HINTERGRUND
Der Hype um einen Spieler des Hamburger SV war selten größer: Fiete Arp, erst 17 Jahre alt, ist seit seinem ersten Einsatz eines der beherrschenden Themen beim Bundesliga-Dino. "Ich habe selten einen Spieler gesehen, der so aus dem Nichts ein Tor machen kann. Das können nicht viele", hat DFB-Sportdirektor Hrubesch, der 1983 mit dem HSV den Europapokal der Landesmeister gewann, kürzlich über ihn gesagt. "Der Junge hat was. Eigentlich hat er alles."
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Dass Hrubesch mit seiner Einschätzung richtig lag, hat Arp vergangene Woche in Berlin bewiesen: Kopfballablage Papadopoulos, Direktabnahme Arp, Tor HSV. Besser konnte die Karriere des Sturm-Juwels eigentlich kaum beginnen. Und so war es auch keine Überraschung mehr, dass Trainer Markus Gisdol ihn gegen den VfB Stuttgart in die Startelf berief. Ausgezahlt hat sich diese Maßnahme allemal. Arp gelang nicht nur ein sehenswerter Treffer, bei dem er zuvor zwei Verteidiger auf engstem Raum stehen ließ; auch auf den Rängen sorgte sein Spiel für mächtig Begeisterung.
Drittes Spiel, zweites Saisontor
"Die Kulisse war ja beim Aufwärmen schon krass. Ich habe versucht, entspannt zu bleiben. Aber ganz ehrlich, das ist mir nicht gelungen. Ein bisschen Nervosität war dann vor dem Spiel schon da", gestand er. Anzumerken war sie ihm allerdings kaum. Dazu trägt wohl auch die Hilfe seiner vermeintlichen Konkurrenten bei. "Ich werde total gut unterstützt, gerade auch von den gestandenen Spielern und sogar von Mitspielern wie Schipplock oder Wood, die auf der gleichen Position spielen. Bobby hat mir zum Beispiel heute vor dem Spiel noch Tipps gegeben und war auch nach dem Spiel einer der ersten Gratulanten."
Vor Gratulationen kann sich Arp nach seinem zweiten Treffer im dritten Bundesliga-Spiel jedenfalls kaum noch retten. Das Interesse an seiner Person ist riesig. Auch das Interesse anderer Vereine. Bekannt ist, dass er auf dem Zettel etlicher Top-Klubs aus dem In- und Ausland steht. Chelsea, Leipzig, Bayern, Dortmund - die Liste der Beobachter ist lang. Arp und sein Berater Jürgen Milewski haben bisher noch keine Gedanken an einen Wechsel verschwendet. Im Vordergrund steht sein Schulabschluss, Arp wird demnächst sein Abitur machen. Doch was kommt danach?
Arps Vertrag läuft nur bis 2019
"Wir haben Fietes Vertrag erst vor ein paar Monaten um ein weiteres Jahr bis 2019 verlängert. Aber sein Berater weiß Bescheid, dass wir 24 Stunden am Tag gesprächsbereit wären", sagt Sportchef Jens Todt. Klar ist: Der HSV steht unter Zugzwang. Entweder gelingt es, Arps Vertrag langfristig zu verlängern. Oder er muss im kommenden Sommer verkauft werden. Ihn nach Vertragsende ablösefrei gehen zu lassen, wäre ziemlich unklug. Dass Arps Management kürzlich nur um ein Jahr bis 2019 verlängern wollte, hat derweil gute Gründe. Die Werdegänge von Jonathan Tah oder Kerem Demirbay gelten als warnende Beispiele dafür, wie der HSV in der Vergangenheit mit seinen Talenten umging.
Um beide kümmerten sich die damaligen Verantwortlichen kaum, sie fühlten sich bei ihren Leih-Vereinen vergessen und missachtet. Tah und Demirbay zogen daraus ihre Konsequenzen und verließen den HSV. Heute sind sie ein Vielfaches ihres Verkaufspreises wert. Damit sich diese Geschichte nicht auch bei Arp wiederholt, werden die Klub-Bosse Überzeugungsarbeit leisten müssen. Mit regelmäßigen Einsätzen, einem fairen Profi-Vertrag und der Perspektive, fester Bestandteil eines Neuaufbaus zu sein. Das Potenzial, das Gesicht eines neuen HSV zu werden, hat Arp ohnehin. Sie müssen ihn nur spielen lassen.


