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Sebastian Kehl nach erneutem BVB-Patzer in Nürnberg: "Ich bitte um eine realistische Einschätzung dieser Saison"

09:20 MEZ 19.02.19
Sebastian Kehl Borussia Dortmund BVB 18122019
Der BVB leistet sich den nächsten Patzer. Sebastian Kehl warnt allerdings nach der Nullnummer am Montagabend vor Panikmache.


MIXED-ZONE-INTERVIEW
Durch das 0:0 beim 1. FC Nürnberg ist der Vorsprung von Tabellenführer Borussia Dortmund auf den FC Bayern auf drei Punkte geschmolzen. Nach der Partie gegen den Club sprach Sebastian Kehl, der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, in der Mixed Zone zu den anwesenden Medienvertretern.

Im Interview nannte Kehl die Gründe für das Remis in Franken, die Enttäuschung beim BVB und blickte auf das kommende Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen.

Herr Kehl, nach der Enttäuschung am vergangen Mittwoch in der Champions League bei Tottenham lässt der BVB auch in der Bundesliga beim Tabellenschlusslicht aus Nürnberg Federn. Wie fällt Ihr Fazit des Spiels aus?

Sebastian Kehl: Nürnberg hat es uns sehr schwer gemacht. Sie standen extrem tief und kompakt. Wir haben sie eine ganze Zeit lang gut bespielt. Immer dann, wenn wir schnell verlagert und versucht haben, breit zu stehen, über die Außen zu spielen, haben wir uns Chancen erarbeitet - aber auch nicht in der Vielzahl, um so richtig torgefährlich zu werden. Dazu kam noch ein Elfmeter, den man meiner Ansicht nach hätte geben können. Solche Dinge kommen zusammen und dann kann man auch gegen den Tabellenletzten nur mit einem Punkt nach Hause fahren.

In der zweiten Halbzeit ist das Dortmunder Spiel etwas abgerissen, man hatte kaum mehr nennenswerte Torchancen. Was war der Grund?

Kehl: Die Nürnberger haben zwei Busse vor dem Tor geparkt. Wenn man dann nicht mehr die Außen hält und versucht, schnell über die Flügel zu spielen, die Seiten zu verlagern und vor allem eine gewisse Geduld mitbringt, dann wird es schwer. Nürnberg hat sehr emotional verteidigt und war am Ende mit dem Punkt natürlich zufrieden. Uns hat dieser eine Moment gefehlt, um das Spiel in unsere Richtung zu drehen. So müssen wir nun mit dem Ergebnis leben, aber wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen und bewahren die Ruhe - egal, was jetzt in den nächsten Tagen medial passiert.

Der BVB hat es mit verhältnismäßig vielen Flanken versucht. Fehlt dazu nicht im Sturmzentrum ein wuchtiger Typ?

Kehl: Paco Alcacer hat ja auch schon einige Kopfballtore gemacht. Er hat schon ein Gespür für die Situation. Nürnberg hat sehr viele große Spieler in seinen Reihen, daher macht es Sinn, bis zur Grundlinie zu kommen und den flachen Rückpass zu spielen, sich dann in den Räumen zu zeigen. Das hatten wir auch angesprochen, aber wir haben es leider nicht in der Konsequenz umsetzen können.

Weil man nicht geduldig genug war?

Kehl: Das ist immer leicht gesagt. Im Nachgang werden uns sicherlich ein paar Szenen einfallen, die wir hätten besser machen können. Das ist aber nach jedem Spiel so.

BVB patzt in Nürnberg: Kehl wirbt für "Realismus"

Wie groß ist jetzt die Enttäuschung, erneut Punkte im Kampf um die Tabellenspitze verloren zu haben?

Kehl: Natürlich haben wir uns mehr erhofft, wir wollten unbedingt gewinnen. Wir haben das Tottenham-Spiel gut verarbeitet. Dazu haben wir ein bisschen Zeit gebraucht, aber wir haben es insgesamt sehr gut analysiert und auch wieder eine positive Stimmung in den letzten Tagen gehabt. Denn bei aller Kritik, die jetzt vielleicht auf uns einprasselt, sollten wir doch nicht vergessen, aus welcher Situation wir kommen und alles ein bisschen realistisch einordnen.

Wie sieht Ihre Einordnung der Situation genau aus?

Kehl: Wir haben eine sehr, sehr junge Mannschaft und hatten einen extrem positiven Lauf. Dass es in solch einer Saison auch immer mal Phasen geben wird, in denen es mal nicht so rund läuft und vielleicht auch mal einen kleinen Knicks gibt, davon können wir uns nicht frei machen und davon ist auch nie jemand ausgegangen. Wir verhehlen nicht, dass es unser Anspruch sein sollte, beim Tabellenletzten zu gewinnen. Trotzdem bitte ich um eine realistische Einschätzung dieser Saison und der weiteren Tabellensituation.

Ein paar Spieler wie Jadon Sancho oder Axel Witsel haben sehr viele Spiele in den Beinen. Haben Sie den Eindruck, dass der Tank ein bisschen leer ist?

Kehl: Nein, nicht unbedingt. Jadon war heute immer wieder gefährlich. Am Ende ist er so ein bisschen nach innen gezogen. Ich hätte mir gewünscht, dass er weiter außen bleibt. Man hat aber bei ihm und vielen Spielern gesehen, dass sie das Spiel unbedingt in unsere Richtung drehen wollten. Wir hatten genug Zeit vom Champions-League-Spiel bis heute und haben jetzt auch genug Zeit bis zum Spiel am Sonntag. Hätte man ihn heute rauslassen sollen oder warum sollte man ihn am Sonntag rauslassen? Es sind genug Tage dazwischen. Wir haben hart dafür gearbeitet, auf einem körperlich so guten Niveau zu sein. Die Jungs haben auch nicht angezeigt, dass sie müde sind. Wir brauchen den Rhythmus und auch den Stamm in unserer Truppe, denn wir mussten verletzungsbedingt ohnehin genug wechseln. Deshalb: Volle Kraft voraus!

Wie wichtig wird es sein, dass Marco Reus und die weiteren Verletzten wie Manuel Akanji bald zurückkommen?

Kehl: Marco Reus über einen längeren Zeitraum zu kompensieren, ist extrem schwer für uns. Wir hatten insgesamt immer wieder die Notwendigkeit, Positionen zu wechseln und zu rotieren - nicht nur im Offensivbereich. Wir hoffen, dass der eine oder andere jetzt zurückkommt. Ob das bis zum Sonntag gegen Leverkusen klappen wird, müssen wir die Woche über abwarten. Wir haben noch ein bisschen Zeit, alle arbeiten mit Hochdruck daran. Es wird eine knappe Geschichte werden, aber die Hoffnung ist da. Ansonsten wird sich jeder am Sonntag reinhauen - auch ohne Marco Reus.

Kehl erwartet gegen den BVB Leverkusener "mit breiter Brust"

Leverkusen ist unter dem ehemaligen BVB-Trainer Peter Bosz derzeit gut in Form. Kommt die Werkself daher zum falschen Zeitpunkt?

Kehl: Die Frage werde ich am Sonntagabend beantworten können. (lacht) Wir haben in der Regel zu Hause gegen Leverkusen immer gut ausgesehen. Ich habe keine Angst vor diesem Spiel. Wir wissen, dass sie ein starker Gegner sind und mit breiter Brust kommen werden. Jetzt versuchen wir erst einmal, das Nürnberg-Spiel zu verarbeiten und dann werden wir uns gezielt auf das Wochenende vorbereiten.

Es dürfte Dortmund aber entgegenkommen, dass Leverkusen nicht so defensiv spielen wird wie der Club, oder?

Kehl: Wenn es ein bisschen mehr Räume gibt, haben wir in vielen Spielen auch gezeigt, dass wir sie mit unserer Schnelligkeit und mit einem guten Kombinationsspiel nutzen können. Das war heute in der Form leider nicht möglich.