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Rene Adler beim HSV: Die Zeichen stehen auf Abschied

15:00 MESZ 30.03.17
Rene Adler FC Bayern München Hamburger SV Bundesliga 022517
Der HSV muss seinen Gehaltsetat herunterfahren, der Torhüter will aber keine großen Abstriche machen. Ob sich beide Seiten noch einig werden?

Wenn es in den vergangenen Jahren eine Position gab, über die sich die unterschiedlichen Sportdirektoren des Hamburger SV wenig bis überhaupt keine Gedanken machen mussten, dann war es die Position des Torhüters. Mit Rene Adler verpflichteten die Rothosen im Sommer 2012 einen der wohl besten Keeper Deutschlands. Zwischenzeitlich war er nicht nur zur Nummer eins des DFB aufgestiegen, sondern auch auf dem Zettel zahlreicher Top-Vereine wie Manchester United. Wäre der heute 32-Jährige in seiner Karriere weitestgehend verletzungsfrei geblieben, hätte der HSV wohl keine Chance gehabt, ihn an sich zu binden.

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Doch genau aus diesem Grund verliefen auch die Verhandlungen mit Hamburg zunächst schwieriger als gedacht. Frank Arnesen, seinerzeit Sportvorstand bei den Rothosen, wollte Adler unbedingt. Der Aufsichtsrat hatte wegen seiner hartnäckigen Patellasehnenprobleme Zweifel, die gesamte Verletzungshistorie sprach gegen eine Verpflichtung. Um die Räte von seiner Fitness zu überzeugen, spielte Adler im April 2012 freiwillig für Bayer Leverkusens zweite Mannschaft in der Regionalliga. Nur kurze Zeit später bekam Arnesen vom Aufsichtsrat das Okay für den Wechsel. Adler wurde HSVer.

Adlers Gehalt soll gekürzt werden

Fast fünf Jahre später neigt sich seine Zeit in Hamburg ihrem Ende entgegen. Der Vertrag läuft aus, Gespräche über eine Verlängerung gibt es derzeit nicht. Ex-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer hatte ihm zwar einen neuen Vertrag in Aussicht gestellt - Ende Dezember 2016 war für ihn jedoch vorzeitig Schluss beim HSV. Seit Heribert Bruchhagen das Amt übernommen hat, müssen die Spieler, deren Verträge auslaufen, sich in Geduld üben. Solange der Klassenerhalt nicht endgültig gesichert ist wird es keine Verhandlungen geben. Mehr noch: Spieler wie Adler müssen im Falle eines Angebotes mit Gehaltseinbußen rechnen. Und das scheint ihm nicht zu gefallen.

"Wenn jemand sagt: Du arbeitest für ein Drittel oder die Hälfte, dann würdest du auch sagen: Warum?", kommentierte der gebürtige Leipziger den Stand der Dinge gegenüber Sport1. Weiter führte er aus: "Natürlich ist das Monetäre, der wirtschaftliche Faktor auch entscheidend." Klingt nach verhärteten Fronten. Bruchhagen muss den Gehaltsetat (derzeit knapp 60 Millionen Euro) herunterfahren, während Adler, der jährlich 2,7 Millionen Euro verdient, keine oder zumindest keine großen Abstriche machen will. Dabei gäbe es durchaus einige gute Gründe, die Zusammenarbeit mit ihm fortzusetzen. Denn trotz seines Alters zählt Adler auf der Linie noch immer zu den besten Torhütern der Liga. Mit seinen Paraden hat er dem HSV in den letzten fünf Jahren etliche Punkte gerettet.

Rene Adler steht seit 2012 für den HSV zwischen den Pfosten

Darüber hinaus verfügt er über viel Erfahrung, kennt den Verein und sein Umfeld bestens. Adler ist während seiner Zeit in Hamburg auch als Persönlichkeit gereift. Innerhalb des Teams wird er als Führungsspieler wahrgenommen, vom Trainerteam geschätzt. Obwohl der zweite Torhüter Christian Mathenia, vor der Saison aus Darmstadt verpflichtet, Adler während seiner Verletzungspause zwischen Ende November und Ende Januar gut vertrat, baut Chefcoach Markus Gisdol weiter auf den Routinier. Ich sechs Spielen durfte er sogar als Kapitän auflaufen - ein zusätzlicher Vertrauensbeweis. Geht es nach ihm, soll Adler beim HSV bleiben.

Statistisch auf dem letzten Platz

Parallel müssen sich die Norddeutschen aber nach Alternativen umsehen. Alexander Schwolow vom SC Freiburg steht angeblich auf der Beobachtungsliste. Er wäre im Gegensatz zu Adler eine günstigere Lösung auf der Position des Torhüters. Und statistisch zumindest ein wenig besser. Denn: Laut Opta ist Adler in der Kategorie "gehaltene Bälle" mit 54,1 Prozent Schlusslicht aller 23 eingesetzten Torhüter in der Bundesliga, die mindestens ein Drittel aller möglichen Spiele absolviert haben. Angeführt wird die Liste - wenig überraschend - von FC Bayerns Manuel Neuer mit 79 Prozent gehaltener Bälle - ein drastischer Unterschied. Selbst Mathenia liegt mit 63,3 Prozent vier Ränge vor Adler.

Aber: Mit neun vereitelten Großchancen in 17 Einsätzen reiht er sich ins Mittelfeld dieser Torhüterrangliste ein und steht damit sogar wieder vor Manuel Neuer. Statistik allein wird in der Frage über Verlängerung oder Nichtverlängerung allerdings nicht den Ausschlag geben. Es geht diesmal tatsächlich fast nur ums Geld - und mögliche Alternativen. Bekommt der HSV einen günstigen Ersatz, wird Adler kein neues Vertragsangebot gemacht. Lässt sich ein Transfer im Sommer nicht realisieren, wird Bruchhagen ihm in den Verhandlungen entgegenkommen müssen. Der Ausgang dieser Frage ist zwar noch offen. Die Zeichen stehen aber auf Abschied.