HINTERGRUND
Was sie bei Real Madrid irgendwie nicht so gut können, sind ordentliche Abschiede verdienter Spieler. Bestes Beispiel dafür ist immer noch der Abgang des langjährigen Kapitäns Iker Casillas zum FC Porto vor zwei Jahren: Der beste Keeper, den die Blancos je hatten, noch dazu ein Eigengewächs, das nie für einen anderen Verein aufgelaufen war, bekam gar keine echte Zeremonie. Alleine verabschiedete er sich schließlich unter Tränen von seinem Herzensklub, kein einziger Offizieller des Klubs erschien dazu und seine Mutter Mari Carmen Casillas schimpfte anschließend: "Er war mental fertig, weil er bei Real sehr schlecht behandelt wurde."
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Ob Pepe im Moment auch mental fertig ist, das weiß man nicht. Schlecht behandelt fühlt er sich von seinem langjährigen Klub allerdings auch. Zehn Jahre lang schnürte der bullige Innenverteidiger die Stiefel für Spaniens Rekordmeister, trug zwischendurch gar die Kapitänsbinde, in diesem Sommer endet das Kapitel Madrid für ihn. Sein Vertrag läuft aus und mit Real konnte er sich nicht auf eine Verlängerung einigen.
Pepe tritt gegen Zinedine Zidane nach
Bei Cadena Cope sagte Pepe vor einigen Wochen: "Real Madrid hat mir keine zwei Jahre angeboten. Man bot mir nur ein Jahr an." Er wollte allerdings unbedingt für zwei weitere Spielzeiten unterschreiben. Reals Offerte am Ende lautete wohl eine Saison plus die (leistungsbezogene) Option auf eine zweite. Pepe lehnte ab.
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Sauer war er aber nur zum Teil wegen der gescheiterten Verhandlungen. Ihn ärgerte vielmehr, dass er in der sehr erfolgreichen abgelaufenen Saison seinen Stammplatz verloren hatte. Er trat also gegen Trainer Zinedine Zidane nach, was nicht wirklich gut ankam und ihn vermutlich auch eine bessere Verabschiedung kostete.
"Was Zidane mit Real Madrid gemacht hat, ist spektakulär. Aber manche Dinge verstehe ich nicht. Warum ich aus der Mannschaft verschwunden bin? Genau das ist es. So einfach", klagte der Routinier. Dass er aber häufig verletzt gefehlt und seine Vertreter Nacho und Raphael Varane ihre Aufgabe glänzend lösten hatten, verschwieg er.
Dani Carvajal, der jahrelang an der Seite Pepes verteidigte sprang ihm zur Seite. Der Ex-Leverkusener, der nicht unbedingt für kontroverse Aussagen bekannt ist, meinte gegenüber Movistar+: "Es ist eine Schande. Sein Abschied war am Ende ein wenig trist. Er war zehn Jahre hier und hat alles für den Klub gegeben."
Transfer nach China ist wohl keine Option mehr
Der Blick zurück ist also trotz der enormen Erfolge in der vergangenen Dekade etwas getrübt und auch der Blick nach vorn birgt aktuell viel Ungewissheit. Denn es ist noch immer nicht klar, wie es bei dem 34-Jährigen weitergeht. Aktuell weilt er mit der Seleccao beim Confederations Cup und trifft dort am Mittwochabend (20 Uhr im LIVETICKER) im Halbfinale auf Chile. Auf einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche betonte er, sich allein auf das Turnier zu fokussieren und die Entscheidung über seine Zukunft erst anschließend fällen zu wollen.

Dabei schien noch vor Wochen alles klar zu sein. Paris Saint-Germain, so suggerierten es übereinstimmende Medienberichte, war in der Pole Position, sich die Dienste des Rauhbeins zu sichern. Nachdem lange Zeit über einen lukrativen Wechsel in die Chinese Super League spekuliert worden war, ergab ein Transfer zu PSG auch sportlich deutlich mehr Sinn. Denn gegen das Abenteuer China sprach vor allem, dass Pepe sich im Jahr vor der WM 2018 um einen Platz in der portugiesischen Nationalmannschaft sorgte.
Doch um Pepe und Paris ist es ruhig geworden. Die Verhandlungen stocken, ein Vollzug ist nicht in Sicht. Stattdessen mischen andere Interessenten mit. Inter Mailand zum Beispiel, das in der Defensive unbedingt nachrüsten will und wo Pepe neben Roma-Star Antonio Rüdiger ein Kandidat ist.
Deutschlands Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann brachte den Europameister beim FC Liverpool ins Gespräch und schwärmte bei Twitter: "Ich würde versuchen, Pepe zum FC Liverpool zu holen. Schaut Euch an, was er alles gewonnen hat! Wenn er nicht gut wäre, hätte er nicht so lange für Real Madrid gespielt. Er ist ein Siegertyp." Pepe bestätigte seinerseits vor dem Saisonenede Interesse englischer Vereine, ohne dabei allerdings Namen zu nennen.
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In der vergangenen Woche stieg dann ein Klub ins Rennen um den gebürtigen Brasilianer ein, mit dem so nicht zu rechnen war: Besiktas will Pepe nach Istanbul locken. Was beIN Sports berichtete, bestätigte Chefverhandler Ahmet Bulut wenig später - Besiktas hat Interesse. "Viele Klubs wollen Pepe. Aber Besiktas ist eine wahrscheinliche Option", so Bulut.
Besiktas geht über die finanzielle Schmerzgrenze
Beim türkischen Meister herrscht also Optimismus. Aber ist der eigentlich angebracht? Denn finanziell kann Besiktas eigentlich nicht mit der namhaften Konkurrenz mithalten. Top-Verdiener des Klubs ist Stürmer Vincent Aboubakar, der 3,3 Millionen Euro pro Jahr einstreicht. Mittelfeldstar Talisca pokert im Moment um einen neuen Vertrag und soll künftig 2,5 Millionen Euro verdienen. Um Pepe an Land zu ziehen, müsste Besiktas über die eigene Schmerzgrenze hinausgehen.
Pepe verlangt fünf Millionen Euro per annum, zudem will er sich seine Unterschrift noch mit einem üppigen Handgeld vergolden lassen. Besiktas streckt sich und bietet ihm ein Jahressalär von vier Millionen Euro – allerdings ohne große Bonuszahlung. Der Ball liegt aktuell bei Pepe, eine Antwort von Berater Jorge Mendes wird bei den Türken nun erwartet. Übrigens: Der Plan des Vereins soll laut Informationen der Fanatik Ex-Bayern-Verteidiger Holger Badstuber sein.
Der Pepe-Poker, er läuft auf Hochtouren. Und in der kommenden Woche, nach dem Ende des Confed Cups sind belastbare Neuigkeiten zu erwarten. Am Ende will Pepe einen letzten großen Zwei-Jahres-Vertrag und anschließend eine bessere Verabschiedung, als er sie von Real Madrid bekommen hat.
