Leroy Rosenior und die kürzeste Amtszeit des englischen Fußballs


HINTERGRUND


Wer das aktuelle Geschehen auf dem internationalen Trainermarkt verfolgt, dem könnte angesichts des Tempos der Entlassungen, Rücktritte und Neueinstellungen leicht schwindelig werden. Doch selbst diese aktuelle Phase ist nichts im Vergleich zu dem, was Leroy Rosenior vor 14 Jahren passiert ist. Denn mit der wohl kürzesten Amtszeit als Cheftrainer überhaupt schrieb Rosenior unfreiwillig Geschichte.

Ort des historischen Geschehens war das beschauliche Torquay, eine Hafenstadt im Südwesten Englands, rund 30 Kilometer südlich von Exeter. In dieser Stadt beheimatet ist unter anderem auch der Fußballklub Torquay United, der bis dato allerdings kaum nachhaltig auf sich aufmerksam machte. Auch die Saison 2006/07 verlief alles andere als erfolgreich, als Tabellenletzter stiegen die Möwen in die Fünftklassigkeit ab.

Rosenior war bereits vier Jahre Torquay-Trainer

Es passierte, was damals wie heute normal war: der Trainer, Keith Curle, wurde entlassen. Als neuer Übungsleiter wurde nach Saisonende am 17. Mai ein alter Bekannter vorgestellt. Leroy Rosenior, der den Klub bereits von 2002 bis 2006 betreute, sollte Torquay wieder nach oben führen. So weit, so unspektakulär.

Doch unmittelbar, nachdem Rosenior seinen Vertrag bei Torquay unterschrieben hatte, verkaufte der damalige Besitzer Mike Bateson den Klub an ein Konsortium. Und dieses Konsortium unter der Leitung von Chris Boyce hatte bei der Besetzung des Trainerpostens ganz andere Pläne.

Leroy Rosenior
Getty Images

Eine Entwicklung, die Rosenior verständlicherweise nicht erwartet hatte - zumindest nicht so schnell. "Er hat nicht damit gerechnet, dass er den Verein so schnell verkauft", sagte der damals 42 Jahre alte Rosenior mit Blick auf Bateson.

Rosenior überrascht: Verkauf ja, aber doch nicht so schnell

Für Rosenior lief daher zunächst alles normal. "Ich habe die Pressekonferenz und die Interviews gemacht und zehn Minuten später hat mir Mike mitgeteilt, dass er den Klub verkauft hat. Mir war schon klar, dass so etwas passieren kann, aber nicht, dass es innerhalb von zehn Minuten passiert", sagte er.

Ihm sei dann relativ zügig mitgeteilt worden, dass das Konsortium seine eigenen Leute dabei habe und für ihn kein Platz sei, ergänzte Rosenior. Die damalige Klubdirektorin Debbie Hancox, gleichzeitig auch Tochter von Ex-Besitzer Bateson, wollte von einem vorzeitigen Abschied Roseniors zunächst nichts wissen. "Nichts an Leroys Position hat sich geändert", sagte sie.

Doch die Realität war eine andere. Der neue Klubdirektor Colin Lee ersetzte Rosenior durch Paul Buckle, für Rosenior war es die kürzeste und bis heute auch letzte Amtszeit als Klubtrainer.