PSV Eindhoven: Per Bommel-Zug durch die Liga

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Einen Traumstart hat Mark van Bommel bei seiner ersten Station als Cheftrainer hingelegt. Er dominiert mit der PSV Eindhoven die Liga.


HINTERGRUND

Denzel Dumfries hatte es kommen gesehen. Der Rechtsverteidiger der PSV Eindhoven beobachtete in der 86. Minute den Zweikampf des Groningen-Spielers im Mittelfeld genau und sah, dass bei der Ballverarbeitung etwas schief gehen könnte. Also beschleunigte er schon einmal leicht – und bekam die Kugel durch eine schlechte Annahme direkt in den Lauf serviert. Zehn Meter hinter der Mittellinie sprintete er also mit Riesenschritten los und war einfach nicht mehr aufzuhalten. Seinen beeindruckenden Vorstoß krönte er dann auch noch mit einem Tunnel für Groningen-Keeper Sergio Padt – und der 2:1-Siegtreffer für die PSV war perfekt.

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Genau wie Dumfries im Auswärtsspiel ist auch die PSV in der Eredivisie momentan nicht aufzuhalten. Das Tor des Abwehrspielers sorgte dafür, dass die beeindruckende Serie der Eindhovener weiterhin Bestand hat: Das 2:1 war der zehnte Sieg im zehnten Ligaspiel. "Statistisch gesehen haben wir vorher nicht oft in Groningen gewonnen. Diese Zahlen können jetzt auch in die Mülltonne", sagte PSV-Trainer Mark van Bommel dem Eindhovens Dagblad.

Die PSV Eindhoven rattert durch die Liga

Die Zahlen, die das Team ansonsten vorweisen kann, sind aber überaus sehenswert: Neben dem spektakulär erfolgreichen Start in die neue Spielzeit ist es vor allem das Torverhältnis, das auffällt: 38:4 Treffer verzeichnet der Titelverteidiger aktuell. Auch die Konkurrenz ist beeindruckt: "Die zweite Hälfte war schlecht von uns. Wir müssen auch am Torverhältnis arbeiten", sagte Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam – und das nach einem 3:0-Sieg im "Klassieker" gegen Feyenoord Rotterdam. Mit seinem Team hat er schon fünf Punkte Rückstand auf die PSV. Das Torverhältnis könnte, wie schon mehrmals in der jüngeren Geschichte der Eredivisie, in der Endabrechnung durchaus wichtig werden und da hängt Ajax momentan hinterher.

Das 2:1 in Groningen war für die Werkself das dritte Auswärtsspiel, das in dieser Saison mit diesem Ergebnis gewonnen wurde. Ansonsten rattert die PSV momentan wie ein Schnellzug durch die Liga. 7:0 in Den Haag, 3:0 gegen Ajax, 6:0 gegen Emmen – für das Team des Neu-Trainers Mark van Bommel läuft es einfach. Der Ex-Spieler von Bayern München und des FC Barcelona trat im Sommer die Nachfolge von Phillip Cocu an, der zu Fenerbahce ging. Während die Ära Cocu in Istanbul mittlerweile schon wieder Geschichte ist, schreibt van Bommel bei seiner ersten Station als alleinverantwortlicher Coach Geschichte, eine echte Erfolgsgeschichte.

GFX INFO VAN BOMMEL

Und was ist sein Erfolgsgeheimnis? Die Nicht-Rotation. Während van Bommel während seiner aktiven Zeit bei den Bayern das kennenlernte, was inzwischen als "Belastungssteuerung" bezeichnet wird, macht er mit Blick auf die Liga-Spiele nun als Trainer das genaue Gegenteil: Fünf Plätze in der Startelf wurden insgesamt an den zehn Spieltagen mit Blick auf die vorige Partie neu vergeben, ansonsten vertraut der 41-Jährige einfach seiner Erfolgsmannschaft. "Die Spieler sind richtig fit. Wenn jemand eine Pause braucht, dann kann er in den Kraftraum gehen oder darf mal einen Tag zu Hause bleiben", erklärte van Bommel dem Eindhovens Dagblad. Was zählt, sind die Spiele – und sein Ansatz gibt dem PSV-Coach bislang recht. Wie es aussehen kann, wenn van Bommel einmal von seinem Konzept abweicht, bekam er schmerzlich im Pokal in dieser Woche zu spüren: Gegen RKC Waalwijk entschied sich der Coach entgegen seiner Gewohnheit dazu, elf neue Leute in die Startelf zu beordern. Das B-Team der Eindhovener schied schließlich durch ein 2:3 gegen den unterklassigen Gegner aus.

Van Bommel installiert neue Viererkette

Die vier Gegentreffer, die in der Zwischenbilanz auftauchen, sind ein durchaus überraschend guter Wert. In der vergangenen Saison hatte Eindhoven in den 34 Saisonspielen noch 39 Tore kassiert und damit den Titel geholt. Wenn das Team den aktuellen Schnitt hält, landet es am Ende bei nur 14 Gegentreffern. Und das, obwohl drei neue Leute in die Viererkette eingebaut wurden und sich erst einmal im Zusammenspiel finden mussten. Mit Linksverteidiger Angelino (U23 Manchester City), Innenverteidiger Nick Viergever (Ajax Amsterdam) und Rechtsverteidiger Denzel Dumfries, der vom SC Heerenveen kam, musste van Bommel eine neue Abwehrreihe formen, nur der Ex-Stuttgarter Daniel Schwaab blieb ihm als feste Größe.

LUUK DE JONG PSV EINDHOVEN

In der Offensive ist es die Ausgeglichenheit, die die PSV entscheidend weiterbringt. Die 38 Tore verteilen sich gut: Achtmal war der kopfballstarke Luuk de Jong erfolgreich, achtmal auch der mexikanische WM-Star Hirving Lozano, der tempo- und trickreich ist. Sieben Treffer gehen bislang auf das Konto des abgezockten Gaston Pereiro aus dem offensiven Mittelfeld. Den einen Wunderstürmer, wie ihn die PSV mit Romario oder Ronaldo schon in ihrer Vereinsgeschichte hatte, gibt es im Kader nicht – die Eindhovener können ihre Gegner mit vielen Waffen schlagen.

Und das tun sie bislang überzeugend. Am Wochenende steht das Heimspiel gegen Vitesse Arnheim an, dann könnte schon der elfte Sieg in Serie zum Saisonstart folgen. Der Eredivisie-Rekord wäre das aber noch lange nicht: In der Saison 1987/88 schaffte es die PSV mit Spielern wie Ronald Koeman und Sören Lerby, unter Trainer Guus Hiddink die komplette 17 Partien umfassende Hinrunde ohne Punktverlust zu überstehen. Am Ende stand für das Team natürlich die Meisterschaft, was nach dem Traumstart auch für die Truppe von Mark van Bommel wahrscheinlich ist. Denn solange der Trainer nicht rotiert, die Defensive eingespielt und die Offensive unberechenbar ist, dürfte die PSV die Eredivisie noch eine Weile beherrschen.

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