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Romelu Lukaku bei Manchester United: Eine erstklassige zweite Wahl


KOMMENTAR


Noch bis Sonntag, noch vor dem Abflug von Manchester United zur Vorbereitungstour in den USA, soll alles unter Dach und Fach sein. Gut 85 Millionen Euro zahlen die Red Devils nach Goal-Informationen für die Dienste von Romelu Lukaku an den FC Everton, der Belgier ist damit zum Nachfolger des scheidenden Zlatan Ibrahimovic auserkoren worden.

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Erste Wahl war Lukaku eigentlich aber nicht. Denn Jose Mourinhos absoluter Wunschspieler hieß Alvaro Morata. Mit dem Spanier selbst führte United gute Gespräche, doch Real Madrid stellte sich quer. Die Königlichen forderten 90 Millionen Euro, Manchesters finale Offerte betrug lediglich 80 Millionen.

Nun also Lukaku statt Morata. Zwei Spielertypen, die sich nicht unähnlich sind, von denen der Belgier allerdings vermeintlich dann doch der prädestinierte Mittelstürmer für einen englischen Top-Klub ist. Eine erstklassige zweite Wahl, wenn man so will.

Romelu Lukakus bisherige Wechsel:

DatumVonZuAblöse
7/2006Lierse SK JugendRSC Anderlecht Jugend-
8/2011RSC AnderlechtFC Chelsea15 Millionen Euro
8/2012FC ChelseaWest Bromwich AlbionLeihe
9/2013FC ChelseaFC EvertonLeihe / 3,5 Millionen Euro Gebühr
7/2014FC ChelseaFC Everton35,36 Millionen Euro

Denn Lukaku verköpert genau das, was Mourinho für seine Neuner-Position im Sinn hat: Bullig, körperlich stark, eiskalt vor dem Tor, im Stafraum auch hoch anspielbar, aber gleichzeitig technisch sehr beschlagen. Einer, der Bälle ähnlich gut festmachen kann wie Bayerns Robert Lewandowski, mit dem Rücken zum Tor sehr geschickt ist, der mitspielt, statt nur zu lauern. Und der - im Gegensatz zu Morata - bereits nachgewiesen hat, konstant zu den besten Angreifern der Premier League gehören zu können.

Lukakus Chancenverwertung ist beeindruckend

Chelsea dürfte sich daher, gerade jetzt, da die Blues einen Ersatz für Diego Costa suchen, in den Hintern beißen, Lukaku seinerzeit nicht gehalten zu haben. In London setzte sich der heute 24-Jährige, der mit 18 für 15 Millionen Euro vom RSC Anderlecht zu Chelsea wechselte, nie durch - und wurde 2014 endgültig an Everton abgegeben.

Kontinuierlich steigerte sich Lukaku bei den Toffees. Die hohen Erwartungen, die er - nachvollziehbarerweise - mit 19 oder 20 bei Chelsea noch nicht erfüllen konnte, setzte er nun nach und nach in die Tat um. Zehn Tore in der Saison 2014/15, 18 Tore 2015/16, vergangene Spielzeit schließlich satte 25 Treffer. Nur Tottenham-Star Harry Kane traf häufiger.

Doch nicht nur die Zahlen belegen Lukakus Stärke. Denn zu den zahlreichen Toren gesellten sich auch sechs Assists, acht Großchancen hat Lukaku in 2016/17 kreiert - nur eine weniger als Arsenals Mesut Özil. Dazu verwertete er 72 Prozent seiner eigenen Großchancen, steht in dieser Statistik besser da als Kane (62,07%), Gabriel Jesus (66,67%), Sergio Agüero (51,85%) oder vor allem Diego Costa (36,84%) und Zlatan Ibrahimovic (28%). Morata stand letzte Saison in LaLiga übrigens bei 55,56 Prozent verwerteter Großchancen.

Dass Lukaku im Abschluss mittlerweile so präzise ist, macht ihn für United noch interessanter. Denn speziell darin, Gelegenheiten in Zählbares umzumünzen, lag vergangene Saison, als es so häufig langweilige 1:1-Spiele gab, eine Schwäche der Red Devils. Zumal der Belgier, der mit 24 sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange in seiner Entwicklung erreicht hat, auch sehr brauchbar ist, wenn es darum geht, Chancen einzufädeln.

Jose Mourinho _Romelu Lukaku _Chelsea_EvertonJose Mourinho (r.) gibt dem jungen Romelu Lukaku Anweisungen

Besonders, wenn sich United auch auf den Außenpositionen noch mit dem einen oder anderen schnellen Flügelspieler von hoher Qualität verstärkt, könnten Lukakus Qualitäten gewinnbringend zur Geltung kommen. Im derzeitigen Kader entspräche wohl lediglich Anthony Martial einem solchen Spielertypen, der auch das entsprechende Potanzial mitbringt - 2016/17 schwächelte der Franzose aber noch zu arg.

Nicht nur die Frage nach den Mitspielern ist derweil eine Variable in der künftigen Liaison Lukakus mit United. Auch die Tatsache, dass er die ganz großen Spiele noch nicht gesehen, noch nicht den Druck als Schlüsselspieler bei einem Meisterschaftsanwärter verspürt hat, ruft Fragezeichen auf den Plan. Kann er die vielseitigen Anforderungen erfüllen, wie es sein Potenzial verspricht?

Lukaku und Mourinho: Passt das?

Und was ist mit seiner Beziehung zu Mourinho? The Special One hatte bei Chelsea einst noch keine Verwendung für den jungen Lukaku, verlieh ihn zunächst, um ihn ein Jahr später zu verkaufen. "Wenn ich jetzt für Chelsea spielen würde, würde ich vielleicht fünf Spiele machen, ein oder zwei Tore schießen. Jetzt spricht dafür jeder in England über mich", sagte Lukaku während seiner Leihe zu Everton. Mourinho konterte damals vorwurfsvoll: "Romelu redet gerne. Aber die einzige Sache, die er nie verrät, ist, warum er Chelsea verlassen hat und zu Everton verliehen wurde."

Sätze, die lange zurückliegen. Und vergessen sind. Probleme mit Mourinho habe er nie gehabt, betonte Lukaku später. Es gab lediglich Meinungsverschiedenheiten. Lukaku wollte regelmäßig spielen, Stürmer Nummer eins sein. Mourinho sah in dem jungen Belgier aber nicht genügend Ansporn, nicht genügend Opferbereitschaft, das bei einem Verein wie Chelsea auch schon zu rechtfertigen.

Heute ist Lukaku gereift, persönlich und sportlich mehrere Schritte weiter. "Einige Leute werden sagen, dass ich ihn überzeugen müsste, aber das ist nicht die Frage", erklärte Lukaku, vergangenes Jahr angesprochen auf eine mögliche Wiedervereinigung mit The Special One. "Vor drei Jahren war ich 20 und noch nicht bereit, bei einem Top-Team sofort effektiv zu sein."

Nun sei er dafür bereit, insistiert Lukaku. Zurecht, darf man ihm zustimmen. Nur den endgültigen Nachweis ist Lukaku, dem die Integration bei United von Kumpel Paul Pogba oder Nationalelfkollege Marouane Fellaini leicht gemacht werden kann, noch schuldig. Er wird ihn erbringen. Vielleicht sogar nachhaltiger als Morata. Lukaku ist eine erstklassige zweite Wahl.

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