Egal, was in der Karriere von Saman Ghoddos noch kommt: Er hat bereits bei Amiens Geschichte geschrieben. Er ist nicht nur der erste iranische Nationalspieler, der in der Ligue 1 aufläuft, sondern er brauchte auch nur weniger als eine Stunde, um der erste Torschütze aus dem Iran zu werden. Nur zwei Tage nach seiner Ankunft steuerte er einen Treffer beim 4:1 gegen Reims bei.
Es war der Höhepunkt eines turbulenten Sommers für den 25-Jährigen, der in Schweden geboren wurde.
Ghoddos war sich schon mit Rennes über einen Wechsel einig, doch dann platzte der Deal, weil es juristische Schwierigkeiten mit dem spanischen Klub Huesca gab, der behauptete, bereits einen Vertrag mit dem Iraner vorliegen zu haben. Am Ende verkaufte Östersunds Ghoddos für 3,8 Millionen Euro weder an Rennes noch an Huesca, sondern an Amiens. Gleichzeitig sicherten sich die Schweden auch eine 25-prozentige Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf des Iraners.
Ghoddos wurde durch seinen Abschied aus Schweden - für das Land hatte er sogar zwei Freundschaftsländerspiele bestritten - zum drittteuersten Fußballer aller Zeiten, der die Liga verließ. Nur Alexander Isak und Zlatan Ibrahimovic waren teurer.
GettyAuf sich aufmerksam gemacht hatte Ghoddos schon weit früher. Er beeindruckte unter anderem zu Beginn des Jahres Arsenal-Trainer Arsene Wenger beim Europa-League-Duell mit den Gunners. Nach dem sensationellen 2:1-Auswärtssieg der Schweden im Emirates, bei dem der Angreifer beide Treffer vorbereitet hatte, sagte Wenger: "Ghoddos ist ein wunderbarer Spieler. Ich war technisch und taktisch gesehen von ihm beeindruckt."
Der 25-Jährige, der bei den drei WM-Spielen des Irans in diesem Sommer jeweils Einwechselspieler war, war für Amiens eine große Investition, denn der Verein ist ein kleiner Klub mit einem kleinen Etat. Trotzdem gelang es den Franzosen, den Schweden dazu zu bringen, einen Fünfjahresvertrag zu unterschreiben, obwohl es großes Interesse aus China und angeblich sogar von Manchester City an ihm gab.
"Es gab auch Angebote von größeren Klub, aber das hier ist der beste Schritt für Saman", sagte der Ghoddos-Berater Nenad Lukic Expressen. "Wir hatten Angebote von vier Vereinen, die richtig Geld auf den Tisch legen wollten, aber wir haben überlegt, dass das für ihn der richtige Schritt ist", erklärte der Berater.
Völlig unbeobachtet ging der Transfer nicht über die Bühne, schließlich war Ghoddos nun der Rekordeinkauf von Amiens, wo er der Nachfolger von Gael Kakuta werden soll, der in der vergangenen Saison im Stade de la Licorne glänzte.
Kakutas Karriere war lange auf dem Weg nach unten, nachdem er Chelsea verlassen hatte, doch im Norden Frankreichs wurde er quasi als Fußballer wiedergeboren. Amiens hat den Ruf, das perfekte Sprungbrett für Spieler zu sein, die ihre Karriere vorantreiben wollen - und genau das wird auch das Ziel von Saman Ghoddos sein.
Seine Einstellung und seine Herangehensweise an die Spiele sind schon einmal ein guter Ansatz dafür, sich in den kleinen Kader zu spielen, dessen Erfolg in der Vergangenheit vor allem im Auftreten als Einheit begründet war.
Goal"Erst einmal ist er ein Spieler, der an das Team denkt. Und das ist das Wichtigste", sagte Trainer Christophe Pelissier. "Er macht Tore, aber er liefert auch Vorlagen und kann verschiedene Rollen ausfüllen. Das war uns im Klub sehr wichtig", ergänzte der Coach.
Knapp 48 Stunden später begann Ghoddos damit, das Vertrauen und die Ablösesumme zurückzuzahlen, als er in Frankreich in der für ihn neuen Liga einen Blitzstart hinlegte.
"Wir haben nicht gezockt", sagte Pelissier, nachdem sein Neuzugang, der sofort in der Startelf stand, getroffen hatte. "Ich wollte dem Team einen Schub geben", erklärte der Trainer.
Ghoddos muss sich zwar erst noch in Frankreich zurechtfinden, aber er hat schon zwei Tore in drei Spielen erzielt. Am vergangenen Wochenende zeigte er bei einem überragenden Freistoß gegen Lille seine technischen Fähigkeiten.
Die Zeichen stehen hervorragend, dass der Wechsel von Saman Ghoddos nach Amiens am Ende ein Transfer ist, der allen Beteiligten weiterhilft.


