Nordi Mukiele: In zwölf Monaten vom Zweitligaspieler zum City-Ziel

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Nordi Mukiele spielte bis Anfang Januar noch für einen Zweitligaklub, nun ist er im Fokus der Nationalmannschaft und umworben von ManCity.


HINTERGRUND

Als der HSC Montpellier an einem kühlen Samstagabend gegen OSC Lille antritt, sitzt auf der Tribüne ein Mann, der konzentriert das Geschehen auf dem Rasen verfolgt. Es ist nicht überliefert, ob er sich Notizen macht, sicher ist aber, dass er Angestellter vom englischen Giganten Manchester City ist und dass er auf Geheiß von Pep Guardiola ins Stade de la Mosson gekommen ist. Fast 1200 Kilometer Luftlinie sind es – ein langer Weg für einen Scout in Zeiten von Video-Analysen und Streaming. Weiß man nicht, warum er vor Ort ist, landet man schnell bei Lille-Talent Anwar El-Ghazi. Oder bei Thiago Maia. Oder auch bei Montpellier-Sechser Ellyes Skhiri. Die Augen des stillen Gastes von der Insel aber heften sich auf einen anderen unten auf dem Grün des Stadions: auf den 20-jährigen Nordi Mukiele.

Der Verteidiger hat eine steile Karriere hingelegt in den letzten zwölf Monaten. Erst im Januar 2017 wechselte er vom heutigen französischen Drittligisten Stade Laval in den Süden Frankreichs. Dort avancierte er sofort zum Stammspieler. Und noch mehr: der Rechtsverteidiger ist Teil einer der besten Abwehrreihen Europas. Denn nicht etwa die PSG-Startruppe aus der Hauptstadt oder Monaco stellen die beste Defensive der Liga, sondern Montpellier. In 14 Spielen sind es gerade einmal acht Gegentreffer. Besser sind in den Top-Ligen nur Manchester United, Atletico Madrid und der FC Barcelona.

Kein Wunder also, dass die Citizens Mukiele auf dem Schirm haben. Denn der zweifache französische U-Nationalspieler bringt alles mit, was Guardiola bei seinen Akteuren verlangt: Er ist taktisch hervorragend ausgebildet, technisch gut und zudem sehr lernwillig. Und das von kleinauf.

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Geboren wurde er 1997 in Montreuil als Sohn kongolesischer Flüchtlinge. In der 104.000-Einwohner-Gemeinde Nahe Paris hatten sie zwar auch die klassischen Käfige, in denen so viele heutige Frankreich-Stars groß wurden. Mukiele spielte mit seinen Freunden in den ersten Jahren aber vor allem auf Rucksäcke. Positionen gab es noch weniger als auf den Hartplätzen, wo die Großen kickten. Das prägte ihn, heute gilt er als maximal flexibel.

"Ich habe auf jeder Position in der Jugend gespielt, nur nicht im Sturm", sagt er selbst. "Ein Torjäger war ich nie." Bis 2013 schnürte er die Schuhe für Paris FC, einen Klub aus der Hauptstadt, der in der 2. Liga spielte. Auch PSG hatte ihn auf dem Zettel, entschied sich aber letztlich gegen einen Transfer des schlaksigen Jungen, der zumeist als Sechser auflief. 2013, da war er 16, folgte der Wechsel zu Laval, wo er eine besser Perspektive für seine Karriere als Profi sah.

Nordi Mukiele Lima Montpellier Nantes Ligue 1 09092017

Seine Vorbilder sind Ramos und Terry

Unermüdlich arbeitete er an sich, auch viel im Kraftraum, um an Muskelmasse zuzulegen. Seine Vorbilder, damals wie heute: John Terry und Sergio Ramos. Beides Spieler, die ihr unbändiger Wille auszeichnet. Denn genau so will er auf dem Platz auch agieren, als Löwe, der niemals aufgibt. Das hat ihn auch die teilweise harte Kindheit gelehrt, dass man es nur zu etwas bringt, wenn man hart arbeitet. Für das nächste Ziel. Und das ist kein geringeres, als Nationalspieler zu werden.

"Manchmal denke ich darüber nach", gab er im Interview mit MadeInFoot.com zu. "Man braucht Ziele, auch schwer zu erreichende. Ich frage mich: 'Warum nicht ich`' Aber natürlich bin ich noch weit davon entfernt." Das dachte er auch von einem seiner letzten Ziele, dem, Stammspieler in der Ligue 1 zu werden. In der Hinrunde der Saison 2016/17 überzeugte er als Rechts- oder Innenverteidiger in der 3.Liga, in die Laval abgestiegen war, gleich die Scouts mehrerer Erstligisten. Er entschied sich für die Offerte von Montpellier.

Frederic Hantz hatte ihn geholt, der allerdings wurde Ende Januar entlassen. Umso höher ist es Mukiele anzurechnen, dass er sich auch bei Nachfolger Jean-Louis Gasset durchsetzte – und auch unter seinem aktuellen Trainer Michel Der Zakarian. Der gilt als harter Hund, als gnadenloser Kritiker. Etwas, das Mukiele gut tut. Vor ein paar Wochen kritisierte der Trainer die Konzentration seines Teams. Obwohl er Mukiele gar nicht meinte, sagte der wenig später: "Selbst wenn die Kritik nicht an mich gerichtete war, habe ich sie so angenommen, als wäre sie es gewesen. Wir alle machen Fehler, das ist nunmal so. Es liegt an mir, die meinen abzustellen. Daran arbeite ich jeden Tag." Reife Worte für einen, der noch nicht einmal geboren war, als sein Abwehrchef Hilton sein Profidebüt gab.  Denn Mukiele will es weit bringen. In die Nationalmannschaft und zu seinem Top-Team.

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Mukiele, engagiert auch neben dem Platz

Wichtig ist ihm indes auch das Leben neben dem Platz. Er engagiert sich ehrenamtlich und zeigte bei den Toren seiner Mannschaft zuletzt zwei überkreuzte Arme, um gegen Sklaverei in Libyen zu protestieren. Er will seine steigende Bekanntheit nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Und die soll weiter steigen. Durch starke Leistungen auf dem Platz.

Dass er gegen die Großen bestehen kann, zeigte er gegen PSG. Montpellier blieb das einzige Team in der aktuellen Saison, das gegen die Stars um Neymar ohne Gegentor blieb . Einmal klaute Mukiele dem brasilianischen Superstar frech den Ball und startete mit entschlossenem Blick den Gegenangriff. Ganz so wie es seine Vorbilder, Ramos und Terry, gemacht hätten. Szenen wie diese sind es, die ihn in den Fokus großer Klubs rücken lassen. In den von Manchester City zum Beispiel.

Wie der Scout Mukieles Auftritt fand, bleibt Thema hinter verschlossenen Toren der Citizens. Fakt ist: Kein Spieler setzte mehr erfolgreiche Tacklings, Mukiele hatte starke zwölf Ballsicherungen und die zweibeste Zweikampfquote aller Verteidiger auf dem Platz. Vom Taktik-Portals Outside oft he Boot wurde er zuletzt ins Top-Team der U22-Spieler gewählt. Neben Premium-Talenten wie Sterling, Keita, Werner oder Kluivert. Er hat den Tweet dazu geteilt. Ohne Kommentar. Denn auch so ist klar, dass das sein Anspruch ist. Und dass er alles dafür tun wird, diesen auch zu erfüllen. 

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