Futsal, Sion, Zwischenschritt: RB Leipzigs Neuzugang Matheus Cunha wandelt auf den Spuren Ronaldinhos

Kommentare()
Der 19-jährige Matheus Cunha ist bei RB Leipzig die neue Sturmhoffnung. Er hat einen spannenden Werdegang hinter sich und einen prominenten Mentor.


HINTERGRUND
Die Glückwünsche kamen von ganz oben. Gewissermaßen direkt aus Brasiliens Fußball-Olymp: Kein Geringerer als Ex-Weltmeister Ronaldinho persönlich gratulierte Matheus Cunha vor wenigen Wochen zum Wechsel in die Bundesliga. Der langjährige Superstar des FC Barcelona wünschte dem Teenager mit dem einen Jahr Erfahrung im Profifußball nach dessen 15-Millionen-Transfer zu RB Leipzig alles Gute. Nicht unbedingt alltäglich. Allerdings ist Matheus Cunha auch kein alltäglicher Profi, sondern eine der spannendsten neuen Personalien in Deutschlands Oberhaus.

Erlebe die Bundesliga-Highlights auf DAZN. Hol' Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Denn Cunha und der zweimalige Weltfußballer Ronaldinho haben gleich mehrere Gemeinsamkeiten. Da wäre zum Beispiel ihre Liebe zum Futsal. Beide schwärmen für diese Variante des Hallenfußballs, bei der das Spielgerät kaum springt und die ideal ist, um sich eine perfekte Technik anzueignen. Cunha, der mit vollen Namen Matheus Santos Carneiro Da Cunha heißt, fiel schon als kleiner Steppke als herausragender Futsalspieler auf. Mit elf Jahren wechselte er aus seiner Heimatstadt Joao Pessoa ins Futsal-Ausbildungszentrum nach Recife.

Der FC Sion bemühte sich am meisten um Matheus Cunha

2014, drei Jahre später, wechselte Cunha erneut. Diesmal ging es allerdings zu einem waschechten Fußballklub: Der Traditionsverein Coritiba FC war über einen Geschäftsmann auf das Juwel aufmerksam geworden und lotste ihn in seine Akademie.

Bei Coritiba entwickelte sich der Angreifer weiter prächtig. Seine Technik war makellos, sein Durchsetzungsvermögen imposant und seine Torquote vorzüglich. Cunha machte sich zunächst national einen Namen, ehe 2017 auch internationale Scouts während eines Jugendturniers in Dallas auf ihn aufmerksam wurden. Am hartnäckigsten warben die Beobachter des Schweizer Erstligisten FC Sion um ihn.

Das machte Eindruck auf den damals 17-Jährigen, wie er später bei Globo Esporte verriet: "Sie sprachen mit mir und alles wurde intensiver. Es war eine große Gelegenheit.“ So kam es, dass Cunha diese "große Gelegenheit" beim Schopf packen wollte und er sich für den ganz frühen Wechsel nach Europa entschied. Ohne jegliche Profierfahrung wechselte er nach Sion.

Sion und ein technisch begabter Brasilianer, da war doch mal was! Genau: In der Saison 1993/94 spielte der blutjunge Ronaldinho in der Jugend des Klubs aus dem Kanton Wallis. Sein Bruder Assis Moreira kickte damals ebenfalls für Sion und der kleine Dinho mischte mit seinem damals schon offensichtlichen Talent die C-Jugend auf. Mehr als 500 Zuschauer kamen gemäß seines ehemaligen Trainers Didier Papilloud zu den Spielen der 13-Jährigen, um "den kleinen Stern" zu bestaunen.

Matheus Cunha zählt zum Dunstkreis der brasilianischen U20-Nationalelf

Ronaldinho blieb nur ein paar Monate in Sion, dann ging es zu Gremio Porto Alegre. Auch Matheus Cunha verließ den Verein nach kurzer Zeit. Aber ebenfalls nicht, ohne dort für großes Aufsehen gesorgt zu haben.

Der Stürmer, eigentlich als Ergänzungskraft für die Saison 2017/18 eingeplant, erkämpfte sich früh in der Saison einen Stammplatz und glänzte in einer Mannschaft, die zwischenzeitlich in akuter Abstiegsgefahr schwebte und drei verschiedene Cheftrainer hatte, als Vorbereiter und Vollstrecker. Seine Unbekümmertheit und seine Dynamik zeichneten den Rechtsfuß aus, er wurde zu Sions Attraktion und bestem Scorer (zehn Tore und acht Assists in 29 Partien). Dass er bisweilen arg übermotiviert agierte, fiel eher wenig ins Gewicht. Die Fans mochten ihn, er war schüchtern, aber wissbegierig und mit dem großen Willen ausgestattet, es in Europa schaffen zu wollen.

Über seinen Aufschwung sagte er: "Es war ein immenses Glück. Ich bin vor kurzem hier angekommen und die Dinge passieren viel schneller als ich mir das vorgestellt habe. Ich konnte mich sehr schnell anpassen und bin sehr glücklich und stolz darauf."

Seine Leistungen sprachen sich herum. Er wurde im Frühjahr erstmals zu einem Lehrgang der brasilianischen U20 eingeladen. "Es war lustig. Ich war zu Hause mit ein paar Freunden und sah auf mein Handy, da es nicht mehr aufhörte zu piepsen. Und ich war geschockt. Ich bekam jede Menge Nachrichten von Leuten, die mich beglückwünschten." Cunha feierte die Nominierung unter anderem via Instagram, Mutter Luziana brach in Tränen aus, als sie davon erfuhr.

RB Leipzig hatte bei Matheus Cunha große Konkurrenz

Und neben dem Verband meldeten sich auch immer mehr Vereine aus dem Ausland bei Cunha. Sions Präsident Christian Constantin, bei dem übrigens der junge Ronaldinho nach eigenen Angaben vor 25 Jahren wohnte, verriet dem Blick Mitte Juni, wie begehrt Cunha war: "Momentan liegen mir sieben Angebote vor. Jetzt sage ich: Es ist noch nichts entschieden."

 

Momento inexplicável @pedrovalefoto

Ein Beitrag geteilt von Matheus Cunha (@mathcunha_) am

Keine zwei Wochen später aber war der Poker entschieden. Cunha heuerte bei RB Leipzig an, die Sachsen hatten den Kampf um Cunha für sich entschieden, namhafte Konkurrenz aus der Premier League ausgestochen und den Angreifer mit 15 Millionen Euro Ablöse zum sechstteuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte gemacht.

RB-Sportchef Ralf Rangnick schwärmte: "Matheus Cunha ist ein hochinteressanter Stürmer, der mit seinem Alter, seiner Schnelligkeit und seinem Offensivdrang sehr gut in unsere Philosophie passt. Matheus hat in den letzten Monaten eine beeindruckende Entwicklung genommen und mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Vor allem im Torabschluss zeigt er große Qualitäten und hat in diesem Bereich ein tolles Repertoire."

GFX Quote Matheus Cunha German

Einen Offensivspieler wie ihn hatten sie in Leipzig gesucht. Einen Stürmer, der auch über die Außenpositionen kommen kann und der im Kader den Platz Oliver Burkes einnehmen kann.

Matheus Cunha träumt von Real Madrid und Barcelona

Der Wechsel zum Europapokalteilnehmer Leipzig und nicht zu einem der absoluten Top-Klubs wirkt bei Cunha wie der richtige (Zwischen-) Schritt. Noch muss er eine Menge lernen und noch verfügt er über kaum Erfahrung. Ein Rohdiamant eben, der geschliffen werden muss, ehe er bei einem absoluten Spitzenverein den Durchbruch schaffen kann. Sein Mentor Ronaldinho machte es einst ähnlich und wechselte von Gremio zu PSG, das damals nicht zur absoluten Creme de la Creme Europas zählte.

Cunha sprach mit Blick auf RB von einem "herausfordernden Schritt" und ergänzte: "Ich bin mir sicher, dass ich mit dem Wechsel nach Leipzig genau den richtigen Schritt getan habe, um mich bestmöglich weiterzuentwickeln."

Gelingt das mit der Weiterentwicklung, weiß Cunha auch schon, wohin es ihn als nächstes einmal ziehen soll. Er träume von Real Madrid oder dem FC Barcelona, verriet er im Mai der Globo Esporte.

Bei RB könnten sie gewiss gut damit leben, sollte Cunha so stark spielen, dass er das Interesse Barcas weckt. Und bei einem Transfer nach Katalonien hätten wir dann auch die nächste Parallele zu Ronaldinho ...

Mehr zu RB Leipzig:

Nächster Artikel:
Joker Politano sticht! Italien besiegt die USA in der Nachspielzeit
Nächster Artikel:
Arkadiusz Milik schießt die DFB-Elf in Lostopf zwei
Nächster Artikel:
BVB-Star Christian Pulisic ist jüngster US-Kapitän aller Zeiten
Nächster Artikel:
Neymar und Kylian Mbappe verletzt: Schwarzer Länderspielabend für PSG
Nächster Artikel:
Nach Kimmichs Krokodil-Move: Das sagt 'Erfinder' Brozovic
Schließen