Solskjaer sei Dank: Manchester United genießt seinen Fußball wieder

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Seit dem 19. Dezember 2018 ist Ole Gunnar Solskjaer Trainer bei Manchester United. Was hat sich seit der Entlassung von Jose Mourinho verändert?


HINTERGRUND

Seit der Ankunft von Ole Gunnar Solskjaer sieht man bei Manchester United viele lachende Gesichter. Ob auf oder neben dem Platz, die Spieler zeigen ihre Freude, sind gut gelaunt und sprühen vor Elan. Ein großer Unterschied zu den Wochen zuvor, als der Regent noch auf den Namen "The Special One" hörte und die negative Stimmung im Verein vorherrschend in der Berichterstattung über die Red Devils war.

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Jose Mourinho eckte mit seiner kühlen, teils überheblich wirkenden Art immer öfter an. In erster Linie natürlich wie gewohnt bei den Medien, doch auch in der Mannschaft soll der Zuspruch für den Trainer mehr und mehr geschwunden sein. Paul Pogba kann ein Lied davon singen.

Hätten die Ergebnisse gestimmt, man hätte im United-Lager wohl darüber hinwegsehen können. Doch das taten sie nicht. Die Mannschaft spielte getreu dem Stil von Mourinho sehr defensiv. Der Grundgedanke lag auf einer tiefstehenden Formation, um dann Konter zu fahren.

Ein Plan, der in dieser Saison nicht aufging. Das Team trat lethargisch auf, dem Spiel fehlte die nötige Dynamik und das mangelnde Selbstvertrauen der Spieler war bis über die Tribünen des Old Trafford hinaus zu spüren. Bis zu seiner Entlassung nach dem 17. Spieltag stand Mourinhos Elf gerade mal auf Platz sechs der Premier-League-Tabelle, mit 19 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter FC Liverpool.

Solskjaer nimmt die Last von den Schultern der Spieler

Der Rückstand auf die Reds ist zwar unter Nachfolger Solskjaer nur um einen Punkt geschrumpft, doch hat sich trotzdem etwas in Manchester getan. Der Norweger tritt sympathisch auf, gibt sich stets bescheiden, ordnet sich dem Klub unter und verbessert ganz nebenbei das mediale Bild des Vereins. Er wirkt smart, eloquent und stets fokussiert auf seine Arbeit.

Jene führt er ganz im Stile seines ehemaligen Trainers Sir Alex Ferguson aus. Die Mannschaft spielt stets mit dem Blick nach vorne, lässt den Ball gut zirkulieren, attackiert früh und spielt ihre technische Offensivstärke aus. Das fußballerische Verständnis unter den Spielern ist zurückgekehrt und sorgte in bislang fünf Spielen unter Solskjaer für 16 Treffer - auch dank eines 5:1-Erfolgs über Cardiff City und eines 4:1-Siegs gegen Bournemouth. Die Angriffsmaschine der Red Devils läuft wieder.

Ole Gunnar Solskjaer Manchester United 2018-19

"Wir spielen viel offensiver, wir kreieren viel mehr Chancen und stehen viel höher. Wir wollen immer voll auf Angriff spielen und der Trainer will das auch. Und genau das machen wir da draußen auf dem Feld", erklärte Pogba die neue Taktik gegenüber Sky Sports.

Es scheint so, als wäre den Spielern in den letzten Wochen eine enorme Last von den Schultern gefallen. Mit seiner herzlichen und fokussierten Herangehensweise hat Solskjaer eine Wohlfühlatmosphäre im Verein geschaffen und das Selbstvertrauen der Spieler zurückgebracht.

Solskjaer kann auf die Unterstützung des ganzen Vereins bauen

"Wir haben zwar auch unter dem alten Trainer Spiele gewonnen, aber das war eine ganz andere Art von Fußball. Vielleicht haben wir jetzt alle begriffen, dass wir Manchester United sind und dass wir an die Spitze der Liga gehören", beschrieb Pogba die neugeborene Sicherheit.

Besonders der Franzose hat unter Solskjaer wieder zu alter Stärke gefunden. In seinen letzten vier Spielen steuerte er vier Tore und drei Vorlagen bei. Der 25-Jährige beschreibt, wie sich die Stimmung innerhalb des Vereins geändert hat: "Man sieht die Reaktion der Spieler. Jeder genießt es wieder hier und das ist genau das, was wir hier brauchen. Wir müssen es einfach genießen, wieder Fußball zu spielen."

Die anderen Spieler teilen Pogbas Meinung. "Wir alle unterstützen ihn [Solskjaer, Anm. d. Red.] und wollen das Beste für ihn, sowie er das Beste für uns will. Wir müssen alle zusammenarbeiten und ein Lächeln im Gesicht behalten, um zu gewinnen", sagte Luke Shaw. Angreifer Jesse Lingard ist ebenfalls voller lobender Worte: "Er ist fantastisch in Einzelgesprächen mit den Spielern. Es ist hervorragende Personalführung. Er wird immer das Gespräch mit dir suchen und dir helfen."

Auch die Fans genießen die Rückkehr Solskjaers und feiern jeden Moment lautstark mit. Sogar Spruchbänder mit der Aufschrift "20LEGEND" zieren das Stadionrund und huldigen der Vereinslegende. Mit der Rückennummer 20 lief der ehemalige Stürmer und Bayern-Schreck von 1999 einst auf.

Der erste große Test für ManUnited gegen Tottenham

Doch trotz allem: Solskjaer hat erst die kleinen Schritte geschafft. Die letzten Gegner der Red Devils waren Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Der erste große Test folgt am Sonntag, wenn man zu Tottenham Hotspur ins Wembley reist (17.30 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER).

Erst dann wird man sehen, ob das Solskjaer-United auch für die großen Mannschaften gewappnet ist und mit der Rolle des Underdogs zurechtkommt. Ein solcher ist man gegen die Spurs nämlich definitiv. Immerhin ist die Mannschaft von Mauricio Pochettino bis auf eine 1:3-Niederlage gegen Wolverhampton seit zehn Spielen ungeschlagen, jüngst konnte der FC Chelsea im Halbfinale des EFL-Cup mit 1:0 bezwungen werden.

Allein die gute Stimmung wird ManUnited dann nicht reichen. Die Mannschaft wird diszipliniert auftreten und um jeden Ball kämpfen müssen, nur dann kann die Offensivreihe Tottenhams in Schach gehalten werden. Reiner Angriffsfußball? Gegen Kane, Son und Co. zu riskant, weil Solskjaer die Qualität in der Innenverteidigung fehlt. Er muss die "Balance of Power" finden. Gelingt ihm das, werden auch nächste Woche wieder viele lachende Gesichter über das Trainingsgelände in Manchester spazieren.

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