Der Junge, der Messi und Ronaldo verzweifeln ließ: Das ist Stuttgarts neuer Rekordtransfer Pablo Maffeo

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Pablo Maffeo ging früh zu ManCity, setzte sich dort zwar nie durch, machte sich nun aber in Girona einen Namen. Goal stellt Stuttgarts Neuzugang vor.

VFB-NEUZUGANG PABLO MAFFEO IM PORTRÄT

Eigentlich wollte Lionel Messi diesen Typen an einem milden Abend Ende September vergangenen Jahres am liebsten gar nicht mehr sehen und schnell vergessen. Hartnäckig hatte er ihm, dem Superstar des FC Barcelona, an den Hacken geklebt, ihm - was viele versuchen, aber kaum jemandem gelingt - so richtig das Leben schwer gemacht. Majestätsbeleidigung gewissermaßen.

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Doch Messi war offenbar so beeindruckt von der Leistung seines 20-jährigen Gegenspielers, dass er ihm nach Spielschluss noch ein paar nette Worte mit auf den Weg gab. "Er fragte mich ein paar Dinge, ob ich von City ausgeliehen sei und wie alt ich bin. Es war entspannt", verriet Pablo Maffeo über den Smalltalk mit dem Argentinier.

Der junge Spanier hatte Messi zuvor in Manndeckung genommen, ihn auf Schritt und Tritt verfolgt, ihn nicht ins Spiel kommen lassen. Zwar verlor Maffeo mit dem überraschend starken Aufsteiger Girona gegen Barca letztlich 0:3, doch Messis Einfluss, der weder traf noch ein Tor vorbereitete, war deutlich geringer als gewöhnlich. Dank Maffeo.

Michael Reschke, Sportvorstand des VfB Stuttgart, dürfte sich unter anderem jenes Spiel zwischen Girona und Barcelona angeschaut haben, ehe er und die anderen Verantwortlichen der Schwaben zu dem Entschluss kamen, den Rechtsverteidiger von Manchester City, das Maffeo für zwei der vergangenen zweieinhalb Jahre an Girona verliehen hatte, in die Bundesliga zu holen und mit einem Vertrag bis 2023 auszustatten. Neun Millionen Euro überweist der VfB laut Sport Bild an den englischen Meister, damit wäre Maffeo der neue Rekordtransfer der Stuttgarter.

"Sehr viele Anfragen aus England und Spanien", habe es für Maffeo gegeben, sagte Reschke. "Dennoch hat er sich für den VfB entschieden. Pablo ist ein Spieler mit einem großen Herzen und einer enormen Wucht, der als Außenverteidiger eine große Zukunft vor sich hat."

Stuttgart-Neuzugang Maffeo: In Barcelona geboren, früh zu Espanyol

Geboren wurde der 1,73 Meter große, extrem schnelle und fußballerisch erstklassig ausgebildete Youngster im Juli 1997 in einem Vorort Barcelonas. Über einen kleinen Klub kam Maffeo schon als Sechsjähriger zu Espanyol Barcelona, entwickelte sich prächtig, debütierte bereits als 15-Jähriger für das B-Team in der 3. spanischen Liga.

Zudem wurde er spanischer U16-Nationalspieler, machte auch internationale Scouts auf sich aufmerksam - unter anderem jene von Manchester City. Die Skyblues lotsten Maffeo im Sommer 2013 dann nach England, überwiesen 100.000 Euro für den damals 15-Jährigen an Espanyol. Für Maffeo, wie viele Spanier sehr heimatverbunden, ein Schritt, der Überwindung kostete: "Es ist schwierig, weil man seine Familie zurücklässt. Aber man wird dafür auch belohnt", sagte er über seinen frühen Wechsel ins Ausland.

Pablo Maffeo: Die Eckdaten

Name: Pablo Maffeo
Alter: 20 Jahre (12. Juli 1997)
Nationalität: Spanien
Position: Rechtsverteidiger
Bisherige Vereine: Espanyol Barcelona, Manchester City, FC Girona, VfB Stuttgart (ab 1. Juli 2018)
Ablöse: 9 Millionen Euro
Marktwert: 7,5 Millionen Euro (Quelle: transfermarkt.de)
Vertrag beim VfB Stuttgart bis: 30. Juni 2023
Sonstiges: Aktueller spanischer U21-Nationalspieler

Was City vor allem beeindruckt haben dürfte, sind Maffeos defensive Qualitäten. Er ist enorm aggressiv, sehr laufstark, wahnsinnig schnell, geschickt im Zweikampf. In bisher 32 LaLiga-Einsätzen in dieser Saison musste er ob seiner Geschwindigkeit erst 30-mal Foul spielen - ein vergleichsweise geringer Wert für einen Außenverteidiger, Reals Dani Carvajal (46 Fouls) oder Barcas Jordi Alba (33) mussten beispielsweise häufiger zu unfairen Mitteln greifen.

 

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Maffeos Zweikampfquote in Spaniens Beletage ist mit 56,4 Prozent ordentlich, 73 Prozent erfolgreiche Tacklings derweil ein überdurchschnittlich guter Wert. Sowohl Carvajal (knapp 68 Prozent) als auch Alba (rund 66 Prozent), zwei der weltbesten Außenverteidiger, schneiden hier schlechter ab als Maffeo.

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Der hat mit seinen Fähigkeiten indes nicht nur Messi, sondern auch Real Madrids Cristiano Ronaldo beim 2:1-Sieg gegen die Königlichen Ende Oktober letzten Jahres zur Verzweiflung gebracht. Auch CR7 ließ er nicht zur Entfaltung kommen, kurz vor Schluss brachte der Portugiese seinerzeit seinen Frust mit einem rüden Einsteigen gegen Maffeo zum Ausdruck, verzichtete zudem auf einen entschuldigenden Handschlag. Indiz dafür, dass Maffeo sein Ziel erreicht, den fünffachen Weltfußballer bis aufs Blut gereizt hatte.

Maffeo bei City: Von Guardiola geschätzt, aber kaum eingesetzt

Bei City nahm man Maffeos starke Auftritte in LaLiga derweil zwar zur Kenntnis, ob der immer größer werdenden Konkurrenz im Kader gibt man den spanischen U21-Nationalspieler nun trotzdem ab. Lediglich drei Pflichtspiele hat er für die erste Mannschaft der Skyblues absolviert, bei denen er knapp fünf Jahre offiziell unter Vertrag stand. Aber: Laut Mundo Deportivo soll sich City mit dem VfB auf eine Rückkaufoption geeinigt haben, könnte Maffeo dann bei entsprechender Entwicklung wieder zurück ins Etihad holen.

Schon als 17-Jähriger hatte sich Maffeo einen Stammplatz in Citys U23 ergattert, wurde Anfang 2016 mit 18 dann jedoch erstmals an den damaligen Zweitligisten Girona verliehen. In der Vorbereitung auf die Saison 2016/17 gab Pep Guardiola Maffeo einige Chancen, betonte, viel von seinem Landsmann zu halten. Mehr als ein Einsatz im unbedeutenden Champions-League-Gruppenspiel gegen Celtic Glasgow im Dezember 2016 sowie in einer CL-Quali-Partie gegen Steaua Bukarest und im Ligapokalspiel gegen Manchester United waren letztlich aber nicht drin.

Die Einsätze in der zweiten Mannschaft hielt Guardiola indes nicht für förderlich genug, ließ Maffeo Anfang 2017 daher erneut leihweise nach Girona ziehen. "Junge Spieler wie er müssen so früh es geht auf diesem Niveau gefordert werden, nur so werden sie zu besseren Spielern", sagte der frühere Bayern-Coach.

Manchester City 06122016Pablo Maffeo (links unten) vor seinem einizigen CL-Einsatz für Manchester City

Dass Reschke aus seiner Zeit bei den Bayern noch gute Kontakte zu Citys Meistertrainer pflegt, soll dem VfB beim Maffeo-Coup übrigens zugute gekommen sein. "Pep Guardiola hat mir viel Positives über die Bundesliga geschildert und die Verantwortlichen des VfB haben sich sehr um mich bemüht", wird Maffeo von den Stuttgartern zitiert.

Was Maffeo noch fehlte, um es in Manchester ins erste Glied zu schaffen? Vor allem vermutlich seine verbesserungswürdigen offensiven Fähigkeiten. Maffeo ist nicht der klassische spanische Außenverteidiger a la Hector Bellerin, Carvajal oder Alba, der auch nach vorne ständig Druck erzeugen kann. Maffeo verteidigt erstklassig, ist in seinem Spiel nach vorne aber häufig nicht durchdacht, nicht effektiv genug, lieferte in der Spielzeit 2017/18 nur eine einzige Torvorlage.

Und dennoch: Mit Maffeo hat sich der VfB einen hochtalentierten, bestens ausgebildeten Außenverteidiger gesichert, der defensiv schon sehr weit ist und offensiv bei richtiger Schulung noch viel Steigerungspotenzial besitzt. Einen, der in Spaniens U21-Nationalelf derzeit gesetzt ist, der in jungen Jahren bereits Auslandserfahrung sammeln konnte, der Anerkennung von Weltfußballern wie Messi oder Ronaldo bekam. Wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise.

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