Wird Fernando Torres der Lewandowski-Backup?
Eigentlich keine besondere Szene. Im Gegenteil, eine Szene, wie sie die Fans zig-fach gesehen haben. Nur in dieser Saison ist das anders, da hat sie Seltenheitswert. Und Suarez' Tor gegen Atletico vor knapp einem Monat war das letzte Erfolgserlebnis des 30 Jahre alten Uruguayers. Es folgten drei Partien in LaLiga und zwei Spiele in der Champions League, in denen er weder ein Tor noch einen Assist zustandebrachte.
Suarez ist noch mehr Zuarbeiter für Lionel Messi
Fünf Pflichtspiele ohne Torbeteiligung! Für einen Stürmer von der Klasse Suarez' in einer offensivfreudigen Mannschaft wie der des FC Barcelona ist das eine miserable Bilanz. Überhaupt hat er aktuell nur drei Treffer und drei Vorlagen gesammelt und das in 14 Pflichtspielen 2017/18.
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Der Mann, den sie "El Pistolero", den Scharfschützen, nennen, hat also sein Zielwasser verloren. War er in den letzten drei Jahren mit insgesamt 121 Toren noch der am meisten gefürchtete Strafraumstürmer Europas, kommt er aktuell ohne Selbstvertrauen daher. Er rackert wie eh und je auf dem Platz, aber er hadert auch bemerkenswert viel mit sich und seinem Pech in entscheidenden Szenen.

Trainer Ernesto Valverde gibt sich ob der Durststrecke seines Angreifers betont gelassen: "In letzter Zeit wird viel über Suarez geredet. Aber ich bin zufrieden mit ihm, weil er arbeitet und unserem Spiel viele Dinge gibt. Er ist ein Killer und obwohl er nicht trifft, hat er viele Chancen. Das ist ein gutes Zeichen."
Dabei ist der Trainer auch nicht ganz unschuldig an Suarez' Misere. Ohne den nach Paris abgewanderten Neymar und den verletzten Ousmane Dembele läuft Barcelona immer häufiger in einer 4-4-2-Formation auf, in der Suarez und Lionel Messi den Doppelsturm bilden. Dabei sind die Rollen klar verteilt: Suarez ist der Zuarbeiter und Superstar Messi ist derjenige, dem Platz geschaffen werden soll, damit er vollstrecken kann.
Harmloser Auftritt gegen Piräus
Oder wie Valverde es ausdrückte: "Messi muss in die Räume gebracht werden, in denen er total entscheidend sein kann." So ist es kein Zufall, dass Suarez dürftige Ausbeute mit Messis bestem Saisonstart überhaupt (elf Tore hatte er nach sieben Ligapartien noch nie auf dem Konto) einhergeht.
Die vergebenen Torchancen und der Negativlauf haben Suarez’ Selbstvertrauen einen Knacks gegeben. Der emotionale Ex-Liverpooler marschiert nicht mehr mit der gewohnten Urgewalt durch den gegnerischen Strafraum und nimmt es mit mehreren Verteidigern auf. Er zögert stattdessen häufig den Bruchteil einer Sekunde zu lange und hinüber ist die Gelegenheit. Das Resultat ist die mittlerweile längste Durststrecke, die er im Dress der Blaugrana durchmacht.
Exemplarisch war Suarez’ Auftritt in der vergangenen Woche bei der Nullnummer Barcelonas in der Champions League gegen Olympiakos (es war erst das zweite 0:0 der Katalanen in den letzten 48 Partien in der Königsklasse). Von seinen sieben Schussversuchen verfehlten vier das Ziel und drei Schüsse wurden geblockt. Zwei dieser Chancen verwertet Suarez in der Regel mit geschlossenen Augen und bei einer weiteren Möglichkeit spielte er einen Pass zu Messi, anstatt selbst den Abschluss zu suchen.
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Dazu gesellen sich hartnäckige Knieprobleme. Von einer Verletzung zu Saisonbeginn erholte er sich in zwei Wochen und damit deutlich schneller als gedacht. Allerdings sind die Beschwerden noch immer nicht ganz abgeklungen. Nach der letzten Länderspielpause schonte ihn Valverde gegen Eibar und es wird erwartet, dass Suarez am nächsten Spieltag gegen Leganes erneut eine Pause erhält, sollte er zuvor für Uruguay auflaufen. Suarez selbst äußert sich nicht zu seiner Krise, er spricht seit Wochen kaum noch mit den Medien.
Ohne Suarez in besserer Form sind Barcas Ziele in Gefahr
All das ist für Barca im Moment ein Luxusproblem. Denn sportlich läuft es trotz der Formschwäche eines der besten Spieler der Mannschaft. Suarez und Co. stehen in der Tabelle ganz vorn, sind in Pokal und Champions League ebenfalls auf Erfolgskurs.
Klar ist aber: Wenn die Saison weiter Fahrt aufnimmt und die Spiele wichtiger werden, braucht Barcelona einen Luis Suarez, der nicht nur arbeitet und Räume schafft, sondern der auch wieder knipst und Spiele entscheidet.
So, wie er es bei seinem letzten Torerfolg tat. Im Wanda Metropolitano, als er anschließend mit seinem bekannten Jubel abdrehte.


