM 2004 gegen Italien. Oder seine Vier-Tore-Show gegen England 2012 inklusive des Fallrückziehers aus mehr als 30 Metern. Auch noch gut in Erinnerung: Sein toller Auftritt beim denkwürdigen 4:4 gegen Deutschland nach 0:4-Rückstand in der Qualifikation für die WM 2014.
Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen und diese Auftritte haben die Legende Zlatan mitgestrickt. Und viele neutrale Zuschauer hätten ihm gewiss gewünscht, dass er ein langes Abenteuer bei dieser Europameisterschaft erlebt. Und falls nicht, dass er wenigstens in seinem letzten Spiel für sein Land einen Treffer erzielt. Es wäre die vierte EM-Endrunde gewesen, bei der er ein Tor erzielt und hätte einen weiteren Rekord des extrovertierten Angreifers bedeutet.
In seinem 13. EM-Einsatz, damit ist er nun gemeinsam mit Olof Mellbergs Schwedens Rekord-Spieler, rackerte er viel kam aber nicht zu dicken Chancen. Er bildete mit Marcus Berg den Zwei-Mann-Sturm der Hamren-Elf und wurde von den Fans bereits nach einer Viertelstunde mit Sprechchören gefeiert. Auf dem Rasen rackerte er sich ab, lauerte auf seine Chance. In der 19. Minute wäre es beinahe so weit gewesen, doch Ex-Ajax-Kollege Thomas Vermaelen grätschte in höchster Not vor dem Sechzehner dazwischen.

Wenig später probierte er es mit Ballannahme und Abschluss in einer Bewegung und scheiterte knapp (21.). Seine beste Chance vergab er, als er aus 17 Metern mit rechts abzog und die Kugel haarscharf am linken Pfosten vorbeisetzte (26.).
Die Schweden drückten auf das Tor, das ihnen das Weiterkommen beschert hätte, doch sie fanden keine Mittel. Ihr Druck nahm zu, große Möglichkeiten erspielten sie sich aber nicht. Auch weil Ibrahimovic nur noch selten eingebunden war und oft mit dem Rücken zum Tor agierte. Stattdessen erzielte Radha Nainggolan in der Schlussphase das 1:0 für die Roten Teufel und machte damit alles klar.
"Ein Großer des Fußballs"
Belgiens Kapitän Eden Hazard schwärmte nach dem Schlusspfiff vom gegnerischen Top-Stürmer: "Zlatan ist ein Großer des Fußballs. Sicher wäre er gerne weiter gekommen. Er ist ein großer Champion und kann noch viel im Vereinsfußball erreichen."
"Ich bereue nichts. Ich bin sehr stolz, Schwedens Kapitän zu sein", hatte Ibrahimovic am Dienstag auch gesagt. Der 34-Jährige war früher ein Hallodri und Egoist, auch in der schwedischen Nationalelf. Längst ist er gereift. Seine Rückkehr unter Trainer Erik Hamren nach seinem vieldiskutierten Rücktritt im Anschluss an die verpasste Teilnahme an der WM 2010 hat ihm in seiner Heimat viel Ansehen beschert.
Ibrahimovic, Sohn eines bosnischen Vaters und einer kroatischen Mutter, der lange einen schweren Stand in Schwedens Öffentlichkeit hatte, war seitdem nicht mehr der Einzelgänger. Er war ein Teamplayer. Zwar immer noch der ganz große Star in einer weitgehend durchschnittlichen Mannschaft, doch voll integriert und als Anführer vorangehend. Dass er einst unumwunden zugab, bei der WM 1994 nicht die sagenhaften Schweden um Thomas Brolin und Martin Dahlin geschaut zu haben, sondern stattdessen Brasiliens Ballzauberer Romario und Bebeto verehrte – geschenkt.

Zu einem großen Titel mit der Nationalelf hat es nie gereicht. Dazu fehlte Ibra aber auch das Rüstzeug in Form einer schlagkräftigen Truppe. Dennoch ist seine Laufbahn im gelb-blauen Dress ein Erfolg.
Die Fans sollten trotzdem nicht traurig darüber sein, dass er nie wieder das Trikot Schwedens tragen wird. Sie sollten sich vielmehr glücklich schätzen, dass er noch das eine oder andere Jahr auf Klubebene dranhängt. Denn da wird es gewiss noch spektakulär zugehen.
