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Saul Niguez' Verlängerung bei Atletico bis 2026: Fast ein ganzes Fußballerleben

08:00 MESZ 03.07.17
ONLY GERMANY Saul Niguez Atletico Madrid 18042017
Saul Niguez hat seinen Vertrag bei Atletico Madrid verlängert. Bis 2026 - ja, wirklich! Und das ist alles andere als gewöhnlich. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Breaking News! Saul Niguez verlängert seinen Vertrag bei Atletico Madrid. Okay, wichtige News. Immerhin waren angeblich Manchester United und der FC Barcelona am 22-Jährigen interessiert, zählt er doch zu den besten jungen Mittelfeldspielern der Welt. Meldung zusammenschreiben, anlegen, schnell online stellen, ist daher der erste Gedanke. Doch dann unterbricht eine Zahl den Routine-Vorgang – und sorgt inmitten des Stresses für kurzes Stutzen.

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2026! Ja, 2026 steht da. Kurz an den Fingern abgezählt – neun Jahre sind das! Sommer 2026. Da ist gerade die über-übernächste Weltmeisterschaft im Gange. Da hat Saul Niguez mit Spaniens neuer goldener Generation vielleicht schon zwei EM-Titel gewonnen. Da hat das Champions-League-Finale vermutlich gerade in New York, Shanghai oder Singapur stattgefunden. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo streiten sich womöglich längst um den Titel des Welttrainers des Jahres – und Gianluigi Donnarumma geht auf die 30 zu.

Meldung online, erstmal durchpusten. Einordnen. Neun Jahre von jetzt an! Gab es eine so lange Vertragsdauer auf diesem Niveau überhaupt schon einmal? Das Wörtchen Rentenvertrag schießt einem durch den Kopf. Im Sommer 2026 ist Niguez schließlich 31. Klar, der vorherige Kontrakt war bereits bis 2021 datiert. Doch Atleticos Eigengewächs verlängert nicht etwa um ein oder zwei Jahre, um ein Zeichen zu setzen. Um das leicht nach oben korrigierte Gehalt zu bekommen, das er kurz zuvor leise gefordert hatte. Nein, er setzt auf das ohnehin schon langfristig ausgelegte Arbeitspapier noch einmal satte fünf Jahre drauf.

Saul: "Bei Atletico sind wir eine Familie"

"Ich bin sehr glücklich, denn bei Atletico sind wir ein Familie und es gibt keinen besseren Ort“, sagte Saul, nachdem er sich bis 2026 an den Klub gebunden hatte. Natürlich darf man nicht so naiv sein, zu glauben, dass er zu 100 Prozent auch in neun Jahren noch bei den Colchoneros ist – wenngleich wahrscheinlich eine üppige Ausstiegsklausel vereinbart wurde. Und klar, er wird nun noch etwas besser entlohnt werden für das, was er auf den Rasen zaubert. Ein bemerkenswertes Statement bleibt es dennoch.

Eines, das zudem durchaus Sinn macht. Als Elfjähriger verließ Saul seine Heimatstadt Elche im Südosten Spaniens, um in der gut 400 Kilometer entfernten Hauptstadt groß rauszukommen. Doch bei Real Madrid wurde er nicht glücklich. "Sie haben meine Schuhe geklaut, mein Essen“, sagte er einst im Interview mit El Mundo über das Mobbing, das er als Junge bei den Königlichen erfuhr. "Es war ein schwieriges Jahr. Ich bin sehr daran gewachsen.“

Er flüchtete, verließ Real mit 12 zu Atletico. Ein Glücksfall – für ihn selbst und den Klub. Denn heute, mit 22, ist er zu einem echten Charakter gereift, ist Schlüsselspieler, einer der Besten überhaupt. Er kämpft Jahr für Jahr um Titel, stand 2016 im Finale, 2017 im Halbfinale der Champions League. Und da Atletico – auch forciert von der gegen den Klub verhängten Transfersperre – derzeit alles daran setzt, seine Stars wie ihn, Antoine Griezmann oder Yannick Carrasco zu halten, spielt er in einer Mannschaft mit der Perspektive, weiterhin zu den Besten in Europa zu gehören.

Und dann wäre da ja auch noch der Trainer. Diego Simeone schätzt Saul sehr – und umgekehrt. "Saul hat alle Voraussetzungen, um zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zu gehören. Er kann schießen, passen, hat Rhythmus, spielt mit Köpfchen“, schwärmt der Coach von seinem Schützling. Und der sagte vergangenen Oktober: "Solange Simeone hier ist, werde ich nicht gehen. Wenn ein Trainer so viel Vertrauen in dich hat wie er und dir diesen Glauben gibt, ist das unvergleichlich. Simeone ist alles, sowohl für mich als auch für Atletico.“

Simeone, Sauls Mentor

Worte, die von tiefer Verbundenheit zeugen. Doch genau wie Simeone eine Art Kleister ist, um Saul an Atletico zu binden, könnte der Argentinier auch in umgekehrter Richtung ein entscheidender Faktor werden. Denn Simeones Vertrag endet im Sommer 2018, verlängern wird er wohl nicht.

Gut für Atletico, dass der Klub Saul letztlich doch mehr bedeuten dürfte als nur das Vertrauen, das ihm der aktuelle Trainer schenkt. "Seit ich als Kind zu diesem Verein kam, wollte ich dort sein, wo ich jetzt bin", thront als Zitat neben dem Porträtfoto des Technikers auf der offiziellen Webseite der Rojiblancos. Saul hat die Chance, er ist auf dem Weg, zu einer der Symbolfiguren eines der größten Klubs der Welt zu werden. Ein riesiger Ansporn. Punkt.

Mittlerweile, zwei Tage nach der eigentlich so gewöhnlichen, aber aufgrund dieser einen spektakulären Zahl so aufreibenden Meldung, kann man das so nüchtern sagen. Ebenso nüchtern und ganz unfußballromantisch muss man aber gleichzeitig festhalten: Sollte Saul tatsächlich 2026 noch bei Atletico spielen, wäre das mindestens genauso außergewöhnlich wie diese immens langfristige Vertragsverlängerung per se.