"Ich schickte ihn ins Krankenhaus": Als Zlatan Ibrahimovic fünf Jahre lang auf Rache an Marco Materazzi wartete

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Ein böses Foul von Marco Materazzi lag Zlatan Ibrahimovic jahrelang im Magen. Doch irgendwann konnte er dann doch noch Revanche nehmen.

HINTERGRUND

Es ist eigentlich kaum vorstellbar, dass sich Zlatan Ibrahimovic drei Jahre lang zurückhalten konnte. Von 2006 bis 2009 trainierte der Stürmerstar bei Inter Mailand Tag für Tag mit Marco Materazzi. Die Rachegelüste, die er im Angesicht des italienischen Verteidigers und Weltmeisters von 2006 verspürt haben muss, unterdrückte er wohl. Schließlich wollte er ja keinen Ärger innerhalb des Teams.

Was war passiert? Alles begann am 2. Oktober 2005. Ibrahimovic, damals in Diensten von Juventus Turin, traf im Derby d'Italia mit den Bianconeri auf den Erzrivalen Inter um Materazzi. "Er ging in einen Zweikampf wie ein Killer und verletzte mich“, erinnerte sich der Schwede Ende letzten Jahres in der italienischen Ausgabe der GQ. "Er war ein harter Fußballspieler, das ist okay. Aber es gibt zwei Arten, hart zu spielen. Eine davon hat das Ziel, dich zu verletzen. Auch Maldini (Milan-Legende, Paolo, d. Red.) war hart, aber mit einem anderen Ziel.“

Juve führte zum Zeitpunkt von Materazzis üblem Foul, kurz vor der Pause, bereits mit 2:0, so sollte die Partie schließlich auch enden. Ibrahimovic musste humpelnd vom Platz, wollte aber unbedingt weiter spielen. "Capello (damaliger Juve-Trainer, Fabio, d. Red.) sagte: 'Ich wechsel dich aus.‘ Ich sagte: 'Nein, ich mache weiter‘“, sagt Ibra. Er hatte nur ein Ziel: Zurück auf den Rasen, "um mich an Matrix (Materazzi, d. Red.) rächen zu können. Wenn jemand mir so etwas antut, vergesse ich das nicht."

Ibrahimovic: Bei Inter drei Jahre Teamkollege von Materazzi

Die Schmerzen machten dem heute 38-Jährigen, der seit Anfang 2020 ein zweites Mal beim AC Milan unter Vertrag steht, allerdings einen Strich durch die Rechnung. "Nach zwei Minuten hatte ich zu große Schmerzen, um weiterzuspielen." 

Im Rückspiel jener Saison, in dem Ibrahimovic einen Treffer zu Juves 2:1-Sieg beisteuerte, fiel eine Revanche flach, da Materazzi 90 Minuten lang auf der Bank saß. Und dann, im Sommer 2006, nachdem Juventus zwangsabsteigen musste, wechselte er bekanntlich selbst zu Inter, war fortan drei Jahre lang Materazzis Teamkollege.

GER ONLY Ibrahimovic Materazzi Bild: Imago Images / Insidefoto

Nach einem Jahr beim FC Barcelona in der Saison 2009/10 kehrte Ibrahimovic nach Italien zurück, heuerte bei Inters Stadtrivalen AC Milan an. Und hatte seine aufgeschobene Mission mit Materazzi natürlich nicht vergessen.

Mitte November 2010 sollte die große Stunde dann schlagen. Stadtderby, Inter gegen Milan, Ibrahimovic gegen seinen Ex-Klub. "Alle waren gegen mich. Das ist okay, das motiviert mich", erinnerte er sich. "Aber es ist nicht gut, wenn du keine Kontrolle hast. Du verlierst deinen Kopf und machst etwas Dummes. Ich bekam einen Elfmeter, und wer hatte mich gefoult? Materazzi. 1:0 Milan."

Zlatan Ibrahimovic: "Ich traf ihn mit einem Taekwondo-Move"

Er hätte es bei dieser Form der Genugtuung belassen können. Zumal, was er da noch nicht wissen konnte, es das einzige Tor an diesem Abend im San Siro bleiben sollte. Aber wenn sich Zlatan Ibrahimovic etwas vorgenommen hat, dann zieht er es eben auch genau so durch.

"In der zweiten Hälfte kam Matrix auf mich zu, und ich traf ihn mit einem Taekwondo-Move", erzählt er, wie er seine Revanchepläne letztlich doch noch in die Tat umsetzen konnte. "Ich schickte ihn ins Krankenhaus." Materazzi forderte einen Platzverweis gegen Zlatan, der blieb jedoch aus und sein früherer Mannschaftskamerad durfte weiter machen.

Später fragte Inters Dejan Stankovic, der Ibrahimovic aus der gemeinsamen Zeit bei den Nerazzurri ja auch gut kannte, bei dem damals 29-Jährigen nach, was er sich bei dem bösen Tritt gegen Materazzi gedacht habe. "Ich antwortete ihm: 'Ich habe vier Jahre auf diesen Moment gewartet. Darum!‘ Dann ging ich. Alles rächt sich irgendwann. Milan gewann, und es war ein guter Moment", so Ibrahimovic.

Statt vier waren es von Oktober 2005 bis November 2010 genau genommen sogar mehr als fünf Jahre, die Ibrahimovic auf diesen Moment warten musste. Das dürfte ihm aber seinerzeit ziemlich egal gewesen sein.

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