NACHBERICHT PSG vs. REAL
Adrien Rabiot wusste es eigentlich schon nach dem Hinspiel. "Wir sagen immer die gleichen Dinge, wir machen immer die gleichen Dinge und am Ende des Tages hauen uns immer die gleichen Dinge um", hatte der Mittelfeldspieler von Paris Saint-Germain im Anschluss an das 1:3 bei Real Madrid vor drei Wochen zu beIN Sports gesagt. 20 Tage später war klar, was nach dem Hinspielergebnis mit Ansage kam: Der Traum vom Champions-League-Titel ist für PSG mal wieder früh geplatzt, im Achtelfinal-Rückspiel setzte es eine 1:2-Niederlage.
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Was für viele Experten, vor allem nach dem Ausfall von Superstar Neymar, wohl auch mit Ansage kam: Das Gefühl, dass Paris den Achtelfinal-Kracher gegen die Königlichen vor heimischer Kulisse noch einmal umbiegen könnte, hatte man am Dienstagabend zu keinem Zeitpunkt. Zu kontrolliert, zu sicher trat der Titelverteidiger aus Madrid auf, zu eindimensional waren die Angriffsbemühungen der Neymar-losen Franzosen.
PSG hatte zwar mehr Ballbesitz, schoss in den ersten 45 Minuten aber nur läppische zweimal auf Reals Gehäuse. Die erste Chance aus dem Spiel heraus hatte Angel Di Maria erst in der 41. Minute - und die trügerische Kontrolle im Mittelfeld, die die ballsicheren Marco Verratti, Adrien Rabiot und Thiago Motta kreierten, blieb brotlos. Speerspitze Edinson Cavani konnte einem leid tun, hing völlig in der Luft, hatte in Durchgang eins gerade einmal sieben Ballaktionen.
Ein wenig mehr Sinn für den vertikalen Pass in die Spitze hätte man sich von den Gastgebern erhofft. Vielleicht auch ein wenig mehr Mut von Trainer Unai Emery, der Motta anstelle der offensiveren Javier Pastore oder Julian Draxler von Beginn an brachte. "Wir hatten uns viel vorgenommen. Für den Ballbesitz können wir uns nichts kaufen. Wir hätten Madrid unter Druck setzen müssen", sagte Draxler, der in der 76. Minute für Di Maria eingewechselt wurde. "Das haben wir nicht getan und sind deshalb verdient ausgeschieden", fügte er hinzu.
Real kauft PSG in den Zweikämpfen den Schneid ab
Der vielleicht entscheidende Unterschied kam in den direkten Zweikämpfen zum Tragen. Nicht PSG, sondern Real war hier Herr im Hause, in den direkten Duellen einfach besser. 57,4 Prozent der Zweikämpfe gingen an die Madrilenen. Klar, mit Neymar fehlte dem französischen Vizemeister der gefährlichste Spieler. Doch auch bei den Gästen vermisste man mit Luka Modric und Toni Kroos, die nach Verletzungen in der Anfangsformation fehlten, zwei im Vergleich vielleicht noch wichtigere Bausteine.
Echte Chancen hatte in der ersten Halbzeit aber nur Real - und PSG konnte sich bei Keeper Alphonse Areola bedanken, der gegen Sergio Ramos (18.) und Karim Benzema (38.) stark parierte, dass das Giganten-Duell nicht schon viel früher entschieden war.
Letztlich erlebt Paris nun wieder ein Jahr, in dem der ersehnte Coup ausbleibt. Der letzte Tick, so ist es schon seit Jahren, er fehlt. Der letzte Tick, um im Konzert der ganz, ganz Großen erfolgreich zu sein. "Es ist schön und gut, wenn du achtmal gegen Dijon triffst, aber es sind Spiele wie diese, in denen du voll da sein musst und an denen du gemessen wirst", hatte es Rabiot nach dem Hinspiel formuliert. In Madrid war PSG lange auf einem sehr guten Weg gewesen, vor allem nach dem Führungstreffer durch Rabiot sah es so aus, als könne man sich endlich gegen ein absolutes Schwergewicht durchsetzen. Doch dann kam die Schlussphase, kamen die beiden Gegentreffer zum 1:2 und 1:3 in den letzten zehn Minuten.
GettyDie Ausgangsposition hätte also deutlich besser sein können, alles lief in den beiden Duellen mit Real keineswegs schlecht. Ja, im Hinspiel hatte Paris phasenweise sogar Vorteile, hatte Spielkontrolle, spielte deutlich besser als im Rückspiel. Stupides Draufhauen a la "Millionenschwere Versager" wäre daher nicht nur wegen Neymars Ausfall unangebracht.
Wenngleich gegen Real im Rückspiel dann letztlich doch ein deutlicher Unterschied zu erkennen war. Und PSG definitiv schon einmal näher dran war. Vergangenes Jahr zum Beispiel, als nur Sekunden fehlten, um Barcelona nach einem rauschenden 4:0-Erfolg im ersten Duell auszuschalten. Oder 2013, als Barca im Viertelfinale nur Pedros Ausgleich 20 Minuten vor dem Ende vor dem Aus gegen die Pariser rettete. Und 2014 im Viertelfinale gegen Chelsea war es ebenso eng wie 2016 in der Runde der letzten Acht gegen Manchester City.
Es sind immer die Top-Kaliber, an denen PSG scheitert. Aber der Anspruch der katarischen Besitzer, die seit 2011 Unmengen an Geld in den Klub aus Frankreichs Hauptstadt stecken, ist eben der, diese ganz Großen auch mal bezwingen zu können.
Dass es ein individueller Fehler war, der im Prinzenpark zum Anfang vom Ende avancierte, wirkte irgendwie stimmig. Ohne Not spielte Dani Alves den Ball in die Füße von Marco Asensio, Real spielte den Konter in aller Seelenruhe aus. Und Cristiano Ronaldo, der davor kaum nennenswert in Erscheinung getreten war, köpfte die Kugel über die Linie und direkt in die Pariser Seele.
Vielleicht fehlt PSG einer wie Ronaldo
Vielleicht ist es ein Spieler wie der Portugiese, der PSG fehlt, der diesen letzten Tick möglicherweise mitbringen würde, den es braucht, um auch international nach den Sternen zu greifen. Immerhin: Auch nach dem Platzverweis für Marco Verratti (66.) ergaben sich die Hausherren nicht ihrem Schicksal, schöpften durch Cavanis Ausgleich (71.) kurz sogar noch einmal ein Fünkchen Hoffnung. Doch Casemiro machte den Träumen der Franzosen mit seinem abgefälschten Schuss zum Endstand dann endgültig den Garaus.
Es passte ins Bild, dass diese Rolle dem Brasilianer zuteil wurde. Denn Casemiro verkörperte die Reife, die Selbstsicherheit, ja das Selbstverständnis eines Titelverteidigers, an dem es Paris im entscheidenden Moment so häufig mangelt. Er überragte mit seiner Präsenz, gewann 73,3 Prozent seiner 15 Zweikämpfe, brachte 98,2 Prozent seiner 57 Pässe an den Mitspieler.
"Es ist schwer, uns zu schlagen, wenn wir so spielen", sagte Mateo Kovacic nach Abpfiff. PSG-Besitzer Nasser Al Khelaifi wird das wahrscheinlich auch so sehen. Dennoch nervt ihn das erneute Aus gehörig: "Wir haben nichts von dem getan, was wir heute Abend hätten tun sollen", sagte Al Khelaifi bei beIN Sports. Mal wieder, wie so oft in den letzten Jahren, wenn es in der Königklasse um die Wurst ging. Adrien Rabiot kann ein Lied davon singen.




