GoalSCOUT: Luka Ilic und Ivan Ilic
Marko Grujic sollte es eigentlich werden. 2016 zog es den damals frisch gebackenen U20-Weltmeister zum großen FC Liverpool, um Roter Stern Belgrads heißester Export seit Aleksandar Kolarov zu werden. Heute, rund zwei Jahre später, ist Grujic an Zweitligist Cardiff City verliehen, dort immerhin Stammspieler. Bei den Reds blieb ihm der Durchbruch bisher aber verwehrt.
Und während sich bei Eintracht Frankfurt aktuell Luka Jovic anschickt, anstelle von Grujic zum internationalen Aushängeschild der Nachwuchsakademie Roter Sterns zu werden, sind beim Top-Klub aus Serbiens Hauptstadt die nächsten heißen Eisen bereit für den Versuch, die Fußballwelt zu erobern. Zwei Brüder, die bei der Verteilung des Talents an der Kugel offenbar etwa den gleichen Anteil abbekommen haben. Luka Ilic, 18 Jahre alt, und Ivan Ilic, 17 Jahre alt.
Vergangenen Sommer sicherte sich Manchester City die Dienste der beiden Hochbegabten. Insgesamt rund fünf Millionen Euro legten die Engländer auf den Tisch, bis Sommer 2019, bis Ivan sein 18. Lebensjahr vollendet hat, bleiben die Brüder aber auf Leihbasis weiterhin bei Roter Stern. Goal hat sich Luka und Ivan mal etwas genauer angeschaut.
Luka und Ivan Ilic: Beide im Mittelfeld zuhause
Zuhause sind beide im zentralen Mittelfeld. Der rund eindreiviertel Jahre ältere Luka ist der offensivere, fühlt sich auf der Achter- oder Zehnerposition am wohlsten. Ivan ist derweil mehr Sechser, mehr kluger Stratege aus der Tiefe als finaler Passgeber. Sowohl der Altersunterschied als auch die feinen Differenzen im Spielstil rufen in den Gedanken eines Fußball-Romantikers gleich zwei Namen hervor: Bayerns Thiago Alcantara und Inters Rafinha. Ein Brüderpaar, das es in die internationale Spitze geschafft hat. So, wie es auch die Ilic-Brüder vorhaben.
GoalDie backen zunächst einmal aber - trotz des Traumes von einer Zukunft beim derzeit vielleicht besten Team der Welt - noch deutlich kleinere Brötchen. In Ivans Vita steht bisher ein einminütiger Einsatz in Serbiens erster Liga, im April 2017 wurde er im Spiel gegen Spartak Subotica mit 16 Jahren und 15 Tagen zum jüngsten Spieler, der je für Roter Sterns Profis auflief.
Ansonsten spielt Ivan, zu dessen großen Stärken vor allem die Antizipation gegnerischer Pass- und Laufwege sowie eine raumgreifende Übersicht am Ball zählen, bisher in verschiedenen Jugendmannschaften Roter Sterns, ist zudem serbischer U17-Nationalspieler. Er und sein älterer Bruder gelten als zwei der größten Talente des Landes, neben City sollen ihre Namen auch auf den Zetteln vieler weiterer europäischer Topklubs gestanden haben. Pep Guardiola und Co. zeigten jedoch das intensivste Interesse, beobachteten Luka und Ivan bereits sehr lange.
Geboren und aufgewachsen sind die Ilic' in Nis, einer 260.000 Einwohner zählenden Stadt im Süden Serbiens, rund 250 Kilometer südöstlich von Belgrad. Auch Dragan Stojkovic, in den 1990er Jahren eine der Ikonen der jugoslawischen Nationalmannschaft und Roter-Stern-Legende, stammt von dort. Ebenso wie Benfica-Angreifer Andrija Zivkovic oder mit Nemanja Radonjic und Aleksandar Pesic auch zwei Akteure aus Roter Sterns aktuellem Team.
"Begonnen haben wir an der Fußballschule Filip Filipovic in Nis", erzählte Luka bei kurir.rs. Mit Bruder Ivan im Schlepptau zog er später weiter zu Real Nis, wo sie sechs gemeinsame Jahre verbrachten. 2014, mit 15 Jahren, ging der ältere Luka dann in den Nachwuchs von Roter Stern, entwickelte sich dort prächtig.
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GoalDer 18-jährige Linksfuß verfügt über eine starke Technik, versprüht Torgefahr, hat ein gutes Gespür für die richtigen Laufwege. Er hat einen auffallend sauberen ersten Kontakt, kann dribbeln, ist schnell. Ilic vereint viele der Attribute, die ein Spielmacher im modernen Fußball mitbringen sollte.
In der laufenden Saison kam Luka bisher achtmal für Roter Sterns Profis zum Einsatz, beim 4:0 gegen Macva Sabac im Oktober gelang ihm sein erster Erstliga-Treffer. Wenige Wochen später debütierte er bereits für Serbiens U21-Nationalelf, traf im EM-Quali-Spiel gegen Österreich prompt zum 3:1-Endstand.
Seinem Bruder Ivan, der Luka im Jahr 2016 zu Roter Stern folgte, traut er in naher Zukunft ebenfalls den Durchbruch zu. Der 17-jährige Sechser geht im Passspiel zwar noch zu oft unnötiges Risiko, hat zudem Probleme, wenn er seinen schwächeren rechten Fuß benutzen muss.
Ivan Ilic: Box-to-Box-Spieler wie Matic?
Doch auch das ungeübte Auge sieht sofort, dass Ivan riesiges Potenzial hat: Er ist körperlich schon auffällig weit, hat die Fähigkeit, Löcher zwischen Mittelfeld und Abwehr klug zu stopfen, legt aber gleichzeitig viel Vorwärtsdrang an den Tag, könnte sich zu einem erstklassigen Box-to-Box-Spieler a la Nemanja Matic entwickeln. Ivan hat das Talent, Tempo und Rhythmus diktieren zu können, spielt starke Diagonalbälle.
Qualitäten, die er, ebenso wie Bruder Luka, noch gut ein Jahr in Belgrad unter Beweis stellen muss. Dann, im Sommer 2019, geht es für die beiden Jungs nach Manchester. Auf die Insel, ins Mutterland des Fußballs. Um es besser zu machen als Marko Grujic 2016.


