HINTERGRUND
Als Roberto Carlos im Sommer 1996 Inter Mailand verließ, um beim großen Real Madrid anzuheuern, ahnte der Brasilianer vermutlich noch nicht, dass er bei den Königlichen eine elf Jahre lange Ära prägen, Teil der glorreichen "Galacticos" sein und unter anderem dreimal den Henkelpott in die Luft stemmen würde. Ganz nebenbei entwickelte sich der heute 48-Jährige zu einem der besten seiner Zunft - einem immens starken Linksverteidiger, dessen Oberschenkelumfang mindestens genauso gefürchtet war wie wie sein Defensivverhalten.
Dass Roberto Carlos überhaupt auf all das zurückblicken kann, ist wohl auch der Verdienst von Fabio Capello. Der langjährige Trainer stand damals an der Seitenlinie der Blancos, als sich die einzigartige Möglichkeit ergab, den Abwehrmann zu verpflichten - und Capello ergriff sie in Rekordzeit.
"... in weniger als 24 Minuten": Capello schlug bei Roberto Carlos direkt zu
Seinerzeit stand Roberto Carlos bei den Nerazzurri unter Vertrag, die ihm den Weg in den europäischen Spitzenfußball bereitet hatten. In Mailand wurde der Linksfuß wahrlich flexibel eingesetzt - manchmal sogar als Außen- oder Mittelstürmer. Was für viele ein Beweis für Variabilität und Unantastbarkeit ist, war für Roberto Carlos mehr Fluch als Segen.
"Das große Problem war, dass ich in meinen ersten sieben Spielen sieben Tore geschossen habe", blickte der Weltmeister von 2002 vor einiger Zeit in einem Instagram -Video auf dem Kanal der FIFA auf seine Zeit in Italien zurück. Eine Zukunft sah er auf in dieser Rolle persönlich allerdings nicht, also wandte er sich an Präsident Massimo Moratti und erklärte ihm, dass die Copa America vor der Tür stehe und er in der Selecao nicht auf den offensiven Positionen spielen könne.
Imago ImagesSein Wunsch sollte nicht auf sonderlich viel Gehör stoßen, also entschied sich Roberto Carlos, Inter zu verlassen.
"Ich konnte es nicht glauben. Berater Giovanni Branchini erzählte mir, dass sie ihn verkaufen wollen und ich dachte mir: 'Wie kann Inter im Begriff sein, Roberto Carlos zu verkaufen?'", erinnerte sich Capello jüngst bei Sky Italia an die ereignisreichen Minuten (ja, Minuten!) rund um den Deal. Der Italiener dachte zunächst an einen Scherz. Als aus dem Gerücht jedoch Realität wurde, ließ Capello seine Kontakte spielen.
"Weil ich es nicht glauben konnte, schickten sie mir ein Fax mit dem Preis und der war nicht unverschämt hoch. Ich rief den damaligen Real-Präsidenten Lorenzo Sanz an und sagte ihm, er solle direkt nach Madrid fliegen", sagte Capello, der durchaus um die starke Konkurrenz wusste: "Ich erklärte ihm, dass sich alle italienischen Teams auf ihn stürzen würden, sobald die Nachricht bekannt würde."
Noch am Tag von Carlos' Beschwerde bei Moratti kam es also zu einem Treffen mit Sanz. "Um 23 Uhr war der Vertrag fertig", erklärte Capello: "In weniger als 24 Minuten." Sechs Millionen Euro Ablöse kosteten Real die Dienste des Linksverteidigers.
Capello über Carlos-Deal: "Hätte ihn nicht verpflichtet, wenn er so fett gewesen wäre wie jetzt"
527 Pflichtspiele, 70 Tore, 89 Vorlagen und 13 Titel sprangen bis zu seinem Wechsel zu Fenerbahce Istanbul im Juli 2007 heraus.
BongartsRoberto Carlos ist sicherlich ein Transfer, auf den Capello selbst stolz sein kann.
Ob er die gleiche Verpflichtung heute noch einmal tätigen würde? "Ich hätte ihn nicht verpflichtet, wenn er so fett gewesen wäre wie jetzt", scherzte der Fußballlehrer.


