Zidane, Tagliatelle und Rap: Das ist Gladbach-Teenie Mickael Cuisance

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Er hört französischen Rap, verehrt Zidane und Tagliatelle mit Fleischsoße - und spielt mit 18 wie ein 23-Jähriger. Goal stellt Mickael Cuisance vor.

Es war wie ein Deja-Vu. Plötzlich spielte da dieser blonde Junge mit dem Babyface im Borussia Park, forderte jeden Ball, verarbeitete die Zuspiele perfekt, egal, wie sie kamen, erzeugte mit kreativen Pässen Gefahr. Kaum einer der Zuschauer beim Telekom Cup, einem Vorbereitungsturnier im vergangenen Sommer, kannte diesen Typen. So, wie sich 2013 auch alle fragten, wer denn dieser damals 17-jährige schwarzhaarige Edeltechniker ist, der plötzlich, ebenfalls beim Telekom Cup, Bayerns Superstars um Franck Ribery vernaschte.

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2013 war der Name des unbekannten Youngsters im Trikot von Borussia Mönchengladbach Mahmoud Dahoud. 2017 hieß der, der da das Publikum mit seinen so erfrischenden Aktionen verzückte, Mickael Cuisance. Inzwischen 18, seinerzeit noch zärtere 17 Jahre alt. Knapp drei Monate später hat er drei Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, stand beim 2:1-Sieg gegen Hannover am Samstag erstmals in Gladbachs Startelf, legte per Freistoß sogar den Treffer zum 1:0 vor. Doch wer ist dieser blutjunge Franzose, in dem so viel Potenzial steckt?

"Er tritt auf wie ein 23-Jähriger", lobte Fohlen-Trainer Dieter Hecking im Juli nach einem Test gegen Eupen. Ein Satz, mit dem er sehr viel von dem, was Cuisance ausmacht, auf den Punkt bringt. Er ist unbekümmert, hat keine Angst vor großen Namen, vor schwierigen oder ungewohnten Situationen. Kurzum: Er ist ein Instinktfußballer, verlässt sich auf dem Rasen auf sein Gefühl.

Dass er so schnell eine so gewichtige Rolle bei den Profis spielt, hätte keiner gedacht, als Gladbach Cuisance im Sommer für 250.000 Euro aus der Jugend von AS Nancy verpflichtete. Er galt als Perspektivspieler, als einer, der über die U23 behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden soll. Doch mit Auftritten wie beim Telekom Cup verwischte Cuisance diese Vorahnung schnell.

Kramer: Cuisance? "So weit war ich mit 22"

"So weit war ich mit 22", schwärmte etwa Teamkollege Christoph Kramer. Cuisance ist technisch tatsächlich extrem reif, verfügt über eine bemerkenswerte Handlungsschnelligkeit. Gemeinsam mit Weltmeister Kramer, der so viel von ihm hält, bildete der französische U19-Nationalspieler gegen Hannover die Doppelsechs, verdrängte Denis Zakaria auf die Bank. Ein großer Vertrauensbeweis von Hecking, der längst erkannt hat, dass er sofort auf Cuisance bauen kann.

"Man hat in den ersten drei Wochen gesehen, dass er genau weiß, wie es geht", sagte Hecking schon früh in der Vorbereitung. Cuisance hatte offenbar auch das Interesse von Juventus Turin auf sich gezogen, von Pep Guardiola und Manchester City soll ihm gar ein unterschriftsreifer Vertrag vorgelegen haben. Doch er entschied sich für Gladbach. Möglicherweise auch, weil die Heimat nicht allzu weit weg ist.

Geboren wurde Cuisance im August 1999 in Straßburg. In der knapp 280.000 Einwohner zählenden Elsass-Metropole an der Grenze zu Deutschland, aus der auch Arsenal-Trainer Arsene Wenger stammt, wuchs er auf. Schon als Siebenjähriger wurde er von Racing Straßburg entdeckt, kam in die Akademie des größten Klubs der Stadt, der seinerzeit gerade mal wieder in die Ligue 1 aufgestiegen war.

Mickael Cuisance Gladbach 02072017

Sein Vorbild damals wie heute? "Ich bin ein großer Fan von Zinedine Zidane", verriet er mal der Regionalzeitung L'Est Republicain. Von dem früheren Weltstar und heutigen Trainer von Real Madrid, der Frankreich gut ein Jahr vor der Geburt von Cuisance zum Weltmeistertitel im eigenen Land geführt hatte. Klar, dass der Neu-Gladbacher die Königlichen verehrt, ebenso wie den FC Barcelona. Und Nudeln.

"Ich bin verrückt nach Tagliatelle mit Fleischsoße", sagte er in einem Interview mit Footbola. Musikalisch steht er auf Rap, vorwiegend französischen. "Vor allem einen Rapper namens JuL", höre er. Der ist in Frankreich ein Star, hat 775.000 Follower auf Instagram. Cuisance will es ihm gleichtun, auch in aller Munde sein.

In Straßburg wurde ihm der Weg dorthin einst unfreiwillig verbaut. Mit der ersten Mannschaft von Racing ging es in den Jahren, nachdem Cuisance mit Sieben in den Verein gekommen war, bergab. 2010 stieg Straßburg in die dritte Liga ab, hatte Schulden zuhauf, wurde 2011 in die Fünftklassigkeit strafversetzt. Die Fußballschule gab es in früherer Form fortan nicht mehr, Profibedingungen waren vorerst passee. Mit Cuisances Ambitionen war das nicht mehr vereinbar, über eine Zwischenstation beim kleineren elsässischen Klub SC Schiltigheim wechselte er 2014 schließlich in den rennomierten Nachwuchs des Zweitligisten AS Nancy.

Cuisance: Über Nancy nach Gladbach

Dort nahm seine Entwicklung dann richtig Fahrt auf. Cuisance wurde französischer Junioren-Nationalspieler, war im Mai 2016 Stammspieler bei der U17-EM. Und obwohl Frankreich, unter anderem mit dem heutigen Dortmunder Dan-Axel Zagadou, schon nach der Vorrunde die Segel streichen musste, machte Cuisance, der am liebsten auf der Acht oder der Zehn spielt, auf sich aufmerksam.

Unter anderem eben Manchester City. Dass er sich im letzten Moment dann doch noch für Gladbach und gegen die Skyblues entschied, legt Cuisance so mancher als Charakterschwäche aus. Nicht nur im Nachhinein ist der Wechsel zu den Fohlen jedoch deutlich sinnvoller als einer zu den Citizens, wo er im ersten Team wohl noch längst keine Chance bekommen hätte.

Im Borussia Park dafür umso eher: "Er bringt alles mit und ist für sein Alter überragend. Mickael will jeden Ball und ist ein Risiko-Spieler - und genau die wollen wir doch", betont Hecking. Er weiß genau, welch ein Juwel er da in seinen Reihen hat. Und gleichzeitig auch, dass der 18-Jährige natürlich noch nicht alles richtig machen kann. Auch am Samstag gegen Hannover nicht. Trotz des scharfen Freistoßes aus dem Halbfeld, der Matthias Ginter das 1:0 ermöglichte.

Im eigenen Strafraum ließ sich Cuisance zu einem Hackentrick hinreißen, der bei einem Gegenspieler landete. Konsequenzen hatte der Patzer keine, bei Manager Max Eberl brachte er dennoch das Blut zum Kochen. "Ich habe von solch jun­gen Bur­schen ja schon ei­ni­ge ris­kan­te Din­ger er­lebt, wir hat­ten ja auch Marc-An­dre ter Ste­gen hier. Aber den Ball mit der Hacke zu spie­len – da war ich nah am Herz­in­farkt", sagte Eberl nach Abpfiff, um anzufügen: "Aber herr­lich, was für ein Selbst­ver­trau­en der Junge hat, er ist ein ab­so­lut bril­lan­ter Fuß­bal­ler!"

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