Deutschland Joachim Löw 05092018Getty Images

"Wir spielen für Deutschland": Die neue Charmeoffensive der DFB-Elf

Kinder mit Selfie-Wünschen am Flughafen, kreischende Teenager und Hunderte jugendliche Autogrammjäger am Teamhotel: Die Begeisterung der deutschen Fans für die Nationalmannschaft ist trotz des WM-Desasters ungebrochen. Doch Joachim Löw sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

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Ja, auch er sei "erleichtert und sehr erfreut", dass der Anhang seiner Auswahl diesen schwarzen Fußball-Sommer offenbar sehr schnell verziehen habe, sagte der Bundestrainer. Jedoch weiß er auch, dass die vielen jungen Fans "nicht alle ins Stadion" kommen können.

TV-Verträge spielen für DFB eine Rolle

Das Länderspiel gegen Peru beginnt um 20.45 Uhr (Hier geht's zum LIVE-TICKER) - zu spät für die Kinder, deren Sommerferien zu Ende gehen. "Wir würden uns alle wünschen, wir könnten um 18 Uhr spielen, dann könnten die Kinder ihre Idole sehen", sagte Löw.

Der Frage nach familienfreundlichen Anstoßzeiten kommt aus seiner Sicht bei der neuen, intern verabredeten Charme-Offensive der Nationalmannschaft eine Schlüsselrolle zu. Löw denkt an den Fan, vielleicht auch an den Nationalspieler der Zukunft. In jungen Jahren könne ein Mensch "für den Fußball sensibilisiert werden", sagte er. Aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sei eben auch an TV-Verträge und die Rechtevergabe der internationalen Verbände UEFA und FIFA gebunden.

Löw plant öffentliche Trainingseinheiten

Über die Ticketpreise, die der DFB selbst festlegen kann, sprach Löw nicht. 25 bis 80 Euro muss berappen, wer Löws Mannschaft in Sinsheim sehen will - zu viel, schimpfte Oberbürgermeister Jörg Albrecht. "Wenn man zu zweit geht und noch eine Bratwurst und ein Bier dabei sind, liegt man schnell bei 200 Euro. Ich glaube nicht, dass der DFB auf 100.000 Euro angewiesen ist", sagte er der Bild.

Löw hat darauf wenig bis keinen Einfluss, deshalb setzen er und seine Spieler woanders an. Wenn sich das DFB-Team im Oktober vor dem Doppelpack in der Nations League mit Gastspielen in den Niederlanden und Frankreich in Berlin trifft, werde es ebenso eine öffentliche Trainingseinheit geben wie im November. "Jeweils drei, vier Tage vor dem Spiel."

"Wir spielen für Deutschland"

Seine Stars begrüßen dies. Er sei sich sogar sicher, betonte Mats Hummels in der Welt am Sonntag, "dass es uns sehr guttut, wenn wir wieder etwas mehr das sind, was man als volksnah bezeichnet". Dazu gehörten Autogramme und Selfies. "Vielleicht muss man für sich selbst wieder ein anderes Bewusstsein in dieser Hinsicht entwickeln", meinte Hummels, schließlich sei die Verbindung zur Basis "zuletzt nicht so gut wie vor einigen Jahren" gewesen.

Löw sowie DFB-Direktor Olivier Bierhoff haben dies ebenfalls erkannt und die Mannschaft dafür sensibilisiert. Der neue Kurs findet sogar in der Kabine Niederschlag. Dort steht über den Plätzen der Spieler der Slogan: "Wir spielen für Deutschland!"

Hummels: Da darf man nicht gleich beleidigt werden

Vor diesem Hintergrund mahnte Marco Reus dazu, die internen "Späßchen" über "Kanaken" und "Kartoffeln" zu überdenken. "Wenn beispielsweise Kinder so etwas weitertragen, ist das nicht gut – dessen sollten und müssen wir uns bewusst sein, da müssen wir aufpassen", sagte Reus dem Sportbuzzer.

Der Nationalspieler der Zukunft als volksnahes Vorbild? Hummels, der sich auch im Netz fannah gibt und dort immer wieder persönlich Fragen der Anhänger beantwortet, wirbt um Verständnis dafür, dass sich Spieler auch "mal abkapseln, um etwas Privatsphäre zu haben". Dazu gehöre, dass ein Spieler Foto- oder Autogrammwünsche auch mal ablehnen dürfe, ohne deshalb beleidigt zu werden.

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