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Ex-Bayern-Verteidiger Valerien Ismael im Interview: "Hoeneß ist persönlich mit mir zum Arzt gefahren"

11:15 MESZ 17.07.19
Valerien Ismael Uli Hoeness FC Bayern 2007
Der Ex-Bayern-Verteidiger Valerien Ismael trainiert seit dieser Saison den LASK in Österreich. Im Interview spricht er auch über seine Zeit beim FCB.

EXKLUSIV

Seit dieser Saison trainiert der ehemalige Bundesligaprofi Vaerien Ismael den österreichischen Erstligisten LASK. Es ist sein viertes Engagement als Profitrainer: Bei Apollon Smyrnis trat er nach einem Spiel zurück, beim 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg wurde er schnell entlassen. Im Interview mit Goal und SPOX erklärt er die Gründe für das Scheitern - und seine Pläne mit dem LASK.

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Außerdem blickt Ismael zurück auf seine Zeit als Spieler beim FC Bayern: Er erzählt von Uli Hoeneß und seiner Abteilung Attacke, vom spaßenden Franck Ribery und vom stagnierenden Bastian Schweinsteiger.

Herr Ismael, Sie haben in diesem Sommer den Trainerposten beim LASK übernommen. Wie sind die ersten Eindrücke?

Valerien Ismael: Die Mannschaft arbeitet sehr fleißig und konzentriert. Die Infrastruktur und Manpower hier sind mit der deutschen Bundesliga aber natürlich nicht zu vergleichen. Was in Deutschland zehn Leute machen, machen wir hier zu fünft. Wir wollen uns dennoch stetig weiterentwickeln. Durch eine großartige und schnelle Unterstützung der Vereinsführung haben wir uns in Sachen Video- und Datenanalyse absolut professionell weiterentwickelt. Nachholbedarf hatten wir zunächst hinsichtlich der Trainingssteuerung, aber da haben wir mittlerweile die richtigen Maßnahmen getroffen.

Eine davon war die Trennung von Ihrem Athletik-Trainer Denny Krcmarek bereits nach wenigen Tagen.

Ismael: Wir hatten einfach zu unterschiedliche Auffassungen von richtiger Trainingssteuerung. Die Trennung nach so kurzer Zeit war natürlich eine schwierige Entscheidung, aber letztlich unvermeidbar. Dennoch wünschen wir Danny für seine Zukunft viel Erfolg.

Sie sind nicht nur Trainer, sondern auch Sportdirektor. War das Ihr Wunsch oder der des Vereins?

Ismael: Das hat der Verein angeregt, weil er wollte, dass ich bei Transfers ein großes Mitspracherecht besitze. Aber wir entscheiden trotzdem immer gemeinsam: die allgemeine Kaderplanung, Spielerverpflichtungen und alles andere auch.

Was wollen Sie mit dem LASK erreichen?

Ismael: Am wichtigsten ist mir, dass meine Philosophie zu sehen ist, dass die Fans ihre Mannschaft allein an der Spielweise erkennen können. Wenn wir das schaffen, werden die positiven Ergebnisse kommen.

Haben Sie sich vor Ihrer Ankunft intensiv mit dem österreichischen Fußball beschäftigt?

Ismael: Ich hatte fast ein Jahr lang keinen Trainerjob und habe die österreichische Bundesliga in dieser Zeit intensiv verfolgt. Ich habe in dieser Zeit in der Nähe von München gewohnt und so war der Weg zu vielen österreichischen Stadien kurz. Weil ich die Spieler und Mannschaften bereits gut kannte, sind mir die Gespräche mit den LASK-Verantwortlichen natürlich auch leichter gefallen.

Valerien Ismael (l.) mit seinem damaligen Bayern-Kollegen Miro Klose

In Österreich gibt es seit der vergangenen Saison ein Playoff-System: In der Winterpause wird die Liga in zwei Teile und jeweils auch die Punktanzahl der Klubs geteilt. Was halten sie davon?

Ismael: Ich habe gehört, dass das neue System gut angenommen wurde. Die Liga wird dadurch sicherlich spannender.

Ihr letztes Trainerengagement beim griechischen Erstligisten Apollon Smyrnis endete bereits nach einem einzigen Spiel. Weil Sie der Präsident angeblich bedroht hatte, traten sie zurück. Was ist genau passiert?

Ismael: Ich konzentriere mich auf die Zukunft beim LASK und möchte dieses Thema der Vergangenheit nicht mehr weiter kommentieren. Es war eine lehrreiche Erfahrung in meiner Karriere, aber die Auffassung einer Zusammenarbeit war unterschiedlich und ging sehr rasch wieder auseinander.

Ihre bisherigen beiden Profitrainerstationen in Deutschland endeten ebenfalls schnell - jedoch unfreiwillig. Beim 1. FC Nürnberg wurden Sie 2014 nach 14 Spielen entlassen, beim VfL Wolfsburg 2017 nach 17 Spielen. Was lief da falsch?

Ismael: Generell finde ich, dass die Bewertung von Trainern in den vergangenen Jahren falsch läuft. Viele Vereine schauen nicht auf Inhalte, sondern ausschließlich auf kurzfristige Ergebnisse. Richtig wäre es anders herum, denn wenn der Inhalt stimmt, kommen in der Regel auch die positiven Ergebnisse. Bei beiden Entlassungen bin ich davon überzeugt, dass mir nicht die notwendige Zeit gegeben wurde. Ein Beweis dafür ist, dass sich bei beiden Klubs nach meiner Entlassung an der Situation kurz- und mittelfristig nicht viel zum Positiven geändert hat.

Was waren denn die konkreten Probleme?

Ismael: In Nürnberg gingen und kamen nach dem Abstieg je 20 Spieler und der Verein hat trotzdem das Ziel Wiederaufstieg ausgegeben. Das war etwas vermessen. In Wolfsburg gab es zwar viele erfahrene Spieler, doch die meisten litten unter Motivationsproblemen. Diese Misere wurde erst etwa zwölf Monate nach meinem Abschied gelöst.

Nach Ihrem Karriereende absolvierten Sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Haben Sie nach den beiden misslungenen Stationen überlegt, mit dem Fußball abzuschließen und etwas anderes auszuprobieren?

Ismael: Nein, ich wollte dem Fußball immer treu bleiben.

Körperlich hat Ihnen der Fußball einiges abverlangt, 2009 mussten Sie wegen Knieproblemen Ihre aktive Karriere mit 33 Jahren beenden. Wie steht es aktuell um Ihre Gesundheit?

Ismael: Abstoppbewegungen sind leider nicht mehr möglich, also kann ich heute weder Fußball spielen noch laufen. Fahrrad fahren oder im Winter Snowboarden geht aber.

Bereuen Sie es, dass es so weit gekommen ist?

Ismael: Nein. Ich bin bis an meine Grenze gegangen und als sie erreicht war, habe ich meine Karriere beendet. Da war mir meine langfristige Lebensqualität dann doch wichtiger als das nächste Spiel. Ich bin froh, dass ich noch allein in den Garten gehen kann, um dort mit meinen Kindern zu spielen.

Wie stand es direkt nach dem Karriereende um Ihre Gesundheit?

Ismael: Da ging nichts mehr, nicht einmal Schmerzmittel halfen. Erst ein paar Monate später konnte ich mich wieder normal bewegen und den Alltag ohne fremde Hilfe bewältigen.

Zwischen Sommer 2006 und Dezember 2007 machten Sie verletzungsbedingt nur ein Pflichtspiel für Ihren damaligen Klub FC Bayern. Wie hat sich der Verein in der Zwischenzeit um Sie gekümmert?

Ismael: Direkt nach der Operation hat mich Uli Hoeneß im Krankenhaus persönlich besucht und gesagt, dass mich der Klub immer unterstützen wird - und genauso ist es auch gekommen. Der FC Bayern hat mich in dieser schwierigen Zeit mit allem Notwendigen hervorragend unterstützt. Zum Beispiel mit einem kurzen Urlaub als Reha-Pause oder auch einer ärztlichen Zweitmeinung. Einmal ist Uli Hoeneß sogar persönlich mit mir zum Arzt gefahren. Ich fühlte mich einfach nie alleine gelassen.

Welche Rolle hat Hoeneß generell für Sie gespielt?

Ismael: Er war zu meiner Zeit beim FC Bayern wie eine Vaterfigur für mich. Wir Spieler konnten immer zu ihm gehen, egal ob es um Themen auf oder neben dem Platz ging. Wenn es nicht lief, machte er aber knallharte Ansagen.

Die berühmte Abteilung Attacke.

Ismael: Abteilung Attacke heißt für Hoeneß, eine Botschaft rüberzubringen. Das geht in verschiedene Richtungen: mal gegen andere Vereine, mal gegen Schiedsrichter oder auch mal gegen die eigene Mannschaft. Am wichtigsten ist Hoeneß immer, dass die Werte des FC Bayern eingehalten und verteidigt werden.

Sie meinten eben, dass man als Spieler bei allen Problemen zu Hoeneß gehen kann. Ist das nicht gefährlich für den jeweiligen Trainer?

Ismael: Nein, das gehört beim FC Bayern einfach dazu. Wenn es normal läuft, schwächt das den Trainer sicher nicht und hat nur positiven Einfluss.

Im Sommer 2007 wechselte Ihr Landsmann Franck Ribery zum FC Bayern. Haben Sie sich speziell um ihn gekümmert?

Ismael: Bis ich in der Winterpause seiner ersten Saison den Verein verließ, saßen wir in der Kabine nebeneinander. Wir haben immer alle zusammen versucht, ihm zu helfen und ihn zu unterstützen, wo wir nur konnten. Nach meinem Abschied war Daniel van Buyten seine wichtigste Ansprechperson innerhalb der Mannschaft.

Was für ein Typ ist Ribery privat?

Ismael: Franck will immer und überall Spaß haben. Das ist sein Markenzeichen und damit steckt er einen automatisch an. Wenn man ihm den Spaß nimmt, leidet er richtig.

Mit Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger machten während Ihrer Zeit im Klub zwei spätere Ikonen Ihre ersten Schritte. Wie haben Sie die beiden erlebt?

Ismael: Philipp Lahm hat bereits als junger Spieler immer seine Meinung gesagt und hatte früh eine klare Vision davon, wie man Fußball spielen sollte. Das war beeindruckend. Bastian Schweinsteiger hatte damals schon super technische Fähigkeiten und eine beeindruckende Ruhe am Ball. Zu Beginn spielte er auf dem Flügel, wo ihm zur Weltklasse aber das nötige Tempo fehlte. Deswegen hat er während meiner Zeit im Verein etwas stagniert. Der absolute Durchbruch gelang ihm unter Louis van Gaal, der ihn ins zentrale Mittelfeld beorderte. Das war ein genialer Schachzug.