Lars Stindl Germany Chile 22062017Getty

Lars Stindl im DFB-Team: Mittendrin statt nur dabei


HINTERGRUND

Nimmermüde predigt Bundestrainer Joachim Löw, dass es sich bei der Reise zum Confed Cup in Russland für viele der mitgenommenen Spieler um eine Art Tutorial handelt. Wie geht Nationalmannschaft? Den Moment genießen, vereinsunabhängig auf der ganz großen Bühne aufzulaufen. Löws Intention bei der Zusammenstellung seines Kaders für die WM-Generalprobe: testen.

Herausfinden, wer von den Anwesenden das Zeug dazu hat, auch über diesen Sommer hinaus fester Bestandteil der Weltmeister-Selektion zu sein. Dabei stehen natürlich die jungen Wilden, die Brandts, Goretzkas und Henrichs‘ im Fokus. Hinzu kommen mit Sandro Wagner und Lars Stindl zwei Offensivmänner der älteren Garde, deren Nominierung im Vorfeld mehr als "Belohnung" für eine gute Bundesliga-Saison denn als ernsthafte Zukunfts-Alternative daherkam.

Bei Gladbach der Star, beim DFB unter dem Radar

Vor allem Stindl, der bei Borussia Mönchengladbach seit zwei Jahren zum Stammpersonal zählt, bereits in der Vorsaison zum Leistungsträger avancierte, wurde lange vor dem Confed Cup von Presse und Fans zum potenziellen Nationalspieler hochstilisiert. Nach seinem Doppelpack für die Fohlen im Champions-League-Gruppenspiel gegen den FC Sevilla Ende 2015 schrieb die Bild-Zeitung beispielsweise: "So stürmt Stindl bald zu Jogi", FOCUS Online befand im Anschluss an Stindls herausragendem Auftritt in der Europa League gegen den AC Florenz ebenfalls, dass der ehemalige Hannoveraner in die "Nationalmannschaft gehört". Erhört wurden die Forderungen mit Verspätung, aber sie wurden erhört. Ob aus Wohlwollen oder tatsächlicher Bereitschaft, Stindl eine echte Chance im DFB-Dress zu gewähren, bleibt abzuwarten.

Joachim Löw Lars Stindl GFXGoal

Bislang macht der 28-Jährige jedenfalls eine gute Figur im zusammengewürfelten Löw-Kader. Der Angreifer kam in beiden Spielen beim Confed Cup von Beginn an zum Einsatz, traf sowohl gegen Australien als auch gegen die starke Auswahl Chiles. Tauchte er gegen Down Under nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:0 noch merklich ab, wirkte Stindl gegen den Südamerikameister präsenter, gefährlicher im Abschluss. "Er ist ein sehr raffinierter Spieler mit Spielintelligenz und unglaublicher Orientierung im Raum", lobte der Bundestrainer seinen neuen Schützling nach dem 1:1 gegen Chile, das mit seiner bestmöglichen Mannschaft nach Russland gereist ist.

"Habe mich sehr über die Nominierung gefreut"

Plötzlich viele Blumen für Stindl, der das Kapitel Nationalmannschaft eigentlich schon längst abgehakt hatte. "Alles, was nach der Saison für mich dazugekommen ist, ist Bonus für mich. Ich habe mich sehr über die Nominierung gefreut", gab er nach seinem vierten Auftritt für Deutschland zu Protokoll. Im letzten Gruppenspiel gegen Kamerun dürfte Löw erneut auf seinen "Torgaranten" setzen, darauf hoffen, dass der Gladbach-Kapitän seinen Teil dazu beiträgt, Deutschland ins Halbfinale zu bugsieren.

Knüpft er an seine bisherigen Darbietungen für die DFB-Auswahl an, wird aus dem Kulanz-Nominierten hinsichtlich der WM im kommenden Jahr vielleicht eine ernstzunehmende Personalie. Fakt ist: Stindl, derjenige, der den Mythos Nationalmannschaft vordergründig höchstens als Aufpolierung seiner Vita ansehen konnte, ist plötzlich mittendrin statt nur dabei. 

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