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Leroy Sane und seine (Alb-)Traum-Rückkehr nach Schalke: Der Herzensbrecher

12:00 MEZ 21.02.19
Leroy Sane Manchester City Schalke 20022019
Bei seiner Rückkehr nach Schalke avancierte Manchester-City-Star Leroy Sane zum Mann des Abends. Für ihn ein Traum, für S04 ein Albtraum.

HINTERGRUND

Als Leroy Sane sich den Ball in der 85. Minute in zentraler Position zum Freistoß zurechtlegte, herrschte eine beunruhigende Stille in der Gelsenkirchener Veltins-Arena. Nach exakt sieben Schritten Anlauf pustete der deutsche Nationalspieler einmal tief durch, um das Leder im Anschluss traumhaft über die Mauer und in den Winkel des Schalker Tores zu wuchten.

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Fast erschrocken schaute der erst kurz zuvor eingewechselte Flügelspieler von Manchester City der Kugel hinterher und sah, wie sie genau die Flugbahn nahm, die er sich erhofft hatte. Als die vielen Schalker in der Arena schließlich die Hände vor dem Gesicht zusammenschlugen, als der Ball tatsächlich im Tor war, hob Sane entschuldigend den rechten Arm und sah verlegen zu Boden.

"Natürlich freue ich mich über den Erfolg, aber gleichzeitig schmerzt es ein bisschen, das Tor ausgerechnet gegen meine alte Liebe erzielt zu haben", verriet der 23-Jährige nach dem 3:2-Sieg seiner Mannschaft auf Schalke. An dem Ort, wo er das Fußballspielen in der Jugend lernte.

Traum-Rückkehr von Leroy Sane als Albtraum für Schalke 04

Unweit vom Vereinsgelände im benachbarten Wattenscheid aufgewachsen, kickte er insgesamt neun Jahre für den Nachwuchs von Königsblau. Seit Kindertagen träumte er davon, eines Tages als Profi in der Arena aufzulaufen und die Massen in Ekstase zu versetzen. Ein Wunsch, der sich bereits als 18-Jähriger erfüllen sollte, als er 2014 vom damaligen Coach Jens Keller erstmals in der Bundesliga eingesetzt wurde.

Nach nur zwei vielversprechenden Jahren in der Bundesliga wagte er mit 21 Jahren den Schritt zu den Cityzens, mit denen er am Mittwochabend erstmals in seine fußballerische Heimat zurückkehrte. Und wie es das Schicksal so wollte, sollte er an diesem Abend eine sportliche Traum-Rückkehr erleben, die gleichzeitig im Albtraum von Königsblau endete.

Dass es so weit kommen musste, schien zu Spielbeginn noch nahezu ausgeschlossen, schließlich setzte ihn sein Trainer Pep Guardiola durchaus überraschend zunächst auf die Ersatzbank. Dort musste Sane mitansehen, wie S04 den Cityzens viel Kampf entgegengesetzt hatte und dank zweier Elfmetertreffer von Nabil Bentaleb plötzlich mit 2:1 in Führung lag. Erst in der 78. Minute wurde er vom Spanier aufs Feld gelassen und von fast allen 54.417 Zuschauern mit Applaus bedacht. Anders als beispielsweise Julian Draxler ist man Sane noch heute wohlgesonnen und stolz, dass ein Junge aus der Knappenschmiede es inzwischen zu einem der wertvollsten Fußballer der Welt gebracht hat.

Leroy Sane trainiert seit zwei Jahren an seinen Freistößen

Warum der Marktwert des Ex-Schalkers inzwischen auf einen dreistelligen Millionenbetrag taxiert wird, bewies er mit seinem Freistoß im Stile des fünffachen Weltfußballers Cristiano Ronaldo. Einem Schuss, an dem er intensiv arbeitet: "Ich trainiere sie schon ganz schön lange", machte er klar. "Seit knapp zwei Jahren feile ich daran. Gegen Hoffenheim hat es glücklicherweise auch schon einmal funktioniert."

Diesen Trainingseifer kann auch Citys Ersatzkeeper Arijanet Muric bestätigen. Gegenüber Goal und SPOX erklärte er, dass es "extrem schwierig" sei, diese Schüsse von Sane zu parieren. "Er trainiert diese Situationen jeden Tag. Nach den Einheiten nimmt er sich häufig noch den Ball und nimmt sich 50 Freistöße, um seine Technik dort weiter zu verbessern", führte der Nationaltorwart des Kosovo aus.

Dass Sane ebendiese Freistöße inzwischen perfektioniert hat, weiß auch Schalkes Torwart Ralf Fährmann spätestens nach der Partie am Mittwochabend. "Ich erinnere mich, dass er diesen Schuss schon auf Schalke regelmäßig trainiert hat. Daran hat er jetzt scheinbar weiter gearbeitet", stellte er fest, nachdem er den Ball zum zwischenzeitlichen 2:2 aus dem Netz holen musste. "Ich habe ein bisschen auf die Ecke spekuliert, kann allerdings auch nicht blind losfliegen", beschreibt er den unhaltbaren Freistoß, der das Zeug zum Tor des Monats hat.

Leroy Sane gibt zu: "Ich hatte Gänsehaut"

"Entschuldigen muss er sich dafür nicht", führte Fährmann auf Nachfrage von Goal und SPOX aus. Obwohl Sane genau weiß, dass sein Schuss die Schalker Träume platzen ließ. "Es war sehr emotional für mich und ich habe mich riesig gefreut, wieder hier spielen zu dürfen", sagte der City-Torschütze, der aufgrund der Atmosphäre und den Sane-Sprechchören schon während der ersten Halbzeit Gänsehaut hatte, wie er später zugab.

So war es wenig verwunderlich, dass der gebürtige Wattenscheider auch nach der Schalker Niederlage noch einmal von den Zuschauern der Veltins Arena gefeiert wurde und mächtig Applaus kassierte. Da passt es nur ins Bild, dass nicht etwa ein Anhänger von Manchester City, sondern ein Fan in Königsblau das Glück hatte, Sanes Trikot zu bekommen.

Ähnlich treffsicher wie bei seinem Freistoß zum zwischenzeitlichen 2:2 warf er das Trikot einer jungen Dame auf der Tribüne zu, die per Plakat um das Jersey gebeten hatte. Und auch S04-Betreuer und Physiotherapeuten und sein Ex-Teamkollege Rabbi Matondo bekamen Shirts von Sane, die dafür sorgten, dass zumindest einige Schalker den Heimweg mit einem Lächeln antreten konnten.

Denn ganz egal, ob Sane inzwischen skyblue statt königsblau trägt. Sowohl die Schalker Anhänger als auch der 23-Jährige selbst werden sich gegenseitig immer im Herzen tragen. Daran ändert auch der fulminante Freistoßtreffer nichts.