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"Ich kam als König und gehe als Legende." Mit diesem für ihn so charakteristischen Satz verabschiedete sich Zlatan Ibrahimovic vergangenen Sommer von Paris Saint-Germain. Er hatte Recht damit, ist er doch auf ewig in den Geschichtsbüchern des Klubs aus der französischen Hauptstadt verankert, hat mit ihm 13 Titel gewonnen. Doch eine Mission, die wichtigste, konnte selbst Zlatan höchstselbst in seinen vier Jahren unter dem Eiffelturm nicht erfüllen: PSG den ersehnten Triumph in der Champions League zu bescheren.
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Seit Donnerstagabend haben die Pariser nun offiziell einen neuen Mega-Star. Einen, der alles überstrahlt, der den Traum vom Henkelpott dann doch endlich wahrmachen soll. 222 Millionen Euro zahlt PSG für Neymar an Barcelona, insgesamt kostet der Deal die Klubbosse um Nasser Al-Khelaifi wohl rund 600 Millionen Euro. Eine absurde Summe – die sich für diese eine Mission aber lohnen könnte: Denn Neymar ist der bessere Ibrahimovic.
Der Schwede war 2012, als er von Milan nach Paris kam, schon fast 31, befand sich im Herbst seiner Karriere. Neymar ist erst 25, hat die besten Jahre eines Fußballers unmittelbar vor sich. Er verinnerlicht die unbändige Motivation, es allen zu zeigen, die in ihm bisher nur den Adjutanten seines Kumpels Leo Messi sahen. Neymar will selbst die Nummer 1 sein. Der Spieler, auf den man in kniffligen Situationen vertraut, von dem man verlangt, den Unterschied auszumachen.
Im März, im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals, ausgerechnet gegen PSG, hat Neymar bewiesen, dass er endgültig bereit dafür ist. Er war in der unfassbaren Schlussphase, die Barca doch noch das 6:1-Wunder ermöglichte, der überragende Mann. Seine Vorarbeit für Sergi Roberto zum Endstand? Schlicht von einem anderen Stern.
Der absurde Neymar-Deal: Übermaß frisst Reiz!
Es waren Minuten, die belegten, worin Neymars großer Pluspunkt gegenüber Ibrahimovic liegt, wenn es darum geht, PSG auch international an die Spitze zu führen. Ibra war und ist ein Weltklasse-Torjäger, keine Frage. Aber er war auch in Paris mitunter davon abhängig, wie ihn seine Teamkollegen unterstützten.
Neymar ist ein ganz anderer Spielertyp, kreiert selbst statt auf Futter warten zu müssen. Nach Messi ist er derzeit vielleicht der zweitbeste Spieler der Welt, wenn es darum geht, im Angriffsdrittel auf höchstem Niveau und engstem Raum Gefahr heraufzubeschwören. Und genau darauf kommt es an in den K.o.-Duellen der Champions League, wenn Wohl oder Wehe auf des Messers Schneide stehen.
Neymar soll PSG-Traum erfüllen
"Heute, mit der Ankunft von Neymar, habe ich die Überzeugung, dass wir uns mit der Hilfe des Jungen und unseren Fans der Realisierung unserer größten Träume nähern“, betonte Al-Khelaifi. Das Ziel sei ganz klar definiert: "Wir wollen auf das höchste nationale wie europäische Niveau.“

Die Basis dafür hat man in Paris inzwischen bereitet. Auf fast jeder Position ist der Kader doppelt gut besetzt, in der Offensive hat Neymar in Angel Di Maria, Julian Draxler oder Edinson Cavani erstklassige Mitspieler, die ihn auch mal entlasten können.
Dass die Hauptlast der Verantwortung, das große Ziel auch zu erreichen, das seit 2011 laufende Projekt der Besitzer aus Katar zum vorläufigen Höhepunkt zu führen, nun auf Neymars Schultern liegt, ist allerdings jedem klar. Und dass er mit derlei immensem Druck umzugehen weiß, hat der 25-Jährige längst bewiesen. Man erinnere sich nur daran, wie locker und sportlich gut er bei der Heim-WM 2014 bis zu seiner schweren Verletzung auftrat, obwohl ganz Brasilien von ihm erwartete, am besten jedes Spiel im Alleingang zu entscheiden.
Neymar in Barcelona: Vom neuen Messi zum neuen Figo
Zudem hat er vier Jahre bei Barca hinter sich, einem Klub, bei dem Topleistung Normalität sein muss. Und Neymar hat – etwas, das Ibrahimovic in seiner ganzen Laufbahn bisher nie gelang – die Champions League bereits gewonnen, erzielte im Finale 2015 gegen Juventus den 3:1-Endstand.
Nicht nur deshalb kommt Neymar, der schon bei seiner Ankunft von den PSG-Fans tosend gefeiert wurde, ebenfalls als König. Wie Zlatan will auch er irgendwann als Legende gehen. Jedoch nicht selbsternannt, sondern auf Händen getragen. Die besseren Voraussetzungen als sein Vorgänger hat er.


