GFX Emil Forsberg Quote

Schlammschlacht zwischen Forsberg-Berater und RB Leipzig: Vom Assistkönig zum Risiko?


KOMMENTAR


"Sie sollten von mir nur keine gute Schlagzeile erwarten", sagte Emil Forsberg kürzlich im Interview mit Spox flapsig. Weil er keiner jener Profis ist, die ungeniert raushauen, was sie denken. Keiner, der große Ansagen macht.

Dass er in den letzten Tagen nun doch ganz fett in den Gazzetten auftaucht, hat zunächst mit seiner großen fußballerischen Qualität, mit seiner hervorragenden ersten Bundesliga-Saison für RB Leipzig zu tun, die ihn in den Fokus der Granden des europäischen Fußballs gespült hat. Sieht man davon ab, zeugen die Headlines, die der Name des Schweden jüngst erzeugte, aber lediglich von Charakterschwäche.

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Natürlich spielt Forsbergs Berater Hasan Cetinkaya in dieser Posse eine entscheidende Rolle. Er ist es, der einen Wechsel seines Klienten zu einem der finanzstärksten Klubs Europas, vermeintlich zum seit neuestem mit den Millionen von chinesischen Investoren gesegneten AC Milan, forcieren will - vor allem, um selbst dabei kräftig abzusahnen.

Und Forsberg? Der wäre solch einem Szenario gegenüber nicht abgeneigt, hielt mit seiner Bewunderung für die Rossoneri vor einigen Tagen jedenfalls nicht hinterm Berg. Er hat Leipzig viel zu verdanken, sicher. Grundsätzlich aber dennoch alles vollkommen legitim. Wäre da nicht die Vertragsverlängerung im Februar gewesen. Vorzeitig, bis 2022, zu deutlich verbesserten Bezügen.

Forsberg: "Fühle mich in Leipzig sehr wohl"

"Ich fühle mich in Leipzig sehr wohl und habe nicht umsonst Anfang des Jahres meinen Vertrag bis 2022 verlängert", sagte Forsberg Mitte Mai. Rund sechs Wochen ist dieser Satz her. Und eigentlich, so sollte man meinen, steckt darin auch so viel Wahrheit.

Forsberg hat in Leipzig ein Team mit großer sportlicher Perspektive, mit zahlreichen jungen, hochtalentierten Mitspielern. Eines, das sich in den nächsten Jahren wohl unter den besten vier Teams der Bundesliga etabliert, das vielleicht sogar um die Deutsche Meisterschaft mitspielen kann, nächstes Jahr in der Champions League vertreten ist. Er hat einen Verein mit guten Strukturen, dank Red Bull mit enormen finanziellen Mitteln ausgestattet, gut geführt, auf einem soliden Fundament basierend, mit einer zuweilen unterschätzten Fanbase im Rücken. Und er selbst ist in diesem Gebilde einer der Stars.

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Sportlich gesehen auch absolut zurecht, nach 19 Vorlagen und acht Toren in der abgelaufenen Saison. Alles daran zu setzen, den 25-Jährigen zu halten, war aus Leipziger Sicht daher der einzig korrekte Weg. Angesichts der kürzlich kursierenden Wortgefechte könnte man bei RB jedoch ins Grübeln gekommen sein - wenngleich man weiterhin propagiert, Forsberg nicht gehen zu lassen.

"Falls der Berater vergessen hat, wie lange Emil bei uns Vertrag hat, dann werden wir ihm schnell eine entsprechende Kopie zusenden können", sagte Leipzig-Boss Oliver Mintzlaff der Bild. Eine Schmerzgrenze gebe es nicht, betonte Sportdirektor Ralf Rangnick: "Wir werden die Mannschaft zusammenhalten."

Am 11. Juli wird Forsberg in Leipzig zurückerwartet. Spurlos werden diese Tage aber an beiden Parteien nicht vorbeigehen. Zumal der Berater des Assistkönigs weiter nachlegte, Leipzig eine "arrogante Art" vorwarf. "Fest steht: Emil möchte den nächsten Schritt in seiner Karriere machen", so Cetinkaya.

Forsberg spricht in Vergangenheitsform über RB

Ein Satz, der, mit der Vertragsverlängerung vor viereinhalb Monaten und den in diesem Zusammenhang getätigten Aussagen im Hinterkopf, an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Dass Forsberg seinen Agenten machen lässt und offenbar nicht entscheidend entgegenwirkt, zuletzt sogar schon in der Vergangenheitsform ("Ich hatte eine fantastische Zeit in Leipzig") über RB sprach, kann nicht gut sein für das Mannschaftsgefüge, für den Teamgeist, für die Beziehung zwischen Spieler und Verantwortlichen.

"Das Vertrauen des Trainers muss da sein, alles muss stimmen", erklärte Forsberg zu Jahresbeginn Leipzigs Erfolgsgeheimnis. Alles stimmt jedoch längst nicht mehr, Risse sind entstanden. Und Leipzig muss abwägen, was den sportlichen Erfolg mehr gefährdet: Forsbergs Verbleib oder sein Abgang.

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