Samir Nasri Manchester City Arsenal Premier LeagueGetty/Goal

Vom "kleinen Prinzen" zum "kleinen Ar***loch": Der Abstieg von Samir Nasri


HINTERGRUND

Samir Nasri war gerade einmal 19 Jahre alt, als er sein Debüt für Frankreich gab. Bei seiner Länderspielpremiere gegen Österreich steuerte er einen Assist bei und bereitete so das einzige Tor des Spiels für seinen neuen Mitspieler Karim Benzema vor.

Während Benzema auch mit Mitte 30 noch Rekorde bricht, hat Nasri seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt und ist in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten, nachdem er sich auf bemerkenswert ruhige Weise von der Weltspitze entfernt hatte.

"Der kleine Prinz des Velodroms": Samir Nasri führte Marseille in die Chmapions League

Vom Talent her war er ein Spieler, der alles hatte, aber letztlich nur einen Bruchteil dessen erreichte, wozu er fähig war. Nasri war 16 Jahre lang Profi und wird vor allem durch seine Zeit bei Marseille, Arsenal und Manchester City in Erinnerung bleiben, aber seinen Höhepunkt erreicht er bereits früh.

Das letzte seiner 41 Länderspiele für Frankreich absolvierte er im Alter von 26 Jahren. In den letzten fünf Jahren seiner Karriere, in denen er für Sevilla, Antalyaspor, West Ham und Anderlecht spielte, stand er derweil in nur 44 Ligaspielen auf dem Platz und verbüßte eine Dopingsperre, durch die er ein Jahr lang nicht spielen konnte. Es war ein trauriges Ende für einen Spieler, der so viel versprochen hatte.

Als Nasri in Marseille den Durchbruch schaffte, waren die Erwartungen riesig - und er erfüllte sie weitgehend und wurde als "kleiner Prinz des Velodroms" bekannt. Da er aus der gleichen Stadt wie der große Zinedine Zidane stammt und ebenfalls algerischer Herkunft ist, wurde er mit dem Etikett des "nächsten Zizou" belastet.

Nasri verfügte über eine herausragende Vision, Technik und Einstellung, die es ihm ermöglichte, in vier starken Spielzeiten bei OM seinem hochtrabenden Spitznamen gerecht zu werden und den Klub zurück in die Champions League zu führen. Wenngleich ihm dieses Selbstvertrauen bei seinem Niedergang letztlich zum Verhängnis werden sollte, beeindruckte er genug, um das Interesse von Arsenal-Trainer Arsene Wenger zu wecken, der 2008 rund 16 Millionen Euro für ihn ausgab.

Samir Nasri Arsenal Premier League 2010 GFXGetty/Goal

Vom Premier-League-Titel zur Dopingsperre: Nasris Abstieg

Nasri entwickelte sich bei den Gunners immer weiter, doch nach der Saison 2010/11, in der er in nur 30 Spielen zehn Premier-League-Tore erzielte, verließ er den Klub unter einem schlechten Stern. United-Legende Gary Neville bezeichnete ihn sogar als "Krebsgeschwür", weil er seinen Wechsel zu Manchester City erzwungen hatte.

Nasri war in seiner ersten Saison bei City ein Schlüsselspiel und trug dazu bei, dass die Mannschaft von Roberto Mancini den dramatischsten Premier-League-Titelgewinn der Geschichte errang. Während er jedoch in den ersten Jahren in Manchester glänzte und den Citizens 2014 mit seinem entscheidenden Tor sogar die Meisterschaft sicherte, fiel er anschließend in Ungnade und seine Karriere geriet ins Stocken.

Sein Abstieg gipfelte 2018 nach einem kurzen Aufenthalt bei Antalyaspor in einer Dopingsperre. "Es war ein Vorfall, der mich sehr verletzt und meine Beziehung zum Fußball verändert hat", erklärte Nasri im Interview mit JDD: "Ich empfand es als mehr als ungerecht. Ich hatte kein Dopingmittel eingenommen. Es war nur eine Vitaminspritze, weil ich krank war. Das hat mich aus der Bahn geworfen."

Bei West Ham kam Nasri kurzzeitig wieder in Form (zwei Assists in acht Spielen), doch mehrere Verletzungen machten ihm in London einen Strich durch die Rechnung, weshalb er sich bei Anderlecht mit seinem ehemaligen City-Kollegen Vincent Kompany zusammenschloss. Die Saison war sowohl für das Team als auch individuell ein Desaster und nachdem die Liga aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt wurde, entließ ihn der belgische Verein.

Nasris unrühmliches Ende in der Equipe Tricolore: "F*ck Frankreich und f*ck Deschamps!"

Obwohl Nasri das Ziel hatte, seine Karriere mit Marseille im Stade Velodrome zu beenden, wird er Ende des Monats bei einem Wohltätigkeitsspiel zugunsten von Kindern in der Elfenbeinküste abtreten und nicht mit der Mannschaft, mit der er aufwuchs.

In Frankreich bleibt der 34-Jährige als letztes Mitglied einer Generation in Erinnerung, die in der Öffentlichkeit vor allem wegen ihres Verhaltens bei der Weltmeisterschaft 2010 als eine Gruppe begabter, aber verwöhnter Fußballer angesehen wurde.

Mehrere hochkarätige Spieler gingen in Südafrika auf einen öffentlichen Kreuzzug gegen den damaligen Trainer Raymond Domenech und sorgten für ein peinliches Erstrundenaus, nachdem sie in einer Gruppe mit Uruguay, Südafrika und Dänemark nur einen Punkt geholt hatten. Ironischerweise war Nasri bei der WM nicht dabei und überlebte das Schlimmste. Dennoch gilt er als Sinnbild dieser Ära und seine Nationalmannschaftskarriere sollte nur drei weitere Jahre dauern.

Nachdem er bei der Weltmeisterschaft 2014 nicht berücksichtigt wurde, schrieb seine damalige Freundin Anara Atanes auf Twitter: "F*ck Frankreich und f*ck Deschamps! Was für ein besch***ener Manager!" Sie schob kurz darauf nach: "Falls Sie meinen Tweet nicht richtig gelesen haben, wiederhole ich mich. F*ck Frankreich und f*ck Deschamps!"

Samir Nasri France 2010 World Cup GFXGetty/Goal

Vom "kleinen Ar***loch" zum TV-Experten: Nasri geht nach seinem Karriereende neue Wege

Nasri sollte nie wieder für sein Land spielen. Schon lange galt er als Problemspieler. Bereits mit 23 Jahren reagierte er auf den Vorwurf der schlechten Einstellung, indem er trotzig erklärte: "Nur weil ich jung bin, muss ich nicht den Mund halten und zu allem ja und Amen sagen."

Zur selben Zeit wurde er von seinem Nationalmannschaftskollegen William Gallas als "kleines Ar***loch" beschimpft. Er geriet auch mit der französischen Legende Thierry Henry aneinander und hatte einen öffentlichen Streit mit der Presse.

Dennoch sind es die Medien, in denen Nasri nach seinem Rücktritt seine nächsten Schritte geht. Er wird eine Rolle als Experte bei Canal+ übernehmen, obwohl er Berichten zufolge langfristig als Trainer arbeiten möchte.

Ob er den richtigen Charakter für das Traineramt hat, darüber kann man streiten, aber nur wenige ehemalige Spieler wissen so viel über die möglichen Tücken des Fußballs wie Nasri. Er und Benzema gehörten zwar beide zu Frankreichs berühmter "Generation 87", aber während der Stürmer den Weg zurück auf die internationale Bühne fand, ging der "kleine Prinz" auf dem Weg dorthin verloren.

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