EXKLUSIV
In der Champions League sind Taulant Xhaka und der FC Basel gegen Manchester City nach dem 0:4 im Hinspiel bereits so gut wie ausgeschieden, im Rückspiel am Mittwochabend will man sich dennoch erhobenen Hauptes aus der Königsklasse verabschieden (20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Was die Citizens so besonders macht, wie er die Lage seines Bruders beim FC Arsenal bewertet und wen er bei der WM in Russland als Favorit sieht, verrät der albanische Nationalspieler im exklusiven Interview mit Goal.
Außerdem sprach der 26-Jährige über seinen besten Gegenspieler, seinen früheren Mitspieler und heutigen Dortmunder Manuel Akanji und über den Traum, mit Albanien an einer WM teilzunehmen.
Wie würden Sie die aktuelle Saison aus persönlicher und mannschaftlicher Sicht bewerten?
Taulant Xhaka: Die aktuelle Saison ist bis jetzt nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Young Boys sind mit elf Punkten voraus, haben aber ein Spiel mehr als wir. Die Saison läuft noch eine Weile, es sind noch zwölf Spiele und ich glaube, dass alles noch möglich ist.
Basel hatte zuletzt einige Schwierigkeiten. Was sind die Gründe dafür und an welchen Stellschrauben will die Mannschaft drehen?
Xhaka: Das ist schwer zu sagen, im Fußball gibt es gute und schlechte Phasen. Die meisten Spieler von uns kennen das noch nicht. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und einfach versuchen, gut zu spielen. Aber es ist schwierig zu sagen, was die Probleme sind. Ich denke, dass wir uns erst einmal wieder finden müssen. Wir haben ein paar junge und neue Spieler bekommen, das muss sich erst finden. Die Saison ist noch lang, es ist also alles möglich.
Glauben Sie daran, dass sie Young Boys noch überholen und den Titel feiern können?
Xhaka: Ja, definitiv! Wir sind der FC Basel, wir sind der beste Klub in der Schweiz. Das müssen wir auch gegen den FC Zürich zeigen (die Partie sollte am 3. März stattfinden, wurde aber verlegt, Anm. d. Red). Wenn wir diese Aufgabe meistern, dann geht es auch wieder bergauf. Ich gehe nicht davon aus, dass Young Boys alle zwölf Spiele gewinnt, die werden auch patzen und dann müssen wir unsere Chance nutzen. Außerdem spielen wir noch zweimal direkt gegen sie, das kann noch ein Vorteil werden.
Ihr ehemaliger Teamkollege Manuel Akanji ging ja zum BVB. Wie haben Sie ihn als Spieler kennengelernt? Welche Stärken besitzt er?
Xhaka: Er ist ein Top-Spieler, sehr zweikampfstark und auch sehr schnell für einen Verteidiger. Technisch ist er ebenfalls gut, spielt einen guten ersten Pass. Als Typ ist er sehr lustig, man kann offen mit ihm reden und er ist immer hilfsbereit.
Was trauen Sie ihm für eine Karriere zu?
Xhaka: Ich traue ihm einiges zu. Er hat noch Zeit, aber die Spiele, die er bisher bei Dortmund gemacht hat, waren sehr gut und ich glaube schon, dass er eine große Karriere hinlegen kann. Denn beim BVB ist er gut aufgehoben.
Getty ImagesSie haben schon oft erwähnt, dass Sie ihrem Bruder Granit sehr nahe stehen. Wie kann man sich das Verhältnis zwischen ihnen genau vorstellen?
Xhaka: Ich telefoniere viermal pro Woche mit Granit. Wir sprechen über Allgemeines, nicht nur über Fußball. Auch weil er gerade ebenfalls in einer schwierigen Phase ist mit Arsenal. Wir tauschen sowohl Tipps als auch Kritik aus, um uns zu verbessern. Er hilft mir und ich helfe ihm.
Wie oft schaffen Sie es, seine Spiele bei Arsenal zu schauen?
Xhaka: Das ist nicht so einfach, weil wir oft beide am Samstag spielen. Wenn ich die Zeit habe, schaue ich jedes Spiel von Granit an.
Wer war als Kind der bessere Spieler – Sie oder Granit?
Xhaka: Wir sind unterschiedliche Spieler. Granit ist auf jeden Fall technisch stärker als ich, den Rest sollen die Trainer beurteilen.
Gibt es spezielle Erlebnisse mit Granit, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Xhaka: Ich habe mit Granit bei Concordia und dann beim FC Basel alle Jugendmannschaften durchlaufen, da gibt es viele Momente. Natürlich erinnere ich mich gerne an mein Champions-League-Debüt im Old Trafford bei Manchester United, wo wir ein 3:3 geschafft haben. Das mit Granit zusammen auf dem Platz erleben zu können, war schon ein sehr schönes Erlebnis für uns. Früher waren wir einfach immer 24 Stunden zusammen.
Sie spielen für Albanien, Granit für die Schweiz, mit gemeinsamen Länderspielen wird das auch in der Zukunft nichts. Träumen Sie davon, noch einmal mit ihm beim gleichen Verein zu spielen? Vielleicht sogar bei Arsenal?
Xhaka: Ja, wenn nicht bei Arsenal dann vielleicht beim FC Basel, wenn er in die Schweiz zurückkommt. Es wäre sehr schön, noch einmal mit meinem Bruder zusammenzuspielen. Ob das jetzt bei Arsenal oder bei Basel ist, spielt keine Rolle. Ich glaube, dass er zum Ende seiner Karriere gerne nach Basel zurückkehren will, weil er hier aufgewachsen ist und der FC Basel seine Lieblingsmannschaft ist.
Wie heimatverbunden ist Granit?
Xhaka: Sehr! Sobald er zwei Tage frei hat, kommt er nach Basel und besucht seine Freunde und seine Familie. Da gibt es schon eine sehr starke Bindung.
Goal / Getty ImagesSie haben die Weltmeisterschaft mit Albanien verpasst, 2016 waren Sie bei der EM hingegen dabei. Wie sehr träumen Sie von einer WM-Teilnahme mit Albanien und welche Bedeutung hätte es für das Land?
Xhaka: Jeder Spieler – auch ich – träumt davon, aber es wird schwer. Man weiß, dass die großen Nationen die Top-Favoriten sind. Albanien hingegen ist ein kleines Land, aber wir haben das Ziel erreicht, bei einer Europameisterschaft mitspielen zu dürfen. Für die Nationalmannschaft und für das ganze Land wäre es ein Traum, bei einer WM dabei zu sein. Mit der EM-Teilnahme haben wir damals eine Euphorie auslösen können. Die Städte in Frankreich waren voller albanischer Fans, die Freude verbreitet haben. An diese Geschichten erinnert sich jeder – auch die Spieler.
Sie spielen in der Schweiz, Ihr Bruder spielt für die Schweiz. Die Eidgenossen treffen bei der WM in der Gruppe E auf Brasilien, Serbien und Costa Rica. Was trauen Sie den Schweizern zu?
Xhaka: Ich traue ihnen sehr viel zu, sie haben super Spieler, Spieler mit Qualität. Granit hat mir auch gesagt, dass sie als Mannschaft gut drauf sind, deshalb traue ich ihnen definitiv den Einzug in die K.o.-Phase zu.
Wer sind Ihrer Meinung nach die Favoriten auf den WM-Titel?
Xhaka: Für mich sind Deutschland und Spanien die Favoriten.
Sie haben bereits angesprochen, dass Arsenal in einer schwierigen Phase ist. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Xhaka: Das ist schwer zu sagen, da müssen Sie meinen Bruder fragen. Ich schaue die Spiele an, wenn ich frei habe, aber im Fußball ist es so, wenn du in einer negativen Spirale bist, klappen die einfachsten Dinge nicht mehr. Das ist momentan bei Arsenal der Fall und bei uns in Basel ist es derzeit ähnlich. Dass die Spieler ausreichend Qualität haben, ist klar, aber wenn es nicht läuft, ist es schwer.
Ihr Bruder muss sich teils heftiger Kritik von den Fans aussetzen. Wie finden Sie es, dass er oftmals als Sündenbock hingestellt wird?
Xhaka: Ich möchte nicht zu viel über meinen Bruder sprechen, das sind seine Angelegenheiten. Er muss damit klarkommen, er ist Profifußballer. Das gehört auch dazu, dass man sowohl mit positiven als auch mit negativen Erlebnissen umgehen kann.
Abschlussfrage zu Ihrem Bruder: Welches Verhältnis hat er zu Trainer Arsene Wenger?
Xhaka: Arsene Wenger hat ihn sowohl menschlich als auch spielerisch weit nach vorne gebracht. Aber darüber reden wir nicht sehr oft, deshalb ist es schwer, das aus der Ferne zu beurteilen.
Goal / Getty ImagesDer FC Basel hat das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City deutlich mit 0:4 verloren. Wie beeindruckend war es aus Spielersicht, gegen das Team von Pep Guardiola zu spielen?
Xhaka: Für mich ist City derzeit die beste Mannschaft in Europa – vor allem auch wegen Guardiola. Sie haben eine Wahnsinns-Spielfreude, das ist schon beeindruckend. Die Passqualität und die physische Präsenz sind weltklasse. Wir haben eigentlich nicht so schlecht gespielt. City hat fünfmal aufs Tor geschossen, vier davon waren drin. Wir hatten dieses Glück beispielsweise gegen Benfica. Wenn es läuft, dann läuft es eben. Momentan stecken wir hingegen in einer schwierigen Situation, aus der wir uns befreien müssen.
Welche Spieler von City haben Sie am meisten fasziniert?
Xhaka: Kevin De Bruyne und Ilkay Gündogan! Sie waren im zentralen Mittelfeld meine direkten Gegenspieler. Von solchen Spielern kann man nur lernen, das sind Vorbilder.
Ist Manchester City für Sie dann ein Favorit auf den Champions-League-Titel?
Xhaka: Absolut. Wenn sie so weiterspielen, dann definitiv. Man darf aber die großen Klubs wie Real Madrid und Barcelona nicht vergessen, die für mich ebenfalls zu den Top-Favoriten gehören.
Rückblickend auf Ihre bisherige Karriere, wer war der beste Spieler, gegen den Sie jemals gespielt haben?
Xhaka: Ich habe mich schon mit vielen sehr guten Spielern messen dürfen. Cristiano Ronaldo, Gareth Bale oder Eden Hazard. Hazard war für mich der unangenehmste Spieler, gegen den ich angetreten bin. Seine Technik, seine Schnelligkeit und vor allem seine Ballsicherheit sind überragend. Er verliert fast keinen Ball, obwohl er eigentlich nicht so groß und so robust ist.
Abschließend noch die Frage: Wo sehen Sie sich in Zukunft?
Xhaka: Ich bin sehr glücklich und habe noch einen Vertrag bis 2021. Mein Ziel ist es, meine Karriere irgendwann hier zu beenden. Wenn etwas Spannendes kommt, weiß man im Fußball nie, aber ich bin sehr glücklich hier und spüre das Vertrauen vom Trainer und von den Verantwortlichen.
