Uruguays Shootingstar Lucas Torreira: Klein, aber oho

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Nach der WM wird Lucas Torreira voraussichtlich in die Premier League wechseln. In Russland spielt der kleine Uruguayer bereits groß auf.

HINTERGRUND

Diego Godin und Jose Gimenez machten sich auf den Weg nach vorne, das Ziel schien klar. Die beiden Innenverteidiger wollten die 1:0-Führung Uruguays im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Russland ausbauen. Standardsituation, Kopfball, Tor - ein Szenario, das durchaus zu den Stilmitteln der Himmelblauen gezählt werden kann.

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In diesem Fall kam es anders. Der Eckball von der rechten Seite wurde abgewehrt, Portugal setzte in Person von Superstar Cristiano Ronaldo zum Konter an, ehe er von einem kleinen Mann, der ganz nebenbei den Standard in die Mitte gebracht hatte, eingeholt und mit einem Tackling vom Ball getrennt wurde.

Wäre es nicht der große Ronaldo gewesen, hätten die meisten Schiedsrichter vermutlich nicht einmal auf Foul entschieden. Doch er bekam sein Foul, sehr zum Unverständnis von "Übeltäter" Lucas Torreira, der sich wild gestikulierend darüber beschwerte.

Es war nur eine kleine, nicht spielentscheidende Szene dieser Achtelfinal-Partie, welche jedoch sehr gut demonstrierte, warum die Fans der Südamerikaner diese giftigen 1,68-Meter-Mann längst in ihr Herz geschlossen haben.

Cristiano Ronaldo Portugal Lucas Torreira Uruguay World Cup

Seit dem dritten Spiel der Urus gegen Russland ist er Stammspieler und plötzlich aus der Elf von Oscar Tabarez nicht mehr wegzudenken. Wenn die Celeste am Freitag im WM-Viertelfinale gegen Frankreich (16 Uhr im LIVE-TICKER) den großen Coup schaffen will, wird es auch auf Torreira ankommen. Mehrere Top-Klubs haben seinen Namen spätestens seit dieser Saison auf dem Zettel stehen - und das völlig zu recht!

Geboren wurde Lucas Sebastian Torreira Di Pascua in Fray Bentos an der Grenze zu Argentinien. Beim lokalen Klub I.A. 18 de Julio lernte er das Einmaleins des Fußballs. Sein Talent sprach sich herum und 2013 wechselte er In Uruguays Hauptstadt, zu den Montevideo Wanderers.

Dort blieb er aber noch kurz: Als 17-Jähriger packte Torreira seine Sachen und entschied sich, ohne einen einzigen Einsatz in der heimischen Profiliga, für einen Wechsel zu Delfino Pescara nach Italien.

Knapp 16 Monate später feierte er sein Debüt in der Serie B und tat das so überzeugend, dass Erstligist Sampdoria Genua ihn für drei Millionen Euro Ablöse verpflichtete. Torreira blieb jedoch via Leihe noch ein weiteres Jahr in Pescara, wo er sich in der darauffolgenden Spielzeit endgültig zum Stammspieler entwickelte. Für alle Beteiligten war diese Entscheidung eine Win-Win-Situation.

Ehemaliger Bayern-Verteidiger schulte Lucas Torreira zum Sechser um

Ursprünglich kam Torreira als offensiver Mittelfeldspieler oder gar Stürmer nach Italien, heute läuft der kompakt gebaute Rechtsfuß auf der Position vor der Abwehr auf.

"Während der Saisonvorbereitung meinte der Klub, dass ich ihn mir genauer anschauen soll. Sie sagten: 'Wenn das nichts ist, schicken wir ihn zurück nach Uruguay'", berichtete der damalige Delfino-Coach und ehemalige Bayern-Verteidiger Massimo Oddo gegenüber La Repubblica.

"Ich habe bei ihm Fußball-Intelligenz, Persönlichkeit und körperliche Stärke erkannt. Er wollte jedoch immer den Ball haben, also habe ich zu ihm gesagt: 'Warum spielst Du statt in der Offensive nicht mal als defensiver Mittelfeldspieler?' Und das habe ich dann gleich in der ersten Mannschaft getestet", so Oddo weiter.

Von nun an spielte Torreira also auf der Sechs, wo er sich spätestens bei Sampdoria zu einem der besten Akteure auf seiner Position in der Serie A entwickelte. Seine Körpergröße wird ihm von einigen Seiten als Schwäche ausgelegt, da ihm dadurch die geforderte Lufthoheit fehlen würde, doch Torreira überzeugt stattdessen mit anderen Elementen seines Spiels.

Aufgrund seiner Statur, aber auch seiner Spielweise, wird er in Italien längst mit PSG-Star Marco Verratti verglichen. Kurioserweise spielte auch dieser einst in Pescara. Ähnlich wie Verratti versteht es Torreira, das Spiel vor der Abwehr zu lenken. Möglich macht das sein sicheres Pass- und Kombinationsspiel sowie ein gutes Timing im Umschaltverhalten.

Des Weiteren verfügen beide über eine hohe Spielintelligenz, weshalb sie sehr gut einschätzen können, wann die Partie beruhigt oder das Tempo erhöht werden sollte. Zu Torreiras Spezialitäten gehören seine weiten Bälle, mit denen er geschickt das Spiel verlagert oder gezielt den Ball hinter die Abwehrkette spielen kann.

Lucas Torreira wird nach der WM zum FC Arsenal wechseln

Doch es gibt durchaus noch Punkte, an denen der Uruguayer arbeiten muss. In einigen Situation fehlt ihm noch das richtige Gespür, wann er ins Gegenpressing gehen oder sich lieber fallen lassen sollte. Außerdem ist er wie bereits erwähnt keine Macht im Luftkampf.

"Wenn Torreira 1,80 Meter groß wäre, würde er jetzt schon 100 Millionen Euro kosten und als einer der besten Spielmacher der Welt gelten", sagte sein Trainer bei Sampdoria, Marco Giampaolo, einst dem Corriere dello Sport. “Er kann kurze oder lange Pässe spielen, er kann den Ball zurückerobern, Spielzüge starten und er weiß immer, wo der Ball hinkommt. Er wird zu einem großen Verein wechseln, dem seine Körpergröße egal ist", ergänzte er.

Und genau zu diesem Wechsel wird es nach der WM kommen. Auch RB Leipzig und der BVB zeigten zu Jahresbeginn wohl großes Interesse, doch ein Transfer zum FC Arsenal gilt als beschlossene Sache. "Torreira wird für eine Summe von 30 Millionen Euro gehen", bestätigte Präsident Massimo Ferrero den Abgang seines Schützlings bereits gegenüber SportItalia. Dabei zeigte er sich durchaus stolz, das Talent Torreiras bereits frühzeitig erkannt zu haben und nun die finanzielle Ernte dafür einzufahren.

Im Internet kursieren bereits erste Fotos von ihm im Trikot der Gunners. Torreira selbst hält sich verständlicherweise noch bedeckt. "Arsenal ist ein großartiges Team und gehört zu den wichtigsten Klubs der Welt", sagte er während der Endrunde in Russland. "Aber momentan liegt mein Fokus komplett auf der Nationalmannschaft."

Bevor es für ihn voraussichtlich nach London geht, träumt er mit den Himmelblauen nämlich weiterhin vom großen Coup mit der goldenen Generation um Luis Suarez und Edinson Cavani. Auf dem Weg dorthin wartet nun mit Frankreich einer der Top-Favoriten und Torreiras Aufgabe dürfte es in Nischni Nowgorod erneut sein, das gegnerische Star-Ensemble auszubremsen.

So, wie es ihm eben bereits gegen Europameister Portugal mehr als bravourös gelang.

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