Leonardo Bonucci Massimiliano Allegri JuventusGetty Images

Leonardo Bonucci zum AC Mailand: Das zweite große Ausrufezeichen


HINTERGRUND

Am Donnerstagabend geisterten die ersten Gerüchte durch die italienischen Gazetten. Leonardo Bonucci, siebenmaliger italienischer Meister, 70-facher Nationalspieler, einer der besten Innenverteidiger der Welt, soll sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem AC Mailand befinden. Ein Wechsel stehe unmittelbar bevor. Ungläubig blickten die europäischen Fußball-Beobachter auf den Stiefel.

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Erst als der 30-Jährige am Freitag von hunderten, frenetisch jubelnden Fans bei seiner Ankunft am Vereinsgelände der Rossoneri in Empfang genommen wurde, war klar: Der Transfer steht tatsächlich vor dem Abschluss. Die ebenfalls interessierten englischen Schwergewichte Chelsea und Manchester City blicken in die Röhre, auch sonst hinterlässt der Transfer viele verdutzte Gesichter.

Bonucci Casa Milan

Warum wechselt einer der begabtesten Abwehrmänner, die es rund um den Globus zu finden gibt, vom italienischen Serienmeister zum dauerkriselnden Rivalen? Zu einem Klub, der in der vergangenen Dekade jeglichen Erwartungen hinterherhinkte, seit Jahren keinen nennenswerten Titel mehr gewonnen hat und sich mitten im Umbruch befindet. Bei genauerer Betrachtung macht der Transfer jedoch Sinn – für beide Seiten.

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"Wir eröffnen ein neues Kapitel der legendären Geschichte des AC Milan", ließ der neue Klubbesitzer Li Yonghong im April während seiner ersten Pressekonferenz nach der Übernahme von Klub-Patron Silvio Berlusconi verlauten. Kurz zuvor kaufte er mit einem dubiosen Konsortium den Traditionsverein für insgesamt 740 Millionen Euro, wovon alleine 220 Millionen für die Tilgung der in den Jahren zuvor angehäuften Schulden verwendet wurden. Es war der Start einer neuen Zeitrechnung beim AC Mailand, Li will den siebenmaligen Europapokalsieger wieder zu altem Glanz führen.

Der AC Mailand ist voll im Umbruch

Mit Hakan Calhanoglu, Andre Silva, Ricardo Rodriguez, Franck Kessie, Andrea Conti und Mateo Musacchio wurde das Team, welches in der abgelaufenen Saison lediglich Rang sechs und damit die Qualifikation für die Europa League erreichte, bereits für geschätzte 130 Millionen Euro qualitativ hochwertig verstärkt. Das bis dato wichtigste Ausrufezeichen setzte Milan zuletzt mit der Vertragsverlängerung von Mega-Talent Gianluigi Donnarumma. Die europäische Elite gab sich in den letzten Wochen die Klinke in die Hand, um den verheißungsvollen Keeper zu verpflichten.

"Ich bin in diesem Klub aufgewachsen und ich hatte nie Zweifel daran, hier zu bleiben", ließ dieser anschließend verlauten. Mit einem Jahresgehalt von sechs Millionen Euro, einem Vielfachen dessen, was beispielsweise Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi im gleichen Alter verdienten, gehört Donnarumma bis 2021 zu den Top-Verdienern bei den Lombarden. Spätestens mit diesem Ausrufezeichen am Mittwoch war klar: Die Rossoneri meinen es ernst.

Gianluigi Donnarumma Antonio Donnarumma Fassone Mirabelli MilanAC Milan

Mit der Verpflichtung von Bonucci folgte nun am Freitag vollkommen überraschend das Nächste. "Ich habe das nicht erwartet. Es sah aus wie ein Scherz, die Neuigkeit kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Es ist ein großartiger Deal, den ich niemals erwartet hätte", gab Juve-Legende Alessandro Del Piero gegenüber Sky Sport Italia zu verstehen.

Dissenz mit Allegri

Überraschend war für den Weltmeister von 2006 dabei wohl mehr der neue Klub des Innenverteidigers als die Tatsache, dass Bonucci die Bianconeri nach sieben äußerst erfolgreichen Jahren verlässt. Bereits seit Monaten hielten sich hartnäckige Wechselgerüchte um den Innenverteidiger, immer wieder war von einem zerrütteten Verhältnis zu Massimiliano Allegri zu lesen. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel beim FC Porto suspendierte der Coach seinen Verteidiger nach einem heftigen Streit, auch nach dem Finale der Champions League gegen Real Madrid soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen sein.

Leonardo Bonucci Massimiliano Allegri JuventusGetty Images

Italienischen Medienberichten zufolge soll Allegri die Verantwortlichen von Juventus schließlich vor die Wahl gestellt haben, sich entweder von ihm oder von Bonucci zu trennen. Die Entscheidung fiel auf den 30-Jährigen. Manchester City zeigte großes Interesse, als wahrscheinlichster Abnehmer galt zuletzt der von Ex-Juve-Coach Antonio Conte trainierte FC Chelsea.

Bonucci selbst sprach sich jedoch seiner Familie zuliebe für einen Verbleib in der Serie A aus. So spielte ihm der Umbruch des neureichen und auf der Suche nach neuen Superstars befindlichen AC Mailand in die Karten. Aktuell sind in Italien neben Juventus nur die Rot-Schwarzen in der Lage, einen Transfer dieser Größenordnung zu stemmen.

Wichtiger Eckpfeiler bei Juventus Turin

Milan darf sich freuen, für 40 Millionen Euro einen echten Top-Star ins San Siro gelockt zu haben. Seit seiner Ankunft in Turin war Bonucci einer der gefürchtetsten Verteidiger der Serie A und stets einer der zentralen Eckpfeiler im Team der Alten Dame. Während seiner Zeit im Piemont bildete er mit Gianluigi Buffon im Rücken an der Seite von Giorgio Chiellini eine der sichersten Hintermannschaften Europas, holte mit Juventus in sieben Jahren insgesamt 13 Titel und erreichte zweimal das Finale der Königsklasse.

Nun möchte Bonucci seine Erfolgsgeschichte im San Siro fortsetzen. Die Ziele des Vereins sind enorm groß, das Potenzial des Teams ebenfalls. Mit seiner Verpflichtung will der AC Mailand seine Ambitionen, zurück in die Riege der europäischen Top-Klubs zu kommen, untermauern. Milan ist zurück. Dieses Ausrufezeichen war schließlich nicht zu übersehen.

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