HINTERGRUND
Im Frühjahr 2016 dürfte man den Namen Rey Manaj bei Juventus Turin nicht allzu gerne gehört haben. Anfang März, kurz nach seinem 19. Geburtstag, wurde der Stürmer im Halbfinal-Rückspiel der Coppa Italia gegen Juve kurz vor Ende der Verlängerung eingewechselt. Und ohne Scheu vor großen Taten verwandelte er gleich einen Elfmeter im kurz darauf folgenden Elfmeterschießen - und half so mit, dass Inter Mailand letztlich den Serienmeister rauswarf und ins Finale einzog.
Rund einen Monat später war dann Juves U19 dran. Im Endspiel um die Coppa Italia der Primavera markierte Manaj nämlich eine Viertelstunde vor dem Ende den wichtigen Ausgleich, indem er im Stile von Jay-Jay Okocha die halbe Abwehr und den Torhüter austanzte und schließlich einschob. Am Ende gewann Inters Nachwuchs mit 2:1 - vor über 20.000 Zuschauern im San Siro, die sich von Rey Manaj fortan noch mehr erhofften. Und der junge Albaner träumte natürlich davon, künftig auch bei den Großen eine so gewichtige Rolle zu spielen.
Dazu ist es bis dato bekanntlich nicht gekommen. Aber immerhin: Manajs ungewöhnlicher Karriereweg hat ihn, mittlerweile 23 Jahre alt, immerhin zur Stammkraft in der albanischen Nationalmannschaft gemacht und zum B-Team des ruhmreichen FC Barcelona geführt.
Rey Manaj: Über Cremonese zu Inter
Aber von vorn. Manaj wird im Februar 1997 in Albanien geboren, wächst später aber in Italien auf. Er spielt in der Jugend von Piacenza, dann bei Cremonese und kurz auch im Nachwuchs von Sampdoria Genua. Ehe er, zurück bei Cremonese, im dortigen Drittliga-Team plötzlich gehörig auf sich aufmerksam macht.
Mit 17 wird er Stammspieler, macht in der Saison 2014/15 26 Pflichtspiele für die erste Mannschaft. Manaj ist der Typ Straßenfußballer, gut auf engem Raum, schlitzohrig, aber auch bullig und durchsetzungsstark. Er kann auch über die Außen kommen, ist am liebsten aber Mittelstürmer.
GettyBild: Getty ImagesAls mögliche Nummer 9 der Zukunft verpflichtet ihn im Sommer 2015, mit gerade mal 18, dann auch das große Inter Mailand. Kurz zuvor hatte er bereits für Albaniens U21 debütiert, nur wenige Monate später sollte die Premiere im A-Nationalteam folgen. Doch wenngleich er im August 2015 gleich sein erstes Serie-A-Spiel machen durfte, gegen Atalanta Bergamo für die letzten fünf Minuten eingewechselt wurde, lief es in Mailand nicht wie gewünscht.
Rey Manaj: Konkurrenz bei Inter Mailand zu groß
Manaj machte in seiner ersten Saison bei Inter nur sechs Pflichtspiele für die erste Mannschaft, die meisten davon über lediglich ein paar Minuten. Mit Mauro Icardi, Stevan Jovetic, Rodrigo Palacio oder Eder war die Konkurrenz zu groß, um sich auf Anhieb durchsetzen zu können.
Manaj ließ sich daher seit Sommer 2016 mehrfach verleihen. Zunächst nach Pescara, dann in die Serie B zu Pisa, dann in Spaniens zweite Liga nach Granada. Doch nirgendwo konnte er nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Er spielte zwar relativ regelmäßig, die großen Hoffnungen von einst, sie wurden aber immer leiser.
Bis es mit dem Wechsel nach Albacete im Sommer 2018 allmählich wieder bergauf ging. Für den spanischen Zweitligisten gelangen dem ja immer noch sehr jungen Angreifer 2018/19 immerhin sieben Pflichtspieltore, er spielte mit Albacete um den Aufstieg in LaLiga. Und er hievte sich zurück in den Fokus des Nationalteams: Nachdem er in den knapp drei Jahren seit seinem Debüt im November 2015 nur dreimal nominiert wurde, ist Manaj seit Herbst 2018 wieder regelmäßig dabei. Ende 2019 stand er in den letzten fünf EM-Qualispielen sogar jedes Mal über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, lieferte gegen Island einen Assist und traf gegen Moldawien und Andorra.
Rey Manaj: Und plötzlich Training mit Messi
Bis Sommer 2019 hatte Manaj offiziell noch bei Inter unter Vertrag gestanden, ehe Albacete ihn den Italienern für zwei Millionen Euro abkaufte. Und Anfang des Jahres erfüllte sich für Manaj in Spanien dann ein Traum: Er wechselte zum großen FC Barcelona, wenngleich nur zum in der 3. Liga spielenden B-Team der Katalanen. "Es ist einer der wichtigsten Tage meines Lebens", sagte Manaj dem vereinseigenen TV-Sender und ergänzte: "Als das Angebot von Barca kam, wollte ich nichts weiter hören. Jetzt, da ich hier bin, bin ich sehr glücklich."
Screenshot / FC BarcelonaBild: FC BarcelonaManaj durfte sogar gleich mal bei der ersten Mannschaft mittrainieren, postete im Februar bei Instagram stolz Fotos von ihm an der Seite Lionel Messis. Und ob personeller Engpässe in Barcas Offensive nach der Verletzung von Luis Suarez stand er Mitte Februar gegen Getafe sogar schon einmal im Kader der A-Mannschaft.
Ansonsten ging er für die zweite Mannschaft auf Torejagd, traf dort in neun Pflichtspielen zweimal und verpasste jüngst in den Playoffs nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga. Manaj, der bis 2023 in Barcelona unterschrieben hat, steht mit 23 immer noch am Anfang seiner Karriere, kann sich über Barcas B-Team wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Und Training mit Messi ist ja schon mal gar nicht so schlecht ...


