Sir Bobby Robson, seinerzeit ganz frisch als neuer Trainer des FC Barcelona installiert, wollte Ronaldo unbedingt haben. Kein Wunder, war der damals 19-Jährige im Sommer 1996 doch eine der heißesten Aktien auf dem Transfermarkt. Bereits auserkoren, einmal der beste Stürmer der Welt zu sein.
"Er war erst 19, aber ich sagte Barcelona, dass wir ihn haben müssen", wird Robson im Buch Barca: A people's passion zitiert. "Ich sagte ihnen, dass wir nicht nur einen wundervollen Spieler, sondern vor allem einen für die Zukunft kaufen würden. Er war viel mehr als nur eine Alternative zu unseren anderen Stürmern: Er war etwas Seltenes, er war anders und berauschend."
Dennoch war Ronaldo eigentlich nicht Robsons Wunschspieler Nummer eins. Eigentlich wollte er seinen englischen Landsmann Alan Shearer nach Barcelona holen, der gerade fünf Tore bei der EM 1996 erzielt und in der Vorsaison 31-mal für die Blackburn Rovers in der Premier League genetzt hatte. Doch statt an Barca wurde Shearer an Newcastle United verkauft. "Also haben wir uns Ronaldo geschnappt", so Robson.
Barca bereits mit Eindhoven einig - doch es gab einen Haken
Der Brasilianer war 1994 aus seiner Heimat zur PSV Eindhoven gewechselt, hatte für die Niederländer getroffen wie am Fließband. "Wir brauchten nicht lange, um eine Einigung mit Eindhoven zu erzielen", erinnerte sich Barcas damaliger Vizepräsident Joan Gaspart exklusiv gegenüber Goal und SPOX . "Wir sollten umgerechnet etwa 15 Millionen Euro zahlen."
Erlebe LaLiga live und auf Abruf auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!




Was jedoch zum Haken werden sollte, war die Vereinbarung, dass Barca bis zum 15. Juli 1996 das Einverständnis von Ronaldo selbst einholen musste, um den Deal endgültig abzuwickeln. Der weilte in jenen Tagen jedoch bei der brasilianischen Nationalelf - und Eindhoven überlegte es sich doch noch einmal anders.

"Sie wollten den Spieler plötzlich doch nicht mehr verkaufen und riefen den brasilianischen Verband an, um zu verhindern, dass Ronaldo bei uns unterschreibt", sagte Gaspart. Bodyguards bewachten die Stars der Selecao daher, Gaspart musste sich etwas einfallen lassen.
Ronaldo unterschrieb Barca-Vertrag auf seinem Bett
"Ich musste mich sogar verkleiden, um an seine Unterschrift zu kommen", verriet er. "Ich traf auf einen spanischen Kellner und er gab mir seine Uniform, ein Tablett und eine Cola", so der heute 74-Jährige, der von 2000 bis 2003 schließlich auch Präsident der Blaugrana war. "Daraufhin grüßte ich die Bodyguards mit einem 'Guten Morgen' und sagte ihnen, dass ich ein Getränk bringen würde." Auf diese Art und Weise schaffte es Gaspart doch noch, Kontakt zu Ronaldo aufzunehmen.
Jener sei vollkommen verdutzt gewesen. "Aber er unterzeichnete den Vertrag auf seinem Bett, nachdem er mit seinen Beratern gesprochen hatte", sagte Gaspart.
Ronaldo blieb allerdings nur eine Saison bei Barca, erzielte in 49 Pflichtspielen starke 47 Tore. 1997 wechselte er für 28 Millionen Euro zu Inter Mailand, spielte später auch noch für Real Madrid und den AC Mailand.
