wayne rooney everton 09072017Social Media

Wayne Rooney von Manchester United zurück zu Everton: Historisch, aber nicht Geschichte


KOMMENTAR


Es wirkt wie ein Sammelsurium an großen Namen der Vergangenheit. David Seaman fliegt vergeblich, Sol Campbell kann den Schuss nicht blocken, Patrick Vieira schaut aus sicherer Entfernung zu. Thierry Henry steht in der anderen Hälfte des Spielfelds, ärgert sich über seine Defensivkollegen. Und wird gleichzeitig Zeuge eines historischen Moments.

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Denn der, der da gerade, an einem milden Spätnachmittag im Herbst 2002, Evertons 2:1-Siegtreffer gegen den FC Arsenal erzielt hat, ist kein gewöhnlicher Junge. Wayne Rooney ist fortan in aller Munde. Sein kraftvoller Schlenzer aus gut 20 Metern schlägt unter der Latte ein, sein allererstes Premier-League-Tor macht ihn zum Star. Mit 16 Jahren, 11 Monaten und 25 Tagen. Die Toffees haben einen neuen Messias.

Fast 15 Jahre später wirkt die Situation irgendwie ähnlich. Der verlorene Sohn kehrt zurück, schürt Euphorie beim blauen Arbeiterklub aus Liverpool. "Ich habe das Gefühl, dass der Klub auf dem richtigen Weg ist, das richtige Kaliber von Spielern holt. Ich will ein Teil davon sein - hoffentlich von einem erfolgreichen Everton-Team", sagte Rooney am Sonntagmittag, als offiziell bekannt war, dass der 31-Jährige Manchester United nach 13 Jahren verlässt und zu seinem Heimatklub zurückkehrt.

2004 hatte sich United die Dienste des damaligen Mega-Talents 37 Millionen Euro Ablöse kosten lassen. Eine enorme Summe, zumal Rooney seinerzeit erst 18 war. Gerechtfertigt hat er sie längst. Sogar mehr als das. 559 Spiele, 253 Treffer, Rekordtorschütze der Red Devils, seit Januar dieses Jahres vor Legende Bobby Charlton.

Rooney hat Manchester United geprägt

13 Jahre lang hat Rooney einen der größten Klubs der Welt geprägt. Häufig glorreich, manchmal frustrierend, immer faszinierend war seine Zeit im Old Trafford. Im Mai war der letzte Akt des Engländers im United-Trikot, die Europa-League-Trophäe in den Himmel zu recken. Ein Abschluss, der passte.

Mit einem Knall hatte Rooney seine Zelte in Manchester aufgeschlagen. Ein Hattrick gelang ihm bei seinem Debüt im September 2004, beiim 6:2-Erfolg über Fenerbahce in der Champions-League-Gruppenphase. Rasch avancierte er zu einer der Schlüsselfiguren im Team von Sir Alex Ferguson, bildete ein kongeniales Duo mit Cristiano Ronaldo.

Zusammen mit dem Portugiesen führte Rooney United zum Triumph in der Königsklasse 2008. Indizien für den Wert des bulligen Stürmers waren aber vor allem seine 34-Tore-Spielzeiten 2009/2010 und 2011/2012. Er traf so regelmäßig wie spektakulär, sein Fallrückzieher zum 2:1-Sieg im Derby gegen City Mitte Februar 2011 bleibt wohl auf ewig unvergessen. Ebenso wie die fünf Meistertitel, die Rooney mit United einfuhr.

GFX Rooney StatsGoal

"So weit ich zurückdenken kann, habe ich Premier League geschaut. Die Trophäe zu spüren, die Medaille um den Hals zu tragen, das war ein unglaubliches Gefühl", sagte Rooney mal. Er, der auch noch unter Ferguson natürlich nicht nur gute Zeiten hatte, der wegen sich hinziehender Vertragsverlängerungen oder angeblicher Wechselwünsche Kredit bei den Fans verspielte. Letztlich aber doch immer blieb, in Englands Nationalelf ebenfalls Rekordtorschütze und Legende wurde.

In der Post-Ferguson-Ära seit 2013 fand Rooney jedoch nie wieder so wirklich zu seiner absoluten Top-Form zurück. Genau wie sich der ganze Verein ohne den schottischen Vorzeige-Coach schwer tut, hatte auch Rooney zu kämpfen. Zumal er, der schon mit 16 Profi wurde, seit mittlerweile eineinhalb Jahrzehnten stets Belastungen auf allerhöchstem Niveau ausgesetzt war, körperlich vergleichsweise früh abbaute.

Unter Jose Mourinho bekam Rooney das mehr und mehr zu spüren. The Special One baute in der vergangenen Saison, in der Rooney lediglich achtmal traf, immer seltener auf den 31-Jährigen. Dennoch ließ er ihn regelmäßig ran, wenn auch häufig nur kurz. Und ermöglichte Rooney damit einen würdevollen Abschied, ließ ihn bis zum bitteren Ende Teil der Mannschaft sein.

Rooney: Titel mit Everton "wären der Gipfel"

"Es ist nie leicht, zu sehen, wie ein großer Spieler weniger Fußball spielt, als er es gerne würde", gab Mourinho seinem Kapitän mit auf den Weg. "Ich konnte ihm nicht im Weg stehen, als er darum bat, zu Everton zurückzukehren", fügte er an.

Derweil verbirgt sich in all der Euphorie der Toffees um den verlorenen Sohn auch Ungewissheit. Darüber, inwieweit Rooney der Mannschaft von Trainer Ronald Koeman sportlich helfen kann. Inwieweit er der große Hoffnungsträger, das fehlende Puzzlestück für einen möglichen Titelgewinn sein kann, wie es die Anhänger erwarten.

"Wie ich es in den letzten Jahren gesagt habe: Für mich gibt es nur United oder Everton - ich würde nie für ein anderes Team aus der Premier League spielen", betonte Rooney bei seiner Vorstellung. Titelgewinne mit seinem Jugendklub "wären der Gipfel", führte er aus.

Ob Rooney die Toffees, die sich mit Jordan Pickford, Michael Keane, Davy Klaassen oder Sandro Ramirez bereits namhaft verstärkt haben, in neue Sphären führen kann, bleibt abzuwarten. Eines ist allerdings sicher: Er wird immer ein Teil der Historie von Manchester United sein. Geschichte ist Rooney aber noch nicht.

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