"Ohlala!" - Samuel Umtiti entzückt Frankreich und Barcelona

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Bis zum Viertelfinale hatte er kein Länderspiel absolviert, nun wird Samuel Umtiti im EM-Endspiel von Beginn an auflaufen. Nebenbei wechselt er auch noch zu Barca. Tage im Zeitraffer.

Seitdem die Nationalmannschaften ihre Vorbereitung auf die Europameisterschaft starteten sind rund sechs Wochen vergangen. Sechs Wochen, in denen irre viel passiert ist. Helden wurden geboren, es gab große Enttäuschungen und viele, viele Storys wurden geschrieben. Bei allem Trubel muss man festhalten, dass die Geschichte von Frankreichs Samuel Umtiti heraussticht. Hinter dem jungen Abwehrspieler liegt eine Zeit, die unglaublich reich an Highlights war - und die er nun mit dem EM-Titel abschließen kann.

Alles begann im April. Nach einer starken Saison im Dress von Olympique Lyon zählte Umtiti, der sämtliche französische Junioren-Auswahlmannschaften durchlaufen, aber noch kein A-Länderspiel bestritten hatte, erwartungsgemäß zum 30 Mann starken vorläufigen EM-Kader von Didier Deschamps. Überraschend wurde der 22-Jährige dann aber ausgesiebt, der erfahrene Adil Rami durfte bleiben. Eine Entscheidung, die in Frankreich kontrovers diskutiert wurde.

Erst ausgesiebt, dann nachnominiert

Umtiti hatte aber nur wenig Zeit, enttäuscht zu sein. Es verletzte sich wenig später Barcelonas Jeremy Mathieu, Deschamps nominierte ihn nach. Zum Turnierstart war der 1,81 Meter große Abwehrspieler gemeinsam mit Eliaquim Mangala zunächst nur Reservist in der Innenverteidigung. Rami und Laurent Koscielny waren gesetzt. Vor allem Rami aber überzeugte nicht durchgehend. Als der Sevilla-Verteidiger dann gesperrt im Viertelfinale aussetzen musste, schlug Umtitis große Stunde.

Im Duell mit der Überraschungsmannschaft Island erhielt er den Vorzug gegenüber Citys Mangala, feierte sein Nationalmannschaftsdebüt und überzeugte. Frankreich lieferte seine bis dahin beste Leistung bei diesem Turnier ab und Umtiti durfte im Halbfinale gegen Weltmeister Deutschland in der Startelf bleiben. Er erledigte seine Aufgabe erneut mit Bravour.

"Das war nicht leicht für mich", gab er später zu. "Mein zweites Länderspiel und dann auch noch bei einem Halbfinale der EM. Ich habe versucht, die Ruhe zu bewahren und meine Stärken auszuspielen. So, wie ich es auch bei meinem Verein immer gemacht habe."

Umtitis Stärken, das sind seine großartige Technik, die tadellose Spieleröffnung und ein tolles Timing in den Defensivaktionen. Zudem versteht er es sehr gut, Konter zu unterbinden und verfügt schon jetzt über die Erfahrung von mehr als 160 Spielen auf Profiniveau. Kein Wunder, spielt er doch bereits seit vier Jahren für die erste Mannschaft von Lyon.

Es ist dieses Gesamtpaket, das ihm nun nicht nur einen Platz in der französischen Nationalelf im EM-Finale gegen Portugal (Sonntag, 21 Uhr im LIVE-TICKER) eingebracht hat, sondern das ihn auch nach Barcelona führt. Denn als wäre die Endrunde alleine nicht schon Trubel genug, wurde vor zehn Tagen sein Wechsel zum spanischen Meister perfekt gemacht. Umtiti ist dort die ersehnte Verstärkung für die Defensivzentrale. Er kostet 25 Millionen Euro Ablöse und bekommt einen Vertrag bis 2021.

"Ohlala Barcelona!

Goal hat sich mit Gerard Bonneau über diesen Transfer unterhalten. Er kennt Umtiti wie kaum ein anderer, seit 2003 ist er der Scoutingchef der berühmten Nachwuchsschmiede OL's. Er sagt über seinen Ex-Schützling: "Sein Aufstieg ist eigentlich nur logisch. Er hat sich kontinuierlich verbessert, seit er damals in Lyon in die U9 kam. Ich glaube nicht, dass Barcelona mit Samuel ein Risiko eingeht. Man hat ihn lange beobachtet und Barca weiß, was er leisten kann."

Bonneaus erste Reaktion war allerdings noch anders ausgefallen, wie er offen zugab: "Als ich sah, dass Barcelona Interesse hatte, war ich überrascht. Ich sagte zu mir: ‘Ohlala! Barcelona!’ Aber er ist genau das, was dort gesucht wird: ein echter Verteidiger. Für mich ist er besser als Jeremy Mathieu. Barcelona formt sich seine Abwehrspieler nur selten selbst und es ist klug, Samuel zu verpflichten. Er ist 22 und hat schon viele Spiele bei den Profis bestritten. Wie viele Spieler seines Alters verfügen denn bereits über soviel Erfahrung?"

Seine Erfahrung wird auch am Sonntag gegen Portugals Stürmer Nani und Cristiano Ronaldo gefragt sein. Beide zusammen erzielten bereits sechs Turniertore. Didier Deschamps ist trotzdem nicht bange, Umtiti erneut in der Startelf zu lassen. Der Trainer der Equipe Tricolore lobte bereits: "Er hat bisher genau den Eindruck bestätigt, den ich von ihm hatte und den er in jedem Training gefestigt hat. Jeder sieht, dass er ein guter Verteidiger ist. Er hat eine gute Ruhe und trägt seinen Teil bei."

Und auch Bonneau sieht "keine Probleme. Er zeigt der Welt, warum er dort ist. Wer ihn in Lyon beobachtet hat, der konnte sehen, dass die Anführer der Mannschaft Maxime Gonalons und er waren. Andere Spieler hatten vielleicht große Erfahrung. Aber er hat diese gewisse Mentalität."

Schon jetzt hat Umiti eine famose Geschichte für sich selbst geschrieben. Das beste und größte Kapitel soll noch folgen.

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