News Spiele
Mit Video

Xavi Simons: Bei PSG gescheitert, jetzt WM-Kandidat? Der rasante Neustart eines früheren Raiola-Schützlings

17:54 MESZ 18.10.22
Xavi Simons Eindhoven 2022
Bei PSG bekam er kaum Chancen, in Eindhoven blüht Xavi Simons derzeit auf. Fährt der Mittelfeld-Youngster sogar noch zur WM?

Mit seinem Profilbild bei Instagram pflegt er eine besondere Erinnerung an die Vergangenheit. Der junge Xavi Simons Arm in Arm mit dem berühmten Spielerberater Mino Raiola, beide recken den Daumen nach oben und grinsen um die Wette.

Wann genau das Foto entstand, ist unklar, aber die Aufnahme dürfte einige Jahre zurückliegen, schließlich trägt Xavi Simons noch ein T-Shirt mit dem Logo seines Jugendklubs FC Barcelona, den er 2019 nach neun Jahren in der berühmten Akademie La Masia verließ. Der im April dieses Jahres nach schwerer Krankheit verstorbene Raiola spielt auch über seinen Tod hinaus in Simons Leben noch eine wichtige Rolle.

"Er hat mir sehr viel bedeutet", sagte Simons kürzlich bei ESPN. "Sowohl auf als auch neben dem Platz. Er erklärte die Dinge, aber er überließ dir die Entscheidung. Ich bin ihm und seiner Familie sehr dankbar. Er ist wie ein Vater gewesen."

Die Nachricht von Raiolas Tod hat Simons schwer getroffen. "Als ich davon erfahren habe, war es schwer für mich und meine Familie, aber ich denke, er ist immer bei mir. Er wird auch immer bei mir sein. Er beschützt mich." In seinem Instagram-Post nach Raiolas Tod versicherte Simons zudem: "Ich werde dich stolz machen."

Mino Raiola nahm Xavi Simons als Teenager unter seine Fittiche

Als Simons bei Barça vor seinem ersten Vertrag stand, nahm Raiola das verheißungsvolle Talent mit den markanten blonden Locken unter seine Fittiche. "Als 14- oder 15-Jähriger musst du deinen ersten Vertrag unterschreiben. Ich wurde von vielen Leuten angerufen. Bei ihm war das sofort anders. Es hat anders klick gemacht. Deshalb habe ich mich für ihn entschieden", erklärte Simons.

Mittlerweile ist der FC Barcelona auch für Simons längst Vergangenheit. Sein ablösefreier Barça-Abschied 2019 sorgte für reichlich Wirbel, viele Fans reagierten wütend. In den Sozialen Netzwerken wurde Simons, dem auf Instagram heute 4,2 Millionen folgen, teils wüst beschimpft. Für Aufsehen sorgte der Wechsel auch, weil PSG den damals 16-Jährigen laut Mundo Deportivo mit einem Jahresgehalt von einer Million Euro gelockt haben soll, während Barça mit einem Jahresgehalt von 200.000 Euro plus Boni vergeblich um seinen Verbleib warb.

Der erhoffte Durchbruch in Paris blieb allerdings aus. In seinen drei Jahren im PSG-Starensemble konnte sich Simons nicht nachhaltig durchsetzen, kam über Kurzeinsätze nicht hinaus und brachte es insgesamt auf nur 331 Einsatzminuten. Im Sommer drückte Simons den Resetknopf. Das in Amsterdam geborene Offensivtalent kehrte in seine niederländische Heimat zurück und wagte bei der PSV Eindhoven einen Neustart. Mit Erfolg.

Xavi Simons legt bei PSV Eindhoven starken Start hin

Für die PSV erzielte Simons gleich bei seinem Debüt im niederländischen Supercup gegen Meister Ajax Amsterdam seinen ersten Treffer, in der Eredivisie folgten acht weitere - in drei der ersten vier Partien traf er doppelt, so auch zuletzt beim 6:1-Sieg am vergangenen Samstag gegen den FC Utrecht.

Beim 7:1 gegen Volendam war er schon nach 20 Sekunden erfolgreich und markierte damit das früheste Saisontor für Eindhoven. Auch in der Europa League trat Simons schon als Torschütze in Erscheinung. Dazu bereitete er noch vier weitere Treffer vor. Aktuell steht er bei beeindruckenden 14 Scorerpunkten in 16 Partien. Seine starken Leistungen zu Saisonbeginn fanden Anerkennung: Im August wurde Simons gleich mal zum Spieler des Monats in der Eredivisie gewählt.

"Alle erwarten von ihm, dass er mit dem Ball den Unterschied ausmacht. Er kann das mit seiner Technik und er hat die Qualitäten, sich für den richtigen Raum zu entscheiden. Wir haben aber auch gesehen, dass er in den Zweikämpfen sehr schnell ist", sagte sein Trainer Ruud van Nistelrooy bei Voetbal International über seinen Schützling.

Der ehemalige Oranje-Stürmer geriet regelrecht ins Schwärmen: "Wenn Xavi den Ball verliert, schaltet er sehr schnell um. Er hat fantastische Qualitäten. Er weiß, was er will. Er hat bereits zweimal im Ausland gelebt und diese Erfahrung in seinem Leben mitgenommen. Für sein Alter ist er schon überragend."

Xavi Simons: Rückkehr zu PSG dank Klausel möglich

In Paris konnte der Sohn des Ex-Profis Regillio Simons, der aufgrund seiner Begeisterung für Barça seinem Sprössling den Namen des bekannten Klub-Idols gab, seine Fähigkeiten nur vornehmlich in der Youth League zur Geltung bringen. Dabei hatte er im Sommer 2020 unter Thomas Tuchel in einem Testspiel für PSG bei den Profis debütiert.

Doch sein Debüt in der Ligue 1 feierte Simons erst knapp ein Jahr später mit einem einminütigen Kurzeinsatz unter Tuchels Nachfolger Mauricio Pochettino. In der Rückrunde der Vorsaison zählte er zwar regelmäßiger zum Profikader, doch der Wunsch nach Veränderung wurde im Sommer konkreter.

"Ich bin jetzt an einem Punkt in meiner Karriere angekommen, an dem ich anfangen muss, Minuten zu machen. Das ist hier möglich", begründete Simons seinen Wechsel nach Eindhoven. "Ich bin bereit und will mich hier beweisen." Bis 2027 hat Simons bei der PSV unterschrieben, doch wie Geschäftsführer Marcel Brands Anfang der Woche bestätigte, hat sich PSG eine Rückkaufoption für den kommenden Sommer gesichert. Laut Voetbal International könnte Simons demnach für zehn bis zwölf Millionen Euro nach Paris zurückkehren.

WM-Teilnahme? Xavi Simons lässt Hintertür offen

Doch das ist Zukunftsmusik, aktuell überzeugt Simons auf dem Platz. Und verdiente sich dank seines starken Saisonstarts sein Debüt bei der niederländischen U21-Nationalmannschaft. "Er bewegt sich problemlos in der Gruppe und ist sehr umgänglich. Er ist einfach ein netter Junge", sagte Jong-Oranje-Coach Erwin van de Looi. "Er hat wirklich das Profil eines Oranje-Nachwuchsnationalspielers. Wir spielen mit viel Energie, mit ganz normalen Jungs, die hart arbeiten und gut Fußball spielen können. Er zeigt das alles, das ist schön."

Der niederländische TV-Sender NOS beurteilte Simons ersten Auftritt im Oranje-Dress beim 2:1-Sieg gegen Belgien etwas nüchterner. Einen "bleibenden Eindruck" habe er nicht hinterlassen, zudem wechselten sich gute Aktionen mit "schlampigen Ballverlusten" ab. Dennoch glauben die Verantwortlichen an Simons Potenzial - allen voran der künftige Bondscoach Ronald Koeman, der bei ESPN sagte: "Wenn er so weitermacht, ist er ein heißer Kandidat für die Auszeichnung 'Talent des Jahres'. Da er für PSV spielt, könnte er in Zukunft eine Option für die Nationalmannschaft sein."

Und vielleicht sogar schon zur WM in Katar? Simons selbst hielt sich angesichts solcher Träumereien eher bedenkt - aber nicht ohne Hintertür: "Meine Leistung bei PSV ist das Wichtigste für mich. Dann werden wir sehen, was passiert."