Luka Modric: Kroatiens Chef-Dirigent auf dem Weg zur WM

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Mit dem 4:1 gegen Griechenland haben die Kroaten ihr Ticket für die WM so gut wie gelöst. Doch der Kapitän warnt vor verfrühter Euphorie.

HINTERGRUND

Die Anspannung vor dem Playoff-Duell zwischen Kroatien und Griechenland war auf beiden Seiten extrem, das Zagreber Makismir-Stadion mit mehr als 30.000 Zuschauern so voll wie lange nicht. Denn für beide Nationen ging es um nichts Geringeres als die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Doch kaum einer hatte im Vorfeld der Duelle damit gerechnet, dass es so deutlich werden würde. Nach Toren von Luka Modric, Nikola Kalinic, Ivan Perisic und Andrej Kramaric lautete das Endergebnis 4:1 - trotz einer griechischen Fünferkette in der Defensive. Der Anschlusstreffer von Sokratis war dabei nur ein schwacher Trost für die Mannschaft von Michael Skibbe.

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Möglich geworden war dieses Ergebnis vor allem dank der Leistung eines Mannes: Luka Modric. Rechtzeitig vor den wichtigsten Qualifikationsspielen des Jahres zeigte sich Real Madrids Mittelfeld-Regisseur im Dress seines Heimatlandes in Top-Form. Modric war das entscheidende Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, mit seiner Ruhe und Übersicht verlieh er dem Spiel der Kroaten die zuletzt häufig vermisste Struktur. Auch vom Punkt zeigte er sich eiskalt, verwandelte einen Elfmeter sicher zur 1:0-Führung. (Ob Kroatien in Griechenland endgültig die Teilnahme an der WM fix machen kann, könnt Ihr im LIVESTREAM mitverfolgen .)

Mehr Offensive unter Dalic

Profitiert hat der Madrilene von einer taktischen Umstellung des neuen Trainers Zlatko Dalic. Der Nachfolger des im Oktober entlassenen Ante Cacic beorderte Modric in eine zentral-offensive Rolle, gewährte ihm mehr Freiheiten und fand mit Ivan Rakitic und Marcelo Brozovic die perfekten Bodyguards für den defensiveren Part. Cacic war während der Qualifikationsphase wegen der sehr knappen Ergebnisse und geringer Anzahl an Chancen heftig in die Kritik geraten. Zwischenzeitlich drohte den Kroaten das Ausscheiden. Nach dem 0:1 gegen die Türkei und dem 1:1 gegen Finnland war nach zwei Jahren Schluss für Cacic.

Croatia Greece WC Qualification 09112017 Luka Modric

Allerdings ist es nicht nur Modrics neue Rolle, die dem stotternden kroatischen Motor wieder neuen Antrieb verlieh, sondern die Gesamtausrichtung unter Dalic. Die Devise des 51-Jährigen: mehr Offensive, aggressives Verteidigen und möglichst viele Chancen erspielen. "Wir sind keine Mannschaft, die verteidigt. Das ist nicht unser Stil. Wir spielen auch in Piräus voll auf Sieg", betonte Dalic. Gut zu erkennen ist seine Philosophie an den Außenverteidigern Sime Vrsaljko und Ivan Strinic, die sich permanent in den Angriff einschalteten und damit auch mehr Freiraum für Modric schafften. Gegen dessen geniale und punktgenaue Pässe mit dem Außenrist fanden die Griechen kein effektives Mittel.

Modric, Kroatiens Denker und Lenker

"Wir dürfen die Chance nicht liegen lassen. 4:1 ist ein wirklich starkes Ergebnis. Es wäre eine Tragödie, wenn wir es nicht schaffen würden", sagte Modric im Anschluss an den Sieg. Gleichzeitig warnte er auch davor, nicht zu früh in Euphorie zu verfallen. In Piräus erwarte sein Team ein Hexenkessel. "Das war erst die halbe Miete. Wir müssen uns gut erholen und erneut ein so großes Spiel wie in Zagreb abliefern", so der 102-fache Nationalspieler. Für Modric wäre das Turnier die dritte Weltmeisterschaft seiner Karriere. 2006 und 2014 schafften es die "Vatreni" (die Feurigen) nicht über die Gruppenphase hinaus. Diesmal soll es endlich wieder mit dem Einzug in die K.o-Runde klappen.

Erstmals in seiner Laufbahn würde er sein Team als Kapitän anführen. In dieser Form dürfen sich die begeisternden Anhänger des Balkan-Landes einiges von ihren Helden erhoffen. Doch schon jetzt schwingt die Frage, wer Modric, immerhin schon 32 Jahre alt, in Zukunft als Chef-Dirigent in der Zentrale ersetzen könnte. Über einen Mangel an Talenten kann sich Kroatien wahrlich nicht beklagen. Dinamo Zagrebs Ante Coric beispielsweise wird zugetraut, irgendwann eine tragende Rolle zu übernehmen. Bis zum Format eines Luka Modric ist es allerdings noch ein ziemlich weiter Weg.

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